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Sommerflaute oder Ruhe vor dem Sturm? - Wann kommt der nächste Ölpreis-Ansti ...

Sommerflaute oder Ruhe vor dem Sturm? - Wann kommt der nächste Ölpreis-Anstieg?

Partner Tipp
25.07.2017, 17:09 Uhr
Beitrag von Partner Tipp

„Wieder glimpflich davongekommen“ – mag sich so mancher besorgte Verbraucher gedacht haben, nachdem der erwartete drastische Preisanstieg an den Rohölmärkten unlängst ausgeblieben war. Und das obwohl die OPEC auf ihrem letzten Treffen wie so oft eine spürbare Drosselung der Erdölförderung einvernehmlich beschlossen hatte.

So gestaltet sich der Binnenmarkt passend zur Jahreszeit zwar derzeit ziemlich ruhig. Doch wird sich der Abwärtstrend des Heizölpreises fortsetzen oder gar verstärken? Oder müssen sich Verbraucher mittel- bis langfristig endgültig von Zeiten eines überaus günstigen Preisniveaus verabschieden?

Nur Propheten können eine zukünftige Preisentwicklung zuverlässig vorhersagen. Eines ist jedoch sicher: Die nächste verbale Intervention der OPEC wird kommen, und im Nachgang die Preise befeuern. Bleibt nur abzuwarten, ob der Effekt dann wieder nur ein Strohfeuer sein wird, zu dem sich bereits die zweite beschlossene Produktions-Drosselung in diesem Jahr entpuppt hat.

Wasser auf die Mühlen

Derzeit kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent in Relation zu den Erwartungen vergleichsweise ca. 48 US-Dollar, in Deutschland kosten 100 Liter durchschnittlich 52,78 Euro. Dabei war im Vorfeld über höhere Margen spekuliert worden.

Die Front der Mitgliedstaaten erdölexportierender Länder scheint zu bröckeln – und damit ihre Maßnahmen zur Marktstabilisierung wirkungslos zu bleiben.
So ist Ecuador jüngst aus dem Abkommen über die Produktionskürzungen ausgestiegen, und hat – obwohl ein Erdölzwerg im Vergleich zu Saudi-Arabien oder Libyen – zu fallenden Kursinterpretationen an den Märkten beigetragen.

Einen Beitrag zu dem bestenfalls stagnierenden Preisniveau liefert auch die Schieferölproduktion der USA, die im August auf neue Rekordhöhen klettern wird. Wie die Energy Information Administration (EIA) verlautbarte, werden die USA im kommenden Monat täglich 5,58 Millionen Barrel an Schieferöl fördern – einem seit rund drei Jahren geschuldetem, regelrechten Fracking-Boom jenseits des Großen Teichs.

So mussten denn auch die zwölf Kartellmitglieder unlängst ernüchtert eingestehen, dass der wachsende Öl-Durst der Welt nicht allein von der OPEC gestillt werden kann.
Experten gehen von zusätzlichen 4,8 Millionen Barrel Öl am Tag aus, die die Welt und vor allem die Schwellenländer in den kommenden fünf Jahren zusätzlich verbrauchen werden.

Im Dilemma

Rosige Zeiten für Verbraucher also, so möchte man zumindest meinen. Denn seit Anfang des Jahres geben die Heizöl-Preise von leichten Schwankungen abgesehen stetig nach. In kurz- und mittelfristigen Zeitintervallen geht es abwärts.

Offensichtlich hatten die Analysten der OPEC die Situation auf dem Fracking-getriggerten Schieferöl- und -gas-Markt falsch eingeschätzt. Vor zwei Jahren hatte der Zusammenschluss noch vollmundig verlautbart, dass Schieferöl nur eine Nebenrolle bei der Energieversorgung spielen werde. Und vor einem Jahr noch war man noch von 52,9 Millionen Barrel ausgegangen, die an OPEC-Kassen vorbei produziert und verkauft werden würden.

