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TV-Doku zur Deutschen Bank: Angestrengte Suche nach Skandalen

TV-Doku zur Deutschen Bank: Angestrengte Suche nach Skandalen

Bernd Berke
22.05.2013, 12:08 Uhr
Beitrag von Bernd Berke

Einst galt sie als Inbegriff der Seriosität, doch der exzellente Ruf scheint seit einigen Jahren angekratzt zu sein: Die Deutsche Bank, so jedenfalls der Tenor der ZDF-Reportage "Unheimliche Geschäfte", taumele von Affäre zu Affäre, von Skandal zu Skandal.

Tatsächlich konnte ZDF-Autor Ulrich Stein etliche Zweifelsfälle und dubiose Praktiken benennen, doch fast immer hieß es schließlich: "Die Ermittlungen dauern an." Stets schwebte die unentschiedene Frage im Raum: "Was wusste die Deutsche Bank?" Nichts Genaues weiß man nicht...

In den Zeiten der Gier

Die Hauptthese des Beitrags lautete, dass die Deutsche Bank (zumindest zwischenzeitlich) zum hochspekulativen Investment-Institut mutiert sei, bei dem vor allem die Gier nach schnellen Provisionen und hohen Renditen herrsche - alles ohne jegliche Garantie für den Kunden.

Obwohl man einige Zeugen beibrachte, darunter einen geprellten hessischen Unternehmer, der vor dem Bundesgerichtshof gegen windige "Zinsoptimierungen" der Bank obsiegt hatte; obwohl man die eine oder andere Razzia beim Geldinstitut vermelden und aus Abhörprotokollen zitieren konnte, blieb die Faktenlage trotz aller Hinweise und Indizien doch etwas brüchig. Es mag ja eine Menge "dran" sein an den Vorwürfen, doch blieb hier vielfach nur ein diffuses Verdachtsgefühl.

Nebenher: Dass der Banker Eric Ben-Artzi seinen einstigen Arbeitgeber Deutsche Bank bei der US-Börsenpolizei wegen angeblich geschönter Bilanzen angezeigt hat, deutet auf persönliche Courage hin. Dass er sich wunderte, daraufhin entlassen zu werden, kündet jedoch von (gespielter?) Naivität.

"Kriegskasse" für Bußgeld

Meisterlich versteht es die Bank, bei drohendem Image-Schaden engste Kooperation mit den Behörden zu geloben und notfalls Vergleiche zu schließen, bevor eine Sache an die ganz große Glocke kommt. Überdies scheint man geradezu eine "Kriegskasse" vorzuhalten, um etwaige Strafzahlungen zu leisten. Aber das ist wiederum nicht strafbar.

Und nun mal ehrlich: Welcher Finanzlaie blickt noch durch, wenn es beispielsweise um komplizierten Kettenhandel mit CO2-Zertifikaten, toxische Wertpapiere oder frisierte Bilanzen geht? Ein Experte sprach im sinnfälligen Vergleich von Hütchenspielern, gegen die der normale Passant keine Chance habe.

Posen und Sprüche zum Bilderbogen

Wo die Beweislage (noch) nicht so recht hinreichen wollte, erging sich die Reportage aus der Reihe "ZDF:zeit" in investigativen Posen und starken Sprüchen mit viel Luftinhalt.

Auch war der Beitrag mal wieder ein Beispiel für den oft unguten Bebilderungszwang des Mediums Fernsehen: Dilettantisch nachgestellte Szenen mit diabolisch grinsenden Bankern oder vom noblen Sektempfang halfen kaum sinnvoll über die Zeit hinweg, solcher Mummenschanz verbreitete eher unfreiwillige Komik. Natürlich wurden auch die Skylines von Frankfurt, London und New York ausgiebig abgeschwenkt. Aber was besagen derlei Allerweltsbilder zum Thema? Es sind bloße Illustrationen, die womöglich sogar vom Wesentlichen ablenken.

Zum "Kulturwandel" gezwungen?

Dennoch blieben einige generelle Wahrheiten hängen. Die Deregulierung der Finanzmärkte öffnet offenkundig kriminellen Machenschaften Tür und Tor. Langfristiges Denken wird kurzfristigem Gewinn geopfert. Wir haben das allerdings schon geahnt, und zwar nicht nur auf eine einzige Bank bezogen.

Doch immerhin keimt etwas Hoffnung: Weil nämlich die Prozesslawinen gar zu unübersichtlich werden und die drohenden Bußgelder gar zu astronomisch, so zwingt das die Deutsche Bank - nach der strotzenden Ära Josef Ackermann - schließlich doch zum "Kulturwandel" unter den neuen Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Wenigstens versprechen sie uns wieder nachhaltigeres Wirtschaften. Nur zu!

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