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24 Stunden Nürburgring: Himmelfahrtskommando für Väter & Söhne

24 Stunden Nürburgring: Himmelfahrtskommando für Väter & Söhne

Wolfgang Stegers
16.05.2018, 11:07 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Das 24 Stunden Rennen durch die Grüne Hölle des Nürburgring gilt als das härteste wie gefährlichste Autorennen auf der 25,378 Kilometer langen Achterbahn durch die Eifel. Seit Jahren ist es ein „Familientreffen“ der Petrolheads. Kein Wunder, dass Rennfahrer ihre Kinder mitbringen, und Väter ihre Töchter oder Söhne ans Steuer lassen. Man fährt in einem Team mit- oder gegeneinander.

Warum die Sucht auf und zur Nordschleife? Liegt es an den Genen, an Erziehung und Begeisterung, entwickelt der Breitensport seine Wirkung, spielt das Reglement mit seinen Möglichkeiten und wabert der Mythos Nürburgring-Nordschleife mit seiner magnetischen Anziehungskraft darin? Es wird wohl eine Melange aus Allem und mit Allem sein, wenn mittlerweile immer häufiger zwei Generationen, die der Väter und die der Söhne und Töchter, bei diesem Rennen zwei Mal rund um die Uhr miteinander- und gegeneinander fahren.

Rennen über Familienbande


Gerade beim diesjährigen Himmelfahrtwochenende war die Racer-Wallfahrt von starken Familienbanden geprägt. Ganz vorweg Volker Strycek. Er ist der unbestrittene Raceman und Idol der Fans bei den 24 Stunden. Mit 42 Teilnahmen ein Tausendsassa im Rennoverall, Opel-Ingenieur, Sportchef, Honorarprofessor der TU Berlin und AvD-Sportpräsident sowie als erster DTM-Champion auch einsamer Rekordhalter der bisherigen 47 Rennen am Ring. Der alte Manta-Fuchs Strycek hat heuer seine Tochter Lena ins Cockpit des X-Bow Frauenteams gepackt, ist selbst auf dem Opel Astra OPC mit Sohn Robin dabei, fährt gemeinsam mit den Stuck Söhnen Ferdinand und Johannes im KTM X-Bow 202 gegen seine Tochter mit der Nummer 201. Wenn das kein Familientreffen befreundeter Race-Clans ist. Und ewig dreht der Manta mit wehendem Fuchsschwanz seine Runden.

Die Stuckis - drei von der Tankstelle


Die Familienbande hatte zuvor schon Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck bespielt. Mit „Stuck Hoch Drei“ waren der Senior zusammen mit seinen beiden Söhnen Johannes und Ferdinand 2011 in Cockpit eines Lamborghini Gallardo geklettert, um die Strecke unter die Räder zu nehmen. Für Strietzel hieß es: Zum letzten Mal bei einem großen Rennen dabei. Denn „43 Jahre sind genug“. Fast wehmütig hatte damals der Strietzel von der „interessantesten, schönsten und geilsten Rennstrecke der Welt“ geschwärmt. „Ich bin hier aufgewachsen und drehte bereits mit neun Jahren meine erste Runde auf diesem Kurs – mit meinem Vater auf dem Beifahrersitz und mit feuchten Hosen“, erinnerte sich der schlaksige Racer - heute fit und frisch wie eh und je, jetzt Markenbotschafter von Volkswagen und den wachen Kopf voller Ideen.

Rennhistorie für die Familienchronik


Da pilotiert ein Nordschleifenexperte wie Christian Menzel den einzigen Ferrari im Feld, während Sohn Nic hinter dem Steuer eines BMW M4 sitzt. Die Renndynastie der Winkelhocks ist mit dem dreimaligen 24h-Gesamtsieger Markus Winkelhock in der dritten Generation vertreten, und die Aschs bereichern die Familienchronik mit weiteren Teilnahmen

