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LKA warnte vor Anschlag durch Anis Amri - BKA winkte ab

LKA warnte vor Anschlag durch Anis Amri - BKA winkte ab

News Team
05.04.2017, 12:03 Uhr
Beitrag von News Team

Das Bundeskriminalamt (BKA) und das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen hatten offenbar unterschiedliche Einschätzungen über die Gefährlichkeit des Attentäters Anis Amri. Am 17. Februar 2016 hatte das LKA Nordrhein-Westfalen in einem an alle beteiligten Sicherheitsbehörden verschickten Vermerk gewarnt: „Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon auszugehen, dass Amri seine Anschlagsplanungen ausdauernd und langfristig verfolgen wird.“ Das BKA, das eine offizielle Einschätzung für das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum erstellen sollte, kam hingegen zwölf Tage später in einem bislang unbekannten, „geheim“ eingestuften Vermerk vom 29. Februar, den die ZEIT einsehen konnte, zu dem Ergebnis, „der Eintritt eines gefährdenden Ereignisses im Sinne eines durch Amri geplanten Anschlags“ sei als „eher unwahrscheinlich“ einzuschätzen.

Das LKA Nordrhein-Westfalen akzeptierte zwar die Bewertung des BKA, blieb aber intern bei der Einschätzung, Amri habe vor, „ein Selbstmordattentat“ in Deutschland zu verüben. Bei ihrer Einschätzung stützten sich die Düsseldorfer Beamten unter anderem auf die Aussagen eines V-Mannes, der wiederholt vor Amri gewarnt und dessen Drohungen wiedergegeben hatte. Danach soll Amri über die Deutschen gesagt haben: „Die töten jeden Tag Muslime, also muss ich die auch töten“. Dennoch setzte sich im Februar die BKA-Bewertung durch und wurde bis zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 nicht korrigiert.

Die deutschen Behörden verpassten im Oktober eine letzte Gelegenheit, Amri ausfindig zu machen, als der marokkanische Geheimdienst DGST insgesamt vier Anfragen nach Deutschland übermittelte, die unter anderem Amris Handynummer sowie den Namen seines Vermieters enthielten. Amri sei Anhänger des IS und habe „einen Plan, zu dem er keine weiteren Einzelheiten nennen will“, heißt es in dem Dokument der Marokkaner. Mit dem Schreiben übermittelten die Marokkaner auch mehrere Fotos von Amri und einem angeblichen Cousin, der mit einer Pistole hantiert. Zu dem Zeitpunkt der marokkanischen Warnung hatten die deutschen Sicherheitsbehörden Amris Spur bereits verloren.

Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass Amri spätestens im Oktober mit den Vorbereitungen für den Anschlag begann. So fanden sich zwar auf seinem Handy jede Menge Pornofilme, die er offenbar intensiv konsumierte – doch ab Oktober hörte der Zugriff auf die Sexbilder schlagartig auf. Und eine Analyse des Bekennervideos, mit dem sich Amri im Namen des IS zu der Tat bekannte, wurde nach Erkenntnissen der Ermittler entweder am 31. Oktober oder am 1. November auf der Kieler Brücke in Berlin-Moabit aufgezeichnet. Erstmals konnte DIE ZEIT auf Grundlage der GPS-Daten zudem die Strecke rekonstruieren, die Anis Amri am Tatabend mit dem gestohlenen LKW zurücklegte.

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