wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?

Königsberger Klopse

Königsberger Klopse
11.01.2018, 14:52 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ich kenne es als Kind noch, das Gericht das die Ostpreußen mitbrachten und ich erinnere mich auch, dass es vorher immer Butterbrote, die mit hauchdünnen Scheiben geräucherten Speck belegt waren gab.

Es war immer eine Liebe mit kleinen grünen Hindernissen: Einig waren wir uns damals nur in der Liebe zu den pochierten Fleischklopsen. Die komischen grünen Kügelchen dagegen, die in der hellen Sauce schwammen, teilten uns als Kinder in zwei Lager: Entweder hasste man sie und sortierte zum Ärger der Eltern jede einzelne Kaper an den Tellerrand. Oder man liebte sie und achtete eifersüchtig darauf, nur ja nicht zu wenige auf den Teller zu bekommen.

Vielleicht gab es sogar noch ein drittes Lager: das derjenigen, die Kapern zwar genauso misstrauen-erweckend fanden, sie aber als Mutprobe aßen und behaupteten, das sei gar nicht schlimm. Fest steht: Kapern gehören zu den Genüssen, bei denen man erst auf den Geschmack kommen muss – genau wie bei Oliven, Kaffee und Bier.

Für 4 Portionen
1 Std. 20 Min. Zubereitung

ZUTATEN
200 ml Milch
1 Brötchen vom Vortag (oder 50 g Weißbrot)
1 1/2 Zwiebeln
2 Sardellen (aus dem Glas)
400 g Kalbshack
200 g Schweinehack
1 Ei (Größe M)
Salz
Pfeffer
Muskatblüte, gemahlen (Macis; ersatzweise frisch geriebene Muskatnuss)
1 Lorbeerblatt
2 Gewürznelken
1 l Fleischbrühe
5 Pimentkörner
4 EL Butter
4 EL Mehl
200 g Sahne
2–3 EL kleine Kapern (aus dem Glas)
1–2 TL abgeriebene Schale von 1 Bio-Zitrone
1/2 Bund Schnittlauch

ZUBEREITUNG
(1) Die Milch lauwarm erhitzen und das Brötchen darin einweichen. Die halbe Zwiebel schälen und ganz fein würfeln. Die Sardellen kalt abspülen und fein hacken. Das eingeweichte Brötchen mit den Händen gut ausdrücken und in eine Schüssel geben. Kalbs- und Schweinehack, Ei, Zwiebel, Sardellen, etwas Salz, Pfeffer und Muskatblüte dazugeben und kräftig durchkneten. Mit feuchten Händen aus der Hackfleischmasse etwa 20 tischtennisballgroße Klöße formen.

(2) Die restliche Zwiebel schälen und das Lorbeerblatt mit den Gewürznelken daranstecken. Die Brühe mit der gespickten Zwiebel und dem Piment in einem weiten Topf aufkochen. Die Klöße hineingeben und ca. 20 Min. bei kleiner Hitze ziehen lassen. Dabei ab und zu am Topf rütteln, damit sich die Klöße drehen und gleichmäßig garen.

(3) Die Klöße mit einer Schaumkelle herausnehmen, abtropfen lassen und in einer Schüssel abgedeckt beiseitestellen. Die Brühe durch ein feines Sieb gießen und 700 ml abmessen.

(4) Für die Sauce die Butter in einem großen Topf aufschäumen, das Mehl unterrühren und kurz farblos anschwitzen. Die Sahne dazugießen, dabei ständig mit einem Schneebesen rühren, sodass keine Klümpchen entstehen. Die abgemessene Brühe dazugießen und alles unter Rühren aufkochen. 5 Min. unter Rühren kräftig kochen lassen. Die Klöße hineingeben und ca. 5 Min. darin erhitzen.


(5) Die Kapern unter die Sauce rühren und die Sauce mit Salz, Pfeffer, Muskatblüte