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Tochter erhängt sich im Hobby-Raum: Skisprung-Ikone will, dass das Schweigen ...

Tochter erhängt sich im Hobby-Raum: Skisprung-Ikone will, dass das Schweigen endlich endet

News Team
17.12.2017, 12:10 Uhr
Beitrag von News Team

In einem bemerkenswerten Interview hat der österreichische Skisprungtrainer Alexander Pointner in der "Bild am Sonntag" über seine Depression und die seiner Kinder gesprochen. Pointner war über viele Jahre hinweg der Garant für die fulminanten Erfolge der Austria-Adler. Er war der Mann, der Skispringer wie Schlierenzauer und Morgenstern zu immer neuen Höhenflügen abheben ließ.

Ein Mann, der niemanden in seine verwundete Seele blicken ließ, während er mit seinem Team von einem Sieg zum nächsten und von Rekord zu Rekord flog.

Der 5. November 2014 veränderte sein Leben und das Leben seiner Familie radikal: Tochter Nina hat sich im Keller des gemeinsamen Hauses erhängt.

Pointners Frau Angela fand die Tochter im Hobbyraum. "Nina hat sich erhängt", sagte sie ihrem Mann am Telefon. Alexander Pointner sagt: „Den Moment kann man nicht beschreiben. Da ist nur noch Chaos im Kopf."

Video: Nina Pointner: Geniale Stimme, viel Gefühl


Die Pointners dachten die Depression der Tochter im Griff zu haben, zumal die Familie durch die Erkrankungen von Vater und Sohn Max schon Erfahrungen damit gesammelt hatte.

Pointner will, dass das Schweigen über Depressionen und Suizidgefahr endlich endet. "Es gibt immer noch so viele Gesellschaftsbereiche, die nicht wissen, wie man damit umgehen soll. Zum Beispiel das Schulsystem. Ich will niemanden anschuldigen, aber: Nina hatte in ihrer Therapie beschlossen, dass ein Lehrer die anderen Kollegen über ihre Krankheit informieren soll. Das ist aber nie geschehen. Niemand ist deshalb anders mit ihr umgegangen. Alle haben sie als das Aushängeschild gesehen, obwohl sie damals gar nicht leistungsfähig war.“

Auch Pointner selbst hat seit Jahren mit Depressionen zu kämpfen. Er prangert an, dass ihm immer wieder bedeutet wurde, die Krankheit zu verheimlichen. "Man hat zu funktionieren. Psychische Verletzungen soll man verstecken."

Das Problem ist: Versteckt man sich, bricht die Krankheit noch viel stärker aus. Immer schauspielern zu müssen, ist schwer.

Eine Depression kommt schleichend, beginnt mit schlechtem Schlaf und Lustlosigkeit. Da man darüber nicht redet, gibt es auch keinen Erfahrungsaustausch.

Beim österreichischen Skiverband sei nahegelegt worden, so Pointner weiter in der "Bild am Sonntag", die Krankheit nicht zu erwähnen. Man soll in einer Führungsposition keine Schwäche zeigen. Man muss im Stillen leiden.“

13 Monate lag Tochter Nina im Wachkoma, bevor sie starb. Alexander Pointner beschreibt die 13 Monate am Bett seiner Tochter als "sehr hilfreich".

Es klingt unfassbar, aber wir konnten langsam mit dem Thema umgehen. Wenn sie gleich gestorben wäre, hätten wir es vielleicht auch unter den Tisch gekehrt.

Viele Weggefährten aus dem Skispringen seien plötzlich nicht mehr da gewesen.

Pointner hat eine klare Botschaft an die Menschen unserer Leistungsgesellschaft


Es muss geredet werden. Wenn man das Kind nicht beim Namen nennt, wird sich nie etwas ändern. Helden müssen auch schwach sein dürfen.
Der Sieger muss nicht immer der Glücklichste sein. Ich war ein Trainerheld, ich durfte nicht über Depression reden, denn das hätte mich schwach gemacht. Ich sehe es aber mittlerweile als Stärke, dass ich es tue.

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