Seat Cupra –Sohn am Steuer, Vater als Lehrmeister

Mit frischem Geld und aktivem Rat unterstützt Professor Stefan Gies, der als leitender Ingenieur bei Volkswagen und selbst Rennfahrer bei den VLN-Langstrecken Rennen in die die 24 Stundenhatz eingebunden ist, Sohn Andre. Er hat bereits Erfahrungen auf einem Renn-Lamborghini bei den ADAC-Masters gemacht. An diesem Wochenende sitzt er im Cockpit eines Seat, aufgebaut vom FEV-Team. Zum ersten Mal ist der Rennstall aus dem benachbarten Aachen dabei und fährt in der neu geschaffenen TCR-Klasse. Gegen weitere 8 Teilnehmer tritt Seat Cupra antritt. Heute aber mussten Vater und Sohn passen. Das Team stellte nach 63 Runden und knapp 18 Stunden den Cupra mit der Startnummer 176 ab. Das war’s. Im großen Starterfeld ist die TCR Klasse bei den 24 Stunden ist deswegen bemerkenswert, weil die neu geschaffene Rennserie WTCR im Vorprogramm drei Läufe abhält. Später starten dann einige der schnellen Tourenwagen bei dem Marathonklassiker.

Tourenwagen-Rennen im Vorprogramm


In der internationalen WTCR-Serie gehen reinrassige Rennfahrzeuge wie der Audi RS3 LMS, Honda Civic, Hyundai i30, die Giulietta von Alfa Romeo, Peugeot 308 TCR, Seat Cupra und der VW Golf GTI TCR an den Start. Jeweils drei Rennen führen sie an einem verlängerten Wochenende. Das dient den Fans, reduziert auch die Kosten. Denn die Serie ist neben Europa (Hungaroring, Zandvoort, Nürburgring auch in Japan (Suzuka) und China (Macau, Shanghai) im Rennkalender. Die Transportkosten sind daher erheblich. Aber Tourenwagen-Rennen sind deswegen so beliebt, weil die Fans „ihre Marke“ wiedererkennen und Marketingstrategen Werbung für die Großserienautos machen können.

So waren die Rennen vor der gigantischen Kulisse von hunderttausenden Zuschauern an der Nordschleife auch ein Schaulauf der Serie. Hyundai und Honda sind besonders erfolgreich, auch wenn der Golf GTI R mit seinen 350 PS aus dem Zweiliter-Turbomotor bereits Siege verbuchen konnte. Fahrer Benjamin Leuchter hatte mit dem Gewinn der Meisterschaft in den zwei Jahren zuvor die Favoritenstellung des Golf GTI markiert. Auf dem Nürburgring dominierten aber Hyundai und Honda.


Annalen der 24 Stunden Nordschleife


Strietzel Stuck, am Abend zuvor um seine Verdiente für das 24 Stunden Rennen vielfach geehrt, gewann zum ersten Mal das Rennen auf einem Koepchen-BMW 2002ti bei der Premiere 1970 und noch immer führt BMW mit 19 Gesamtsiegen vor Porsche mit nunmehr 12 Siegen in der Statistik. Nahezu die Hälfte davon entfällt auf das Team Manthey und mit dem diesjährigen Gewinn kommt der sechste Sieg hinzu. Wie breit aufgefächert die Liste der Hersteller bei diesem Rennen ist, zeigt das Who-is-Who der Firmen, die sich in die Annalen der Gesamtsieger eingetragen haben: Ford mit 5, Audi 4, Chrysler-Viper 5, Mercedes 2 und Opel 1. Und immer öfter geht es im Finish verdammt eng zu. Fünfmal trennten Sieger und Zweitplatzierter weniger als eine Minute nach 1440 abgelaufenen.

Geballter Einsatz der Werkteams


Experten sehen darin, dass die Fahrzeuge immer zuverlässiger, die Technik ausgereifter und das Feld der Fahrer stärker zusammengerückt. Denn als 1995 BMW zum ersten Mal und dann auch noch als einziges Werksteam an den Start kam, betrug der Abstand zum Zweitplatzierten knapp 200 Kilometer oder 8 Runden. Nicht immer werden Rekordmarken von über 4000 zurückgelegten Kilometern geknackt. 2014waren es 159 Runden oder 4035 Kilometer , wie auch im letzten Jahr mit einer Runde weniger 4009 Kilometer, gefahren jedes Mal auf einem Audi R8 LMS. Markus Winkelhock war beide Mal mit dabei.

Waren vor elf Jahre 224 Starter angetreten, ist deren Zahl heute auf 190 Rennfahrzeuge limitiert. Auch müssen sich die Teilnehmer mit einer speziellen „Permission“ für das Rennen qualifiziert haben. Aber auch im nächsten Jahr gilt für Viele: Ein Mal im Leben Baum pflanzen, Kind zeugen und die 24 Stunden vom Nürburgring durch die Grüne Hölle der Nordschleife fahren.

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