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Elvis, der Neurotiker

27.04.2017, 08:43 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Elvis, der Neurotiker

Womit ich allerdings nicht den „King of Rock´Roll“ meine....
Aber ich fange am Besten von vorne an:
Ist schon Jahre her, da hatten wir einen wunderschönen, gut erzogenen Schäferhund, der leider wegen eines Herzfehlers nur 9 Jahre alt wurde.
Danach wollten wir erstmal keinen Hund mehr.
Mit 15 erkranke meine Tochter und musste eine schwere Operation über sich ergehen lassen. Die OP verlief gut, allerdings konnte – oder wollte – sie danach nicht mehr laufen. Das Krankenhaus war mit seinem Latein am Ende und schickte sie im Krankenwagen liegend nach Hause. Irgendwann fanden wir dann einen Arzt, der ihr wenigstens ein bisschen helfen konnte, so dass sie wieder ein paar Schritte ging. Mein Mann war so verzweifelt, dass er ihr ein Haustier versprach, wenn sie sich mit dem Laufen Mühe geben würde. Spontan rief meine Tochter: „Oh ja, eine Ratte!“ Da mein Mann aber eine Rattenphopie hatte, ging das gar nicht, so dass er leichtsinnigerweise sagte: „Dann lieber wieder einen Hund“.
Leider gab es im Tierheim in dem Moment aber gar keine Welpen, so dass wir die Zeitungsangebote durchguckten (Internet war da noch nicht), und bei einem angeblichen Züchter in Brandenburg fündig wurden.
Also Tochter ins Auto geladen und hingefahren. Ein bisschen komisch war es da schon, dass zig Sorten von Hunden, auch kleinere, herum liefen. Und so ein wuschliges Ding kam mit einem Handbesen in der Schnauze an und legte den meiner Tochter vor die Füße. Ds war´s dann … den und keinen anderen, obwohl wir eigentlich eher was dackelähnliches wollten, und sich die „Züchterin“ auch weigerte, uns die Eltern des Kleines zu zeigen.
Also bezahlt, Tochter samt Hundchen ins Auto und ab nach Hause. Warum sie ihn „Elvis“ nannte, wissen wir nicht, aber von Stund´ an war sie sogar bereit, mit ihm ein Stückchen Gassi zu gehen.
Im Lauf der Zeit stellte sich dann allerdings heraus, dass Elvis wohl ein typischer „Polstrami“, also eine polnische Straßenmischung“, und durch und durch erziehungsresistent war.
Mein Mann weigerte sich eh, die Erziehung zu übernehmen, weil Elvis als Welpe einen Ringelschwanz hatte, und er mit so einem komischen Hund nicht laufen wollte.
Und mich erkannte Elvis als „Erzieherin“ nicht an; im Gegenteil, er meinte wohl, dass er als „Herr im Haus“ auf mich und meine Tochter aufpassen müsste. Gassi gehen ohne Leine … unmöglich – es dauerte Stunden, ihn wieder einzufangen. Im etwas abzunehmen, das er in der Schnauze hatte … ein Kampf. Einmal hatte er ein halbes totes Kaninchen gefunden und rückte das nicht mehr raus. Letztendlich musste ich ihn an einen Baum binden und weg gehen, dann spuckte er das Teil aus, weil er mir ja sonst nicht hätte hinterher jaulen können. Und ich musste ganz schnell sein und immer „Aus“ rufen, damit ich ihm das Teil weg schnappen konnte. Im Garten rannte er, sobald jemand vorbei lief, laut bellend die Hecke entlang, so dass sich die Betreffenden furchbar erschreckten. Und wir riefen wieder mal wie die Verrückten „Aus“, und irgendwie hatte ich dann das Gefühl, dass er da stand und sich eins grinste (Und glaubt mir, Hunde können grinsen)!
Wir haben dann die Hecke entfernt, hat aber nichts geändert. Aber alle, die ihn kannten und schon vorher „Hallo Elvis“ riefen, wurden verschont.
Und Männer waren ihm auch nicht so wirklich geheuer – fremde schon gar nicht. Wenn da einer kam und ihn streicheln wollte, hat er die Zähne gefletscht. Erst wenn er näher mit demjenigen „bekannt“ wurde, war´s gut.
Wir haben ihn dann kastrieren lassen, weil wir dachten, er würde ruhiger. Hat aber wenig gebracht, selbst seine extreme Unverträglichkeit mit anderen Rüden wurde keinen Deut besser.
Es war deshalb fast immer purer Stress, mit ihm Gassi zu gehen, denn Männer und Rüden wurden gleichermaßen angemacht, und dabei störte es ihn auch nicht, dass er nur kniehoch war und andere viel größer.
Ich könnte noch so viele Ereignisse schreiben, mit denen er uns das Leben schwer gemacht hat, und das ganze 17 Jahre lang.
Aber eines steht fest: Wir haben ihn abgöttisch geliebt trotz – oder vllt. auch wegen – seiner ganzen Macken.
Deshalb: In Memorian Elvis

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6 Kommentare

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schöner Beitrag Gitta
  • 27.04.2017, 09:30 Uhr
  • 0
Moin und danke Bärbel
  • 27.04.2017, 09:35 Uhr
  • 0
  • 27.04.2017, 09:38 Uhr
  • 0
Nur Hundeliebhaber koennen 'Elvis' gut verstehen!
  • 07.06.2017, 00:15 Uhr
  • 0
Stimmt, vor allem, wenn man(frau) selber ein bisschen verrückt ist
  • 07.06.2017, 18:08 Uhr
  • 0
Ein wenig? Warum denn? Wenn schon, denn schon!
  • 08.06.2017, 02:22 Uhr
  • 0
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