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Abgehackter Finger und Listerien - Chicken Nuggets von Edeka: Insider berich ...

Abgehackter Finger und Listerien - Chicken Nuggets von Edeka: Insider berichtet von Ekelzuständen

News Team
16.01.2018, 13:51 Uhr
Beitrag von News Team

Berlin/Münster - Über Schnittwunden, Arbeitsunfälle, chronische Gelenkschmerzen bis hin zur Berufsunfähigkeit berichten Arbeiter in brasilianischen Schlachtfabriken, die auch für den deutschen Einzelhandel Hühnerformfleisch fertigen. Ähnlich ergeht es Geflügelfänger, die die Tiere ausstallen und zum Schlachthaus transportieren. Für sie sind zwölf Arbeitsstunden die Regel, unbezahlte Überstunden nicht selten. Die Entlohnung ist intransparent und zu gering zum Leben, eine gewerkschaftliche Interessenvertretung fehlt. Die Geflügelfänger sind in einem System von Abhängigkeiten und Schuldknechtschaft gefangen, wie die Studie "Unser täglich Fleisch" der Christlichen Initiative Romero (CIR) aufdeckt.

Die Studie dokumentiert die sozialen und ökologischen Kosten des in Brasilien verarbeiteten Hähnchenfleisches, das auch für den deutschen Einzelhandel bestimmt ist. Hierfür hat die CIR in Zusammenarbeit mit Repórter Brasil zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen in Brasilien interviewt, die im Akkord Hühner fangen und zerstückeln. Ein Arbeiter berichtet:

Ich habe ein Stück von meinem Finger verloren.

Der Betriebsarzt gebe ihm "nur Paracetamol gegen die Schmerzen. Es ist die einzige Behandlung, die er anbietet." Ein anderer beklagt, dass der Lohn für das Schlachten im Akkord nicht einmal für das Nötigste reicht:

Ich verdiene 330 Euro netto im Monat, aber meine Fixkosten liegen bei 507 Euro.

In Deutschland wird das Import-Hühnchen Produkten wie Chicken Nuggets beigemischt, da es billiger ist als Fleisch aus Deutschland. So landet es auch in den Regalen bei der Nr. 1 im deutschen Lebensmitteleinzelhandel: der EDEKA-Gruppe. CIR-Referentin Sandra Dusch Silva kritisiert:

Obwohl bei EDEKA die Umsätze stetig steigen und das Unternehmen seine Marktdominanz durch die Kaiser-Tengelmann-Übernahme weiter ausbauen konnte, gehört es in puncto soziale Unternehmensverantwortung zum Schlusslicht im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

Wie die Recherchen erneut zeigen, reicht die Mitgliedschaft in der Unternehmensinitiative BSCI nicht aus, um Arbeitsrechte zu sichern. Falls überhaupt Kontrollen in den Fabriken stattfinden, dann wird die Geschwindigkeit der Fließbänder gedrosselt. Ein Arbeiter beschreibt die negativen Auswirkungen der Kontrollbesuche:

Wir müssen an diesen Tagen bis zu drei oder vier Stunden länger arbeiten, um das Tagessoll zu erfüllen.

Testergebnisse von Ökotest belegen auch eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher. So wurden in den Gut & Günstig Chicken Nuggets von Edeka Belastungen mit Listerien-Bakterien und antibiotikaresistenten Keimen entdeckt. Dusch Silva erklärt und fordert:

Die Ausbeutung zum Billigpreis gefährdet nicht nur die Menschen und die Umwelt in Brasilien, sondern auch die Konsumenten und Konsumentinnen in Deutschland.
EDEKA darf nicht länger auf Kosten der Arbeiter und Arbeiterinnen Rekordgewinne einfahren!

Am 20. Januar wird die CIR gemeinsam mit dem breiten "Wir haben es satt"-Bündnis auf die Straße gehen, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen einzufordern.

(Quelle: Christlichen Initiative Romero)
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