Von der Wirklichkeit eingeholt, wurde diese Zahl nun noch um 0,1Prozentpunkt für den Zeitraum bis 2020 nach oben korrigiert.

So scheint die OPEC mehr denn je unter Druck, angesichts einer Schieferöl-Industrie, die kaum noch aufzuhalten ist und auf die Preise drückt – und das obwohl auch zahlreiche Staaten außerhalb der OPEC bei der Förderkürzung mitmachen, wie etwa Russland.

So hatte sich die OPEC erst im Mai noch zu einer weiteren Drosselung durchgerungen, um vor dem Hintergrund sinkender Ölpreise das Preisniveau zu stabilisieren.

Doch begibt sich das Kartell mit der zweiten Drosselungsoffensive in Folge auf gefährliches Glatteis. Denn wenn es durch Produktionskappung zu einer Preisspirale nach oben kommt, profitiert letztlich die gefürchtete US-Fracking-Konkurrenz davon, und würde in die erste Riege der größten Ölproduzenten der Welt neben Russland und Saudi-Arabien aufsteigen.

Die Konsequenz: Mit steigenden Preisen an den Rohölmärkten wächst gleichzeitig auch die US-amerikanische Chance, sich ein immer größeres Stück vom Kuchen zu sichern und die Marktanteile vergrößern. Der Schuss droht nach hinten loszugehen.

Nur halbherzig?

Die Konkurrenz jedoch scheint wachsam: Vielleicht nicht zuletzt deshalb hat die Kartellgemeinschaft trotz Produktionskürzungen der beteiligten Länder im Mai um weitere 60 Tausend Barrel pro Tag und einer Umsetzungsquote der Kürzungen von 95 Prozent, Länder wie Libyen und Nigeria ausgenommen.

So ist etwa die Ölproduktion in Libyen angeblich auf ein Dreijahreshoch von 827 Tausend Barrel pro Tag gestiegen – und damit inklusive Nigeria die gesamte OPEC-Ölproduktion um 250 Tausend Barrel pro Tag.

Kritiker werfen daher der OPEC ein gewisses Maß an Halbherzigkeit vor, die getroffenen Kürzungsvereinbarungen auch tatsächlich mit Entschiedenheit zu realisieren. So mehrt sich die Skepsis der Marktteilnehmer hinsichtlich der Wirksamkeit der OPEC-Produktionskürzungen in den letzten Wochen, die jedoch angesichts der US-Konkurrenz an der Sache vorbei zu gehen scheint.

Der Drosselungs-Deal geht in die nächste Runde

Nach Libyen und Nigeria hat sich jetzt auch Ecuador von den Drosselungsplänen verabschiedet und beendet seine Produktionskürzungen. Vermutlich war es bereits am 7. Juli um das Thema gegangen, als OPEC-Generalsekretär Mohammad Barkindo den ecuadorianischen Finanzminister Carlos de la Torre in Wien zu Gesprächen geladen hatte.

Vermutet wird auch, dass das außerordentliche Treffen am 17. Juli den Ausstieg Ecuadors zum zentralen Thema hatte. Spekulationen jedenfalls sind derzeit Tür und Tore geöffnet – und das zumal angesichts des bevorstehenden Treffens der Runde in St. Petersburg am 24. Juli, wo über die bisherigen Resultate der zu Jahresbeginn beschlossenen Produktionskürzungen bilanziert werden wird. Auch ein Ministertreffen der OPEC-Staaten soll in Planung sein, wie in den Medien kolportiert wird.

Konkrete Handlungen bleiben abzuwarten, die jüngsten wie die angekündigten Treffen signalisieren jedoch eines: Die Marktteilnehmer scheinen hinsichtlich der mehr als bescheidenen Wirksamkeit der Maßnahmen skeptisch bis alarmiert zu sein. Die schwindende Zuversicht trübt die Zustimmung am Markt trotz stark sinkender US-Ölbestände weiter ein.

