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„El Maestro“ - LKA Bayern klärt größten Rauschgiftfall seiner Geschichte!

„El Maestro“ - LKA Bayern klärt größten Rauschgiftfall seiner Geschichte!
News Team
15.12.2017, 17:30 Uhr
Beitrag von News Team

Fünf Tonnen Haschisch und Marihuana, mehr als eine halbe Million Euro, 20 Kilogramm Silber, dazu Autos und Boote - das ist die beeindruckende Ausbeute der bis nach Afrika reichenden Ermittlungen.

Im Mai 2014 erhält die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift des Bayerischen Landeskriminalamtes und des Zollfahndungsamtes (GER Nordbayern) eine Information: Ein Wiener Rauschgifthändler brachte im April 120.000 Euro von Wien in die Oberpfalz. Der Mann ist polizeibekannt. In Neumarkt hat der Händler das Geld einem Unternehmer übergeben, der bis dahin ganz unauffällig ein Quad-Event-Center betrieb.

Fünf Monate später: Der Oberpfälzer Unternehmer bringt 80 Kilogramm Haschisch, in präparierten Anhängern, zu eben diesem Rauschgifthändler nach Wien. Doch das alles geschieht nicht mehr unbeobachtet. Die GER ist schon aktiv und tauscht alle Informationen mit der österreichischen Polizei aus. Die österreichischen Ermittler überwachen den Rauschgifthändler – und können ihn im September 2014 in Wien festnehmen. In seiner Bunkerwohnung stellt sie 93 Kilogramm Haschisch, eine Maschinenpistole, eine Schrotflinte und dazugehörende Munition sicher. Die Ermittlungen zeigen auch, dass der Oberpfälzer als Drogenkurier fungierte und nachweisbar knapp 3 Millionen Euro in drei Jahren beim Online-Poker verspielte. Geld, das er nicht mit seinem Quad-Event-Center verdient hat.

Doch das ist erst der Anfang: Durch die Ermittlungen kommt ein weitreichendes Konstrukt ans Licht. Die beiden sind Teil einer bis nach Afrika reichenden Lieferkette, die mit Drogen in Höhe von Millionen Euro handelt.

Wo laufen die Fäden zusammen?

Es gibt da einen Mann, heute 61 Jahre alt, der bereits im Jahr 2011 bei einer Zollkontrolle bei Metz aufgefallen ist. Er wird damals mit rund 240.000 Euro Bargeld angehalten. Ebenso 2015 in Andalusien mit 118.000 Euro. Doch der Mann, ein deutscher Schreinermeister, kann in beiden Fällen nicht nachweisen, woher er das Geld hat. Das Geld wird sichergestellt. Ungewöhnlich: Der Mann erhebt aber nie Anspruch auf die knapp 360.000 Euro. Die Ermittler sehen genauer hin – der Schreinermeister ist vorbestraft und lebt zu dem Zeitpunkt in Andalusien. Die Ermittler fragen sich, woher er nun so viel Geld hat. Und warum will er es nicht zurück?

Genau diesen Mann erwähnt nun 2015 der Wiener Rauschgifthändler nach seiner Verhaftung bei Vernehmungen – allerdings ohne seinen Namen zu nennen. Er spricht nur vom „Schreinermeister“. Er soll es sein, der Drogenkuriere mit ihrer illegalen Fracht bestückt. Die Technik des Schreiners soll dabei „spürhundsicher“ sein. Die Drogen werden in Modellierwachs getaucht und in Holzpaletten verpackt. So werden die Drogen aus Spanien auch nach Deutschland verschickt.

Die GER fragt die europäischen Kollegen: Wo ist diese Art der Drogenverpackung schon einmal aufgetaucht? Es zeigt sich, dass diese bei einer Festnahme kurz zuvor in Italien aufgefallen waren. In Bologna sollten im Mai 2015 mehr als 130 Kilogramm Haschisch an Angehörige einer italienischen mafiösen Gruppierung übergeben werden. Am Vortag wurde ein Deutscher gemeinsam mit Angehörigen dieser Gruppierung in Bologna kontrolliert – der Schreinermeister. Was zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, es wurde vermutlich die Rauschgiftübergabe besprochen.

Oktober 2015: Ein österreichischer Drogenhändler, der in Spanien lebt, wird mit 10 Kilogramm Haschisch, 100 Gramm Kokain und 57.000 Euro Bargeld in Wien festgenommen. Auch bei seiner Fracht ist das Haschisch in Wachs eingelassen und in Holzplatten versteckt. Die Technik des Schreiners.

Schreiner Ziel der Ermittlungen

Der Schreiner wird das Ziel der Ermittlungen. Das LKA initiiert eine international arbeitende Ermittlergruppe gegen den Schreiner. Mitglieder sind neben Deutschland noch Spanien und Frankreich. Italien und Österreich werden zwar nicht Teil der Ermittlergruppe sind aber mittels Rechtshilfe verbunden.

Die gemeinsamen Ermittlungen führen aber nicht nur direkt zu dem Schreiner, sondern bringen nach und nach immer mehr Teile eines großen Drogennetzes ans Licht. An die Stelle des im Oktober 2015 in Wien Festgenommenen, tritt nun ein Mann aus Oberhausen. Der tatverdächtige Drogenhändler lebt auch in Spanien und übernimmt von seinem Vorgänger die Drogenverpacker in Spanien und die Kunden. Durch diesen Zweig werden zwei Spanier bekannt, die mit Schnellbooten Cannabis aus Marokko nach Andalusien bringen lassen. Von April bis Juli 2017 fangen Ermittler drei Lieferungen an der Andalusischen Küste ab. Insgesamt stellen sie fünf Tonnen Cannabis sicher. Zudem fünf stark motorisierte Motorboote und mehrere Geländewagen. Aber auch der dringend tatverdächtige Händler selbst wird verhaftet. Die Polizisten durchsuchen seine Häuser in Spanien, Frankreich sowie seine Scheinwohnung in Oberhausen und finden Silber und weiteres Rauschgift.

Unter Beobachtung

Bis September 2017 wird der deutsche Schreinermeister in Spanien weiter beobachtet – dann greift die Polizei auch hier zu. Sie verhaftet ihn gemeinsam mit zwei Angehörigen der italienischen Mafia. Gegen den Schreinermeister läuft ein Verfahren wegen mehrerer Straftaten wie Geldwäsche und Rauschgifthandel „im Rahmen einer mafiösen Struktur“. Er wartet nun in Italien auf seine Verhandlung.

Der LKA Präsident Robert Heimberger bedankt sich herzlich bei allen ermittelnden Beamtinnen und Beamten sowie allen Staatsanwältinnen und Staatsanwälten. Sie haben einen Meilenstein gesetzt! Er betont: „Ohne dieses vorbildliche zahnradartige Ineinandergreifen von Polizeidienststellen und Staatsanwaltschaften wäre dieser Ermittlungserfolg nicht zustande gekommen.“ Robert Heimberger ist der Kampf gegen die Rauschgiftkriminalität besonders wichtig. Denn: Aus Deutschland kommen die Drogen selten, sondern in der Regel aus dem Ausland. Aber – sie machen nicht vor deutschen Grenzen halt. „Nur gemeinsam mit unseren internationalen Partnern, können wir wirkungsvoll die Rauschgiftkriminalität bekämpfen“, sagt Heimberger.

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