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WLTP, RDE, Euro6d-temp, etc- wize.life liefert dringend notwendige Aufklärung zu Diesel und Benziner

Wolfgang Stegers
11.07.2018, 14:04 Uhr
Beitrag von Wolfgang Stegers

Wenn 1 Gramm CO2 zu viel aus dem Auspuff Strafen von nahezu 1 Million Euro nach sich ziehen, dann lohnen sich aufwendige 30.000 Euro teure Abgastests. Was zu beachten und was vorgeschrieben ist, erfahrt ihr hier bei der Lesetour durch das Dickicht der Vorschriften. Aber Achtung, bitte anschnallen.


Für Flugzeuge gibt es Friedhöfe in den Wüstengebieten von Kaliforniern und Arizona. Schiffsfriedhöfe finden sich in Indien und Bangladesch. Autofriedhöfe sind Schrottplätze und Schredderanlagen über all in Deutschland zu finden. Aber wie soll man das gewaltige Areal auf dem Berliner Flugplatz Willy Brandt bezeichnen, das Volkswagen für nagelneue Modelle ohne Papiere und mit Null Kilometer auf dem Tacho nutzen will? Aus der Fabrik direkt aufs Altenteil? Oder was steckt dahinter?

Schicksalstag 1. September


Es könnten 250 000 Fahrzeuge sein, die der weltgrößte Autobauer ausspuckt, die aber keine Zulassung haben und keine Abnehmer finden dürfen. Der Grund: Ab dem 1. September erhalten Personenwagen nur dann eine Berechtigung am Verkehr teilzunehmen, wenn sie auch dem neuen Abgastest WLTP unterzogen haben. Und der hat es in sich.

Der Worldwide Harmonized Light Vehicle Test wurde 2017 zum 1. September für alle Neufahrzeuge eingeführt und wird ein Jahr später, also zum 1. September 2018 für alle Fahrzeuge bindend sein. Wer ihn nicht vorweisen kann, bekommt den Wagen nicht zugelassen, darf also auf öffentlichen Straßen nicht fahren. Der WLTP ersetzt den bisher gültigen Neuen Europäischen Fahrzyklus, NEFZ.

WLTP auf dem Prüfstand gemessen

„Der WLTP ist so dezidiert“, sagt Ingenieur Thomas Vogel, langjähriger Experte für Testzyklen und Standards der Abgasreinigung bei Opel, „dass nahezu jede Fahrzeugvariante bis 3,5 Tonnen einzeln den Prüfstandtest fahren und bestehen muss“. Das ist nicht lapidar, sagt Vogel sehr ernst. Denn es mache im realen Fahrbetrieb schon einen Unterschied, ob der Wagen mit oder ohne Schiebedach, mit größeren Felgen und Reifen, mit oder ohne Klimaanlage ausgestattet sei. Ganz zu schweigen auch von unterschiedlichen Fahrwerken, Anhängerkupplung oder Getriebeauslegungen.

Zudem hat sich das Testprocedere geändert. Im NEFZ betrug der Zyklus 20 Minuten, nun, WLTP, eine halbe Stunde. Die Fahrstrecke ist 23,25 Kilometer (alt 11 km), und es werden 4 (alt 2) Fahrphasen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 131 km/h (120 km/h) gefahren. Wie bereits erwähnt, muss beim WLTP die Zusatzausstattung berücksichtigt werden und in die Berechnung einfließen. Während bisher, NEFZ, ihr Einfluss auf Verbrauch und CO2-Ausstoß nicht berücksichtigt wurde. Die Testtemperaturen betrugen früher 20 bis 30 Grad, jetzt liegen sie bei 23 Grad Celsius, zusätzlich werden die Kohlendioxid-Werte auf 14 Grad korrigiert.

