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Was ist an unseren Grundschulen los? Rektorin rechnet falsch vor und findet  ...

Was ist an unseren Grundschulen los? Rektorin rechnet falsch vor und findet es gut so

News Team
22.09.2016, 15:57 Uhr
Beitrag von News Team

Das darf doch nicht wahr sein? So dachten sich etliche Leser des „Nordbayerischen Kurier“ am Wochenende beim Blick auf die Titelseite. Groß prangte dort im Aufmacherbild eine Schultafel mit einer falschen Rechnung:


? - 70 * 2 = 440

440 : 2 = 220


220 + 70 = 290

Die Kreide führt auf dem Bild Angela Becher, die als Mehrfach-Rektorin in dem Bericht zum Foto über Besetzungsengpässe an Grundschulen klagt.

„Kann die Rektorin nicht rechnen?“, fragten die Leser. „Kennt sie die Regel ´Punkt vor Strich` nicht?“

Oder stresst die Frau aus Bayreuth ihr Multi-Job so sehr, das sie nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht?


Richtig wären natürlich dieser Rechenweg und dieses Ergebnis:

? - 70 * 2 = 440


? - 140 = 440

? = 440 + 140 = 580

Angela Becher hat eine Erklärung für das peinliche Foto: "Die Rechnung an der Tafel ist so nicht richtig, darin sind wir uns alle einig", sagte sie dem „Nordbayerischen Kurier“. "Es handelt sich hierbei nur um einen Zwischenstand, der von den Kindern auf Richtigkeit geprüft werden soll." Und weiter: "Man kann also sagen, das Tafelbild entstand während eines laufenden Unterrichtsprozesses und wurde in diesem Verlauf nach Fehlersuche der Kinder noch korrigiert."

Diese Vorgehensweise entspricht nach Darstellung der Rektorin dem neuen Lehrplan. Becher glaubt, dass damit dieses Lernziel besser erreicht werde: „Begründen, ob Ergebnisse plausibel und richtig sind" und "Rechenfehler finden, erklären und korrigieren".

In Kurzform: Die Schüler sollen aus Fehlern lernen.

Skeptisch sieht der Bildungsexperte Heinz-Peter Meidinger das eigenwillig anmutende Vorgehen der Frau aus Franken:


Es ist kein prägendes Merkmal des neuen Lehrplans Plus, Schüler an Fehlern lernen zu lassen.

Den Chef des deutschen Philologenverbands erinnerte das falsche Vor-Rechnen an eine alte Methode: Damals mussten Schüler absichtlich eingestreute Fehler in Diktaten entdecken. „Davon ist man eher wieder abgekommen, weil sich falsche Wortbilder einprägen.“

„Ich würde davon abraten, als Lehrer Fehler an der Tafel vorzuführen, auch wenn es nur ein Zwischenstand ist. Ich riskiere damit, dass sich der ein oder andere Schüler am Ende doch das Falsche einprägt.

Gute Schüler haben nach Ansicht des Gymnasiallehrers damit keine Probleme. „Doch für lernschwächere Schüler verschwimmt der Grat zwischen Falschem und Richtigem und ihre Verunsicherung nimmt zu. Die Schere zwischen guten und lernschwächeren Schülern geht damit weiter auf.“

Sind unsere Grundschulen prinzipiell auf dem falschen Trichter? Auch das Schreiben wird inzwischen mit einer Methode gelehrt, die Fehler ausdrücklich ins Konzept einschließt. „Bei der ´Lesen-durch-Schreiben-Methode` dürfen Schüler im Anfangsunterricht schreiben, wie sie es hören und es wird erst einmal nicht verbessert“, erklärt Meidinger. „Die Erfahrungen damit sind ernüchternd.“

Nach Angaben des Bildungsexperten stellte sich heraus, dass zwar Kinder aus bildungsaffinen Elternhäusern später gut zur richtigen Rechtschreibung finden. Dabei hilft ihnen die Korrektur seitens der Eltern oder viel Lektüre neben der Schule.

Für schwächere Kinder ergibt sich aber durch diese Methode eine große Verunsicherung. Die Spur zurück zum Richtigen, das schaffen sie dann nicht mehr.

1 Kommentar

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Selten so einen unsinnigen Beitrag gelesen!
  • 24.09.2016, 01:46 Uhr
  • 0
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