Fast trotzig und unbeirrbar scheint es da, wenn Saudi-Arabien entschlossen scheint, den Kurs der Ölverknappung weiter zu verfolgen. So kündigte das Königreich am 18. Juli an, dass es in Absprache mit den Partnern vermutlich zu weiteren Exportdrosselungen von bis zu einer Million Barrel pro Tag kommen werde, um das Niveau dauerhaft zu stützen.

So versuchen die Saudis, die Produktionserhöhungen der abtrünnigen Kartellmitglieder zu kompensieren und der sinkenden Moral bei der Quotenerfüllung federführend etwas entgegenzusetzen.

Heizöl-Preisprognose

Aller Einigungsbemühungen von Saudi-Arabien zum Trotz: Die mitunter hastig einberufenen Treffen und stakkato-artig verlautbarten Ankündigungen legen den Schluss nahe, dass sich die OPEC derzeit schwer dabei tut, den zu Beginn des Jahres eingeschlagenen Weg konsequenter Reduktion der Ölfördermenge auch bei allen Mitgliedern durchzusetzen.

Und: Weicht die gemeinsame Linie mit dem Ausscheren weiterer Kartellmitglieder aus der gemeinsamen Linie weiter auf, könnten kurz- bis mittelfristige Preisrückgänge zu erwarten sein und den seit Mitte 2014 zu beobachtenden Ölpreiseinbruch fortsetzen.

Dementsprechend haben viele der betroffenen Golfstaaten mittlerweile ihre strukturellen Hausaufgaben gemacht und die Weichen dafür gestellt, künftig unabhängiger im eigenen Land vom Ölpreis zu sein. So verabschiedete etwa das saudische Kabinett am 25. April 2016 ein Konzept für den langfristigen Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft, das in anderen Golfstaaten Nachahmer finden wird und als Signal für kompensatorische Gegenmaßnahmen zu einem langfristigen Ölpreisverfall gewertet werden kann.

Als weiteres Zeichen in diese Richtung könnte die mangelnde Modernisierung der Ölförderanlagen und Rückfahren der Investitionen in klassischen Förderländern am Golf interpretiert werden.

Andererseits erweist sich diese Erkenntnis als zweischneidiges Schwert. Denn: Mit einer zunehmend veralteten und schwächelnden Infrastruktur am Golf könnten künftige Erschließungen und Nutzungen neuer Ölfelder in ihrem Tempo gebremst werden. Mit fatalen Folgen: Weniger gefördertes Öl macht das kostbare schwarze Gold knapper und damit begehrter – die Preise würden wieder spürbar anziehen. Und das trotz steigender US-amerikanischen Fracking-Bemühungen um das Schieferöl.

So scheinen Saudi-Arabien & Co. die Förderentwicklungen des Schieferöls erst einmal zögerlich abzuwarten. Dies könne laut IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol mittel- bis langfristig alles andere als im Interesse der Energieverbraucher liegen, da dann von einem deutlichen Preisanstieg auszugehen sei.

Analysten sehen daher auch düstere Wolken am Rohöl-Himmel der nächsten Jahre aufziehen und warnen vor drohenden Engpässen. Zu dieser aus Verbrauchersicht pessimistischen Prognose passt denn auch die kurzfristigere Einschätzung der OPEC selber.
Ihr zufolge wird sich der Verbrauch in aufstrebenden Staaten wie China, Indien oder Brasilien von derzeit 38,9 Millionen Fass täglich um mehr als fünf Millionen auf 44,4 Millionen in 2018 erhöhen.

Fazit: Es bleibt also auch für den Endverbraucher spannend, die weitere Entwicklung abzuwarten, denn`man weiss nichts Genaues. Die weitere Preisrichtung ist und bleibt derzeit unklar und ist an Vorzeichen festzumachen, die in die eine, wie auch in die andere Richtung weisen.

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