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Zero Motorcycles: Das Höchste an G’fühl

Zero Motorcycles: Das Höchste an G’fühl

Wolfgang Stegers
25.06.2018, 21:47 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Noch sind die PS-starken Elektromotorräder rar. Enthusiasten und Fachleute sind sich sicher, dass sie immer mehr Liebhaber finden werden – etwa für Funtrips am Wochenende und für die tägliche Fahrt zur Arbeit. Flüsterleise und sprintschnell bahnen sie sich ihren Weg. Notizen einer kurvenreichen Ausfahrt durch den Schwarzwald, a sentimental journey

Romantischer Trip – zukunftsweisende Technik


„Über allen Gipfeln ist Ruh’, über allen Wipfeln spürst Du kaum einen Hauch“ – danke Johann Wolfgang von G., dass Du die Stille gerufen hast, um mit Mathias Claudius zu summen „Der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar“.

Ja, das sind solche Abend- und Nachtmelodien, die mir während der Fahrt im Troß von gut 20 Motorrädern an diesem herrlichen Junimorgen von Freiburg aus andauernd durch den Kopf gehen. Ein Trip durch den Schwarzwald. „A sentimental journey on winding roads“, über kurvenreiche Seitenwege, vorbei an alten, sich in die Landschaft duckenden, schindelbedeckten Schwarzwaldhöfen, abseits glattgebügelter Magistralen und einschneidender Bundesstraßen.

Tourpaket und Offroadmsaschine


Die Stille fährt immer mit. Das leise Surren der PS-starken Boliden im Konvoi mutet an wie eine Schweigeprozession. Eine Tour gegen den Lärm. Erstaunt blicken Gäste in den Straßenafés auf, Velofahrer können es nicht fassen, von einer Meute Biker lautlos überholt zu werden - allesamt elektrisch unterwegs. Nicht auf kleinen zierlichen Mopeds hockend, sondern im Sattel ausgewachsener Touren- und Offroadmaschinen thronend, die mit all den Accessoires, die diese Gattung auszeichnet, bestückt sind: hochbeiniges Krad, viel Bodenfreiheit, grobstollige Reifen, Topcase, Seitenkoffer, Griffprotektoren und Scheinwerfergitter. Schwarz, dunkelgrün, tarnfleck. Und als ob dies nicht ausreichte, sind diese Maschinen auch noch als „Black Forest Edition“ ausgezeichnet. Eine starke Ansage.

Marktführer bei den E-Krads


„Schwarzwald Edition“- so nennt sich die auf 50 Maschinen ausgelegte Variante des Motorradherstellers Zero Motorcycles. Ob nun Marketinggag oder Überzeugungstat, der us-amerikanische Hersteller aus Kalifornien, 2006 gegründet und weltweit erfolgreichster Anbieter von Elektro-Krads, hat mit dem Veranstaltungsort Freiburg im Schwarzwald eine gute Wahl getroffen, schließlich ist die „Grüne Stadt“ Vorreiter für nachhaltiges Leben und Wohnen. „Grüne Energie“, Co2-freie Elektrizität haben Vorrang.

G-Vergnügen im Kurvenlabyrinth


Gleichzeitig wird der „Freizeitpark Schwarzwald“ auch gerne von Motorradgruppen genutzt, die rudelweise mit viel Lärm und Getöse das G-Vergnügen in den Kurven suchen, die PS an Steigungen aus armdicken Auspuffrohren ausbollern lassen und auf ihre Weise die romantisch-schöne Landschaft weniger genießen, mehr erobern wollen. Allein ihr massenhaftes lärmerfülltes Auftreten malträtiert die Sinne ruhesuchender Urlauber.

Ruhe und Stille als Werbefaktor


Kein Wunder, wenn der 1. Bürgermeister Freiburgs sowie der Tourismusdirektor der Region Schwarzwald das Hohe Lied der Elektrobikes anstimmen. Denn sie, so sagen die Fachleute mit ihrem Ohr ganz nah bei den Erholungssuchenden, könnten sich der Akzeptanz von Kurgästen und Bevölkerung erfreuen; gerade weil das Thema Lärm neben der Umweltverschmutzung durch Abgase immer stärker in den Vordergrund rückt. Da sind die Elektro-Motorräder sicher eine passende Lösung.

