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Polo GTI: Ganz schön frech, der Kleine

Polo GTI: Ganz schön frech, der Kleine

Wolfgang Stegers
14.12.2017, 18:11 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

GTI ist ein Lebensgefühl. Wer GTI fährt, ist meist vernünftig, mag es aber auch sehr sportlich beim Autofahren. Ein gewisser Hedonismus kommt hinzu. Dafür steht das Kürzel: GTI. Wer einen fährt, ist zugleich Mitglied jener imaginären weltweiten Fangemeinde, die mit Stolz sagt. „Ich fahre GTI“. Ein klares Statement. Großer Sport mit kleinem Karo. Noch Fragen?

Der erste GTI? Der Scirocco!


GTI?, da war doch was. Na klar, Golf GTI. 1976 aus der Taufe gehoben, mit 110 PS ein Leichtgewicht von 810 Kilo und für unter 14.000 DM angeboten. Aber ist GTI nicht eine eigene Marke? Das magische Kürzel mit dem roten Streifen und dem Karomuster „Clark“ ziert den Golf ebenso wie den Up oder den Polo. Die Gütemarke steht für hochgezüchtete Sportlichkeit bei Volkswagen. Wie unpassend auch, dass mit dem zum Jahresende auslaufenden Scirocco GTI ausgerechnet jener Grand Tourisme Injection nicht mehr gebaut wird, der die DNA der drei Buchstaben 1975 als erster und am überzeugendsten präsentierte.

Anfangs GTI-Kleinserie geplant


Was ursprünglich als eine Kleinserie von 5000 Stück geplant war, entpuppte sich zum Kassenschlager. Ein Golf GTI liegt im Modellmix des Golf bei knapp über zehn Prozent, ein Polo darunter. So ist ein Aussterben der Gattung ist nicht zu befürchten; ein Aufblähen ebenso wenig. So wird weder die steigende Anzahl der innerstädtischen Geländewagen das GTI-Label zieren noch VW-Bus, Passat oder Sharan. Natürlich aber den neuen Polo – wie schon die Modellgenerationen zuvor.

Urahn Polo G40


Hier hat es mit dem „unechten“ GTI, Polo G40, begonnen. Er verfügte über einen sogenannten G-Lader, ein pfiffiges wie äußerst heikles Aufladesystem. Anders als der Turbo (vom Abgasstrom angetrieben), ähnlich wie ein Kompressor (von er Kurbelwelle befeuert), verzichtet der G-Lader mit seinem schneckenförmigen Vibrator-Gehäuse Frischluft und presst sie in die Brennräume an. Neben dem Polo wurde der sehr aufwändig zu fertigende Lader auch im Corrado eingebaut. Wegen der hohen Ausfallraten bei der Produktion wurde der bald eingestellt. Über die Zwischenphase als Polo GT durfte er erst 1998 sich GTI nennen. Man sieht, Volkswagen hat es sich nicht leichtgemacht, die GTI-Familie wachsen zu lassen.

Wankt der Golf GTI?


Den neuen Polo GTI haben die Wolfsburger jüngst vorgestellt. Dabei ist den Ingenieuren ein solch großer Wurf gelungen, dass hauseigene Rennexperten dem Polo GTI aktuell eine bessere Performance auf Racetracks attestieren als dem größeren Bruder Golf. Droht hier eine Wachablösung, verschieben sich die GTI-Maßstäbe? Und kann das, was für die Rennstrecke gilt, auch auf den öffentlichen Straßen umgesetzt werden?

Im Kurvenlabyrinth meisterhaft


Die nackten Zahlen auf dem Papier sagen: Viertürige Limousine, 4,05 Meter kurz und 1,75 m schmal, Leergewicht samt 7k-Kilo-Fahrer 1,355 Tonnen, 2.0 Liter Vierzylinder Reihenmotor mit Turboaufladung, 200 PS (147 kW) bei 6000 Umdrehungen und ein Drehmoment von 320 Newtonmeter. Das recht für den Sprint auf 100 km/h in 6,7 Sekunden und 237 km/h Spitze. Aber diese Leistungsdaten machen den Polo noch nicht so wieselflink, dass er um die Ecken hetzt und einen Golf R, den mit 240 PS und Allradantrieb stärksten der Golfbrüder ältlich aussehen lässt – und mit 180 Kilo Mehrgewicht ausgestattet, ein wenig verfettet wirkt. Beim Golf GTI hingegen beträgt das Mehrgewicht zum Polo 120 Kilo bei 30 beziehungsweise 45 Mehr-PS.

