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Die Opel Strategie: Mut zur Lücke. In der Nische wachsen

Die Opel Strategie: Mut zur Lücke. In der Nische wachsen

Wolfgang Stegers
09.05.2018, 17:17 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Die Opelaner, man kann es nicht anders sagen, sind sturm- und kampferprobt. Die altehrwürdige Automobilschmiede in Rüsselsheim ist schon durch so manche Krise gegangen, und irgendwie ist es immer wieder gelungen, wenn auch mit schmerzhaften Verlusten, die Marke am Leben zu erhalten. Jetzt, unter dem Dach der französischen PSA-Gruppe mit Peugeot und Citroen, selbst in Händen des chinesischen Autokonzerns Dongfeng Motor Corporation, stand wieder eine Neuorientierung an: Wie überleben in den gesättigten Märkten Europas: wie sich in den Wachstumsregionen ausbreiten und möglichst dicke Stücke vom Kuchen gewinnen?

Wiederholt sich der Zafira-Erfolg?


Und es scheint, als ob sie einen ähnlichen Coup landen könnten, wie vor Jahrzehnten mit dem Zafira. Es war Opel frühzeitige Antwort auf die sich abzeichnende Van-Welle. Jetzt soll der vollkommen neu entwickelte Combo den Erfolg wiederholen. Denn der kompakte, kleine Transporter will das Image des Lastwagens ablegen und als Lifestyle-Gefährt für Familie und Hobby, Freizeit und Beruf reüssieren. Dazu wurden Alltagsnutzen und Variabilität erhöht und Aussehen wie Ausstattung in Richtung anspruchsvoller Personenwagen getrimmt. Die Erfolgsaussichten scheinen gut. Denn in den letzten vier Jahren ist das Combo-Segment in Deutschland um fast ein Drittel gestiegen.

Opel verantwortet die Entwicklung


Den kleinen Tansporter von Opel gibt es schon seit über 30 Jahren, als er sich auf Basis des Kadett, später Corsa als Hochdachkombi einen Namen machte. Später wurde der Combo der Zwillingsbruder des Fiat Doblo. Die neuen Opeleigner aber mischen die Karten neu und der neue Peugeot Rifter (ex Partner) sowie der Berlingo (Citroen) bilden die fünfte Generation. Das Wichtigste aber daran, Opel in Rüsselsheim entwickelt dieses Fahrzeug im arbeitsteiligen Reich der PSA-Familie allein.

„Neue Denke“ für den Combo


Voller Elan machten sich die Opel-Ingenieure an die Arbeit und begannen den Combo „neu zu denken“. Wie aus Handwerker-Kombis Lifestyleautos wurden, so soll auch der kleine „Transporter raus aus der Schmuddelecke“. Aber einfach nur aufpeppen und mit austauschbaren Accessoires bestücken, das konnte es nicht sein, um den Wandel zu vollziehen. Das Praktische war ebenso eminent wichtig wie die Wohlfühlatmosphäre in dem Auto. So wurde an Ablagefächern nicht gespart. Nicht genug, sie sind auch pfiffig konstruiert. Etwa das Staufach im Heck über den Köpfen der Passagiere in dem Hochfachkombi. Es ist sowohl von innen, von den Sitzen aus zu bedienen, als auch von außen bei geöffneter Heckklappe - natürlich vor neugierigen Blicken geschützt und verschließbar.

Lichtdurchflutet – gigantischer Ladeabteil


Den Combo „neu denken“ oder um in der Opel-Sprache zu bleiben, „im Kopf umparken“, das hieß auch, den „Laster“ als Personenwagen zu konzipieren. Das bedeutet „let the sunshine in“, viel Licht, große Scheiben und einen Illumination des Inneren, bei der auch durchs Dachfenster die Sterne leuchten. Die geteilte Heckklappe, um schnell Kleinigkeiten oder Supermarkteinkäufe auf die zweite Etage des Kofferraums zu lagern, ist ebenso praktisch, wie die Option für eine zweite hintere Schiebetür links. Das Kofferraumvolumen reicht von knapp 600 bis 2.126 Litern – und bei der Langversion 4,75 m gar über 2.600 Liter.