Alles so gut wie... und noch ein bisschen besser


Spaß ohne Reue, dieses Versprechen wird auch den Bikern gegeben. Ein rein elektrisch betriebenes Motorrad kann alles, was eine Verbrennungskraftmaschine auf zwei Rädern auch leistet – nur besser. Die Beschleunigung ist fulminant. Das volle Drehmoment von 146 Newtonmeter liegt mit dem ersten Dreh am Gasgriff an. Der luftgekühlte 19 Kilo leichte Elektromotor katapultiert Fahrer und Maschine vibrations- und rüttelfrei im atemberaubenden Tempo, ganz ohne Kraftschlussunterbrechung, Kupplung, Gangwechsel nach vorn.

70 PS - 168 km/h Spitze


Ein Gummibandeffekt, an den man sich gewöhnen muss, der vor allem dann unangenehm auftreten kann, wenn zu früh und zu heftig aus der Kurve herausbeschleunigt wird. Das ist die Electric Power, die traditionelle Biker erblassen lässt, vor allem auch deswegen, weil sie so lässig-lautlos mit 52 kW nutzbarer Leistung (70PS) und 208 Kilo an ihnen vorbeizischt. Spitze 168 km/h.

2 Cent pro Kilometer


208 Kilogramm wiegt eine sportliche Zero SR mit dem erweiterten Akkupack. Der wiegt schwer. Dann aber erreicht die Kapazität der wieder aufladbaren Batterie anstelle der 14,4 Kilowattstunden 18,0 kW. Auf die Lithium-Ionen-Akkus bietet der Hersteller eine 5-Jahres-Garantie bei unbegrenzter Kilometerleistung. Ausgelegt sind die Akkus auf 2.500 Ladezyklen, entsprechend 200 000 Kilometer. Interessant dabei die „Tankkosten“. Die Stromfüllung kostet je nach Stromanbieter 2,96 € beziehungsweise 3,70 €. Das reicht für 180 beziehungsweise 213 Kilometer. Diese Werte entsprechen der EU 134/2014 Norm. Sie sind durchaus individuell, je nach Fahrweise und –profil, unterschiedlich. Die elektrischen „Spritkosten“ pendeln sich bei 2 Cent pro Kilometer ein.

Elf Stunden Ladezeit am Schukostecker


An einer Haushaltssteckdose binnen zehn bis elf Stunden geladen, gibt der Hersteller eine Reichweite für den Stadtverkehr im Eco-Modus von bis zu 359 oder 180 Kilometer auf der Autobahn an. Bis zu sechsmal schneller geht es mit dem Schnelllader. Die Systeme sind mit denen für Elektroautos kompatibel, so dass es keine Mühe macht, die immer häufiger in Städten, Tiefgaragen, an Tankstellen oder auch Supermärkten aufgestellten Zapfsäulen anzufahren. Weniger als 2 Stunden Ladezeit mit Starkstrom bei einer 95%-Füllung macht die Elektromobilität immer ansprechender.

Die Preise sind happig


Bei all den Zahlen und Werten darf der Preis nicht fehlen. Auch wenn das „Tanken“ und damit der Betrieb der Elektromotorräder günstig ist und der ADAC bei ihnen einen 1.100 Euro Preisvorteil bei den jährlichen Unterhaltskosten errechnet hat, erscheint der Anschaffungspreis „sportlich“ und mag manchem die Sprache verschlagen: Der Einstieg beginnt bei 12.190 Euro und erreicht bei der Black Forest Edition samt zusätzlichem Akkupack und Schnellladesystem 25.090 Euro. Bei diesen Preisen muss man ganz stark sein, um nicht sentimental zu werden, auf dieser „Black Forest“ im Schwarzwald.

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