Kurvenschnelles Torque Vectoring


Das Geheimnis des Polo GTI verbirgt sich in der Vorderachse. In sie das ganze Wissen der Fahrwerksingenieure eingeflossen. Zum Golf haben sie vor allem die Aufhängung so verändert, das die Kraft besser auf die Straße kommt. Auch wurde das elektronische Torque Vectoring via Bremseingriff so verfeinert, dass noch gezielter die Motorkraft ans kurvenäußere Rad gelenkt wird. Dadurch wird der Wagen deutlich agiler.

Zirkelsaubere Kreise


Es ist eine Freude, wie stur spurstabil der Wagen sauber seine Radien zirkelt. Vor allem flotte Kurvenfahrten von 100 Grad und mehr bereiten die reinste Freude. Nicht der leiseste Ansatz von Ausbrechen, keine irritierenden Stöße der Lenkung, lineare Lenkkräfte und sensationelles Handling bei standhaften Bremsen zeichnen diesen GTI aus.

Grenzen des Frontantriebs


Der Antrieb stößt dann an seine Grenze, wenn auf holpriger Straße die Vorderräder die Motorkraft auf den Asphalt bringen sollen. Dann kann der Wagen aus seiner stoischen Gelassenheit kommen. Feinschliff bei Dämpfern und Federn müsste da Abhilfe leisten können. Zu keiner Zeit jedoch wird es unsicher oder kritisch – im Gegenteil bei Ausrutscher auf nassglattem Untergrund zieht der Frontantrieb den Wagen wieder in die Spur.

Kurvengierig und leicht zu führen


Bei ausführlichen Testfahrten auf de Rennstrecke (26,5 Liter/100 km) und bergigen Straßen auf Mallorca (Durchschnitt 10,2 l) konnte der Wagen seine kurvengierigen Fahrwerksqualitäten überzeugend ausspielen. Unangenehm und bisweilen schmerzvoll für die Knie wirkt die ungepolsterte Abdeckung der Mittelkonsole; die nachgebenden Seitenwangen der Sitze erscheinen als zu weich und der Tank als zu klein. Sein 40-Liter-Volumen ist allerdings der Großserie geschuldet.

Vorteile der Großserienlimousine


Dass der GTI aus der Polo-Großserie stammt, muss kein Schaden sein. Im Gegenteil, die so genannte Alltagstauglichkeit wird mitgeliefert. Auf der Rückbank können sich zwei, vielleicht gar drei Personen platzieren, Fahrwerk und Federung lassen sich auf komfortables Reisen einstellen und wichtiger noch, eine Vielzahl serienmäßiger oder aufpreispflichtiger Assistenzsysteme machen das Fahren sicherer. Dass mit der „App-Connect“ das eigene Smartphone mit all seinen Möglichkeiten ins Fahrzeug einzieht, ist mittlerweile selbstverständlich geworden. Und der Einstiegspreis von 23.675 Euro erscheint lukrativ.

Polo: Neues GTI-Urmeter?!


Anfangs wird der Polo GTI ausschließlich mit dem Doppelkupplungsgetriebe ausgeliefert. Puristen werden sich auf den leichteren und kostengünstigeren Sechsgang-Handschalter freuen. Ab jetzt dürfen Zweifel erlaubt sein, ob der Golf GTI wirklich noch das Urmeter der GTI-Baureihe ist. Neu vermessen, überzeugt dieser Polo GTI auf Anhieb.

2 Kommentare

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Wolfgang Stegers
Eine Pfeffermühle mahlt Pfeffer, eine Getreidemühle Korn und mit einem Automobil ist man mobil. Und speziell dieses Automobil gilt: Variatio delectat
  • 15.12.2017, 12:17 Uhr
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Und was macht man mit so einer Mühle?
  • 14.12.2017, 20:54 Uhr
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