wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?

Erinnerung an einen Sommertag

29.01.2017, 10:07 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

An einem besonders sonnigen Sommertag beschloss ich, meine beiden Enkelinnen wieder einmal zu besuchen. Nach meiner Überzeugung ist es die wichtigste Aufgabe von Großeltern, die lieben Kleinen nach Kräften zu verwöhnen. Deshalb erwarb ich auf dem Weg zu ihnen ganz nebenbei ein auf¬blas¬bares Kinderplanschbecken.
Wie erwartet war die Freude darüber bei den Kindern groß und noch bevor meine hellhäutige, blonde Tochter mir einen missbilligenden Blick zuwerfen konnte, begann die vierjährige, ebenfalls blonde und genauso hellhäutige Enkelin Katharina schon sich auszuziehen. Ihre zwei Jahre jüngere, rothaarige Schwester Helena mit noch hellerer Haut und niedlichen Sommersprossen, bettelte bei ihrem rothaarigen Papa so lange, bis dieser sich im Garten an das Aufblasen und Befüllen des Planschbeckens machte.
Während sie undeutlich etwas von Ozonloch, Sonnenbrand und Hautkrebs murmelte, versorgte meine Tochter ihre Kinder mit Sonnencreme an Händen und Gesichtern. Dann mussten die Beiden ihre Schwimmanzüge mit langen Ärmeln und Beinen als ultimativen Sonnenschutz anziehen, bevor sie in den Garten bzw. das Planschbecken durften.
Kaum hatten die beiden Badenixen sich mit Gießkannen, Segelschiffchen, Bechern und ähnlichem Spielzeug im Wasser eingedeckt, klettert Katharina wieder raus aus dem Becken.
Auf die Fragen ihres Vaters, was das denn werden soll, antwortet das Kind nur mit einem Wort: „Robby“!
Robby ist ein hellblauer Seelöwe von der Größe einer Banane und begleitet Katharina überall hin. Da hilft auch nicht der elterliche Einspruch, Robby würde im Wasser doch ganz nass und dürfe dann gleich nicht zum Mittagsschlaf mit in Katharinas Bett.
Egal Robby muss mit!
Also patscht Katharine mit nassen Füßen durch das Wohnzimmer, um Robby zu holen. Als sie nach einiger Zeit noch nicht zurück ist, gehe ich nachsehen, finde Katharina aber weder im Wohnzimmer noch im Kinderzimmer. Dafür höre ich, wie sie im Badezimmer beruhigend auf Robby einspricht und etwas von Sonnenbrand erzählt.
Leise schleiche ich zur Badezimmertür und glaube meinen Augen nicht. Katharina kniet vor der Badewanne in einer kleinen Pfütze und vor ihr auf dem Rand der Wanne liegt Robby zu großen Teilen mit einer weißen Creme eingeschmiert.
Laut lachend berichte ich im Garten, was ich im Bad gesehen habe und werde von meiner Tochter mit einem vernichtenden Blick bedacht. Eilig macht sie sich auf den Weg ins Bad und rettet Robby vor dem schrecklichen Tod durch eincremen mit ihrer sündhaft teuren „Anti Aging Creme“. Mit dem hausfraulichen Ehrenwort Robby sofort zu säubern, werden Opa und Enkelin wieder in den Garten geschickt. Im Augenwinkel bekomme ich noch mit, dass Robby im Wäschekorb landet und schon wenige Sekunden später kommt meine Tochter mit einem vollkommen sauberen Robby wieder auf die Terrasse. Mein fragender Blick wird mit einem warnenden Kopfschütteln beantwortet und so bleibt die wundersame Reinigung des Seelöwen weiter ein hausfrauliches Geheimnis meiner einzigen Tochter.
Der Vormittag am Planschbecken wird laut, feucht und anstrengend für die ganze Familie. Das Mittagessen der Kinder besteht heute ausnahmsweise aus kleinen Obststücken, die sie spielerisch zwischendurch in den Mund gesteckt bekommen.
Das Einschlafen ohne Robby fällt Katharina etwas schwer, aber der Gedanke dass der nasse Seelöwe jetzt auf dem Wäscheständer schläft und dabei trocknet, beruhigt sie dann doch und lässt sie schließlich einschlafen. Für die Erwachsenen hat meine Tochter Schalen mit Obstsalat und Vanilleeis vorbereitet. Mit dieser Köstlichkeit zieht sich jeder in einen stillen Winkel zurück und genießt.

In dem großen Ohrensessel bin ich wohl ein wenig eingenickt und das junge Paar hat sich diskret zurück gezogen. Jedenfalls werde ich durch Katharinas Rufe wach und sehe im Kinderzimmer nach ihr. Sie steht in ihrem Bettchen, hält sich schwankend mit einer Hand am Gitter fest und reibt mit der anderen ihre Augen. „Robby“, ist das Einzige, was sie bei meinem Eintreten sagt und steckt mir die Arme entgegen. Selbstverständlich nehme ich sie auf den Arm und gehe mit ihr auf die Terrasse. „Da“, stahlt das kleine Fräulein und zeigt gähnend mit ausgestrecktem Arm auf den Wäscheständer.
An den Schwanzflossen aufgehängt schaukeln dort zwei gleiche, bananengroße, hellblaue Stofftiere an der Leine. Katharina drückt sie sofort beide an ihr Herz und seit dem hat Robby einen Bruder!

Mehr zum Thema

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren
Weitere Beiträge von diesem Nutzer