Vollgepackt mit Assistenzsystemen


Darüberhinaus ist der Pkw-Rucksack vollgepackt mit Assistenzsystemen, die das Fahren erleichtern und dem Fahrer Hilfe sind: Fußgängererkennung, Notbremsfunktion, Headup-Display, Panorama-Rückfahrkamera 360 Grad, Verkehrszeichenerkennung, teil-autonomes Einparken und natürlich ein großes Display, der Monitor für das Navigationssystem, Fahrzeugeinstellung und Kommunikation. Die Anbindung an die Welt des Internet für Android und IOS, Google und Apple, ist selbstredend eingeplant.

Allradantrieb auf Wunsch


Ein Freizeitmobil muss durch dick und dünn gehen, gute und schlechte Wege meistern. Allradantrieb ist dann unersetzlich. Von der flexiblen Bestuhlung ganz zu schweigen. Wenn auch noch keine Camping-light-Ausstattung zum Start zur Verfügung steht (und Spezialzulieferer hier schon hier Geschäft wittern), so ist es schon jetzt möglich, sein Matratzenlager im Combo aufzuschlagen.

1,5 Tonnen am Haken


Das Kaufverhalten gibt den Opel Ingenieuren recht: Hochdachkombis erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Sie sind ungeheuer praktisch und multifunktional – ohne dass zu den weitaus teuren Minibussen á la VW-Bulli, Mercedes Vito oder Opel Vivaro gegriffen werden müsste. Mit einer Länge von 4,40 Metern bei 1,80 Meter Höhe meistern sie rare Parkplätze in beengten Innenstädten und unterfahren in Touristengebieten deutlich die für Camper oder Wohnmobile verbotenen Verweilbuchten, wo meist die Aussicht am besten ist. Übrigens, als Hinweis für überzeugte Camper und Freizeit-Transporteue: Die Anhängelast beträgt 1,5 Tonnen.

Turbodiesel und Dreizylinderbenziner


Für Opel nimmt der Combo Life nun eine Schlüsselstellung ein. Denn es gilt sich in dem Konzern neu zu positionieren. Wenn im Herbst die Fahrzeuge ersten ausgeliefert werden, dann werden die Dreizylinder Turbobenziner mit 110 oder 130 PS angeboten und drei Varianten des 1,5 l Turbodiesels mit 75, 100 und 130 PS folgen. Keine Sorge, für alle gilt die Abgasnorm 6d-temp und macht die Wagen auch „innenstadtfest“.

Absatzziel 60 000


„Schlüsselrolle“ das bedeutet auch, dass Opel die Zahl der verkauften Combos bis zum Jahr 2020 auf dann 60 000 verdreifachen will. Auch wenn er als Personenwagen entwickelt wurde, zählt der Combo in den Bereich leichte Nutzfahrzeuge. Hier streben die Opelianer zurück in die Gewinnzone, denn „der Markt für Nutzfahrzeuge ist profitabel“, sagt Tobias Stöber, Chef dieser Sparte. Das liegt auch daran, dass deren Kunden nicht alle sechs bis sieben Jahre ein neues Modell erwarten. So soll der Absatz von Nutzfahrzeugen in den nächsten vier Jahre um ein viertel steigen. Der neue Combo, bisher in der Kooperation mit Fiat (Doblo) in der Türkei gebaut, wird im spanischen Werk Vigo gefertigt. Engineered in Rüsselheim.

Rüsselsheim als bedeutender Entwicklungsstandort


So ist das Opel Entwicklungszentrum in Rüsselsheim Heimstatt für insgesamt 15 Kompetenzzentren der PSA Gruppe. Neben den leichten Nutzfahrzeugen sind herausragende Entwicklungscluster die Brennstoffzellen-Entwicklung, Alternative Kraftstoffe, Assistenzsysteme, Fahrzeuggeometrie, Material-Forschung. Auch werden alle neuen Opel-Vauxhall-Fahrzeuge am Main entwickelt. Opel startet erneut in eine neue Zukunft.

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