Jede Variante hat ihr eigenes CO2-Profil


Jeder Fahrzeugtyp wird in seiner leichtesten und schwersten Ausführung getestet. Mittels einer Formel werden dann der exakte Verbrauch und die CO2-Werte für jede Ausstattungsvariante berechnet. Die WLTP-Werte sind auf dem Prüfstand gemessen und auch errechnet.


Als ob dies nicht kompliziert und aufwendig genug wäre. Zusätzlich gelten seit letztem September 2017 für neue Fahrzeugmodelle Emissionsgrenzwerte, die unter realen Bedingungen im praktischen Fahrbetrieb in Echtzeit gemessen werden. RDE = Real Driving Emissions werden in Echtzeit ermittelt und dürfen nicht überschritten werden. Hier ist kein Prüfstand gefragt, hier müssen komplizierte Messarmaturen, die pro Einheit 200.000 Euro kosten, Verbrauch und Ausstoß ermitteln.

RDE - Ausfahrt ins Gelände

Die RDE-Methode besteht aus verschiedenen Fahrbedingungen im unterschiedlichen Gelände, verschiedenen Beladungen sowie im Stadtverkehr, auf Landstraßen und Autobahnen. Schnell hat sich dabei herausgestellt, dass nahezu alle Dieselmotoren diese Tests für „Euro 6d - temp“ (d= Diesel, Temp = Temporär) nur und ausschließlich mit SCR-Katalysator bestehen können. Harnstoff wird dabei ins heiße Abgas eingespritzt und wandelt Stickoxide um. Darüberhinaus sind zusätzliche NOX-Speicherkatalysatoren für einige Selbstzünder notwendig.

Euro 6d – temp ist eine Abgasnorm, die eingeführt wurde, weil sich bei der tatsächlichen Abgasmessung im Fahrbetrieb immer wieder Fehler einschlichen. Die Schadstoffe waren nicht mit derselben wiederholbaren Genauigkeit wie bei einem Labortest zu messen. Daher wurde der Konformitätsfaktor (KF) eingeführt. Der K-Faktor relativiert die Euro 6d-Grenzwerte und bedeutet, dass der Stickoxidausstoß den Grenzwert jetzt um den Faktor 2,1 überschreiten darf.

Keine Fahrverbote für Euro 6d - temp


Dieser als Euro-6d-temp bezeichnete Standard gilt für alle Neuzulassungen ab September 2019. Solche Neufahrzeuge werden schon heute angeboten und sind vor möglichen Fahrverboten in Innenstädten geschützt. Manche Hersteller geben sogar ihren Kunden eine Garantie darauf. Nach Euro 6d – temp folgt Euro 6d. Dann ist der Konformitätsfaktor auf 1,5 gesenkt, das heißt, die mobilen Abgasmessgeräte, PEM = Portable Emission Measurement System, müssen noch genauer sein.


Kompliment an die Leser, die noch nicht aus der Lektüre ausgestiegen sind. Die ungeheuer komplizierte Regelung, zeigt den gewaltigen Aufwand, dem alle Automobilhersteller ausgesetzt sind. War früher das Motto mancher Hersteller je mehr Zubehör angeboten wird, umso größer die Gewinnspanne, so streichen jetzt einige die Bestellmöglichkeiten drastisch zusammen oder bieten Pakete an.

Testfahrten werden 3 - 4 mal wiederholt


Dadurch entfallen einige der kosten- und zeitintensiven Zertifizierungen. Rund 8 Tagen dauern die RDE-Fahrten und müssen 3 bis 4 mal wiederholt werden. Kein Wunder, wenn sie einen mittleren fünfstelligen Betrage ausmachen, wie bei Opel zu hören ist.

Für die jetzt produzierten Fahrzeuge heißt es bei den Herstellern, sie können nicht bestellt und gebaut werden. Oder sie werden auf Halde produziert. Dann muss sich die Firma aber sicher sein, dass sie auch die ab September geforderten Normen erfüllen und die Zertifizierungsurkunden ausgestellt sind. Vom Berliner Flughafen BER sollten 2012 die Flugzeuge landen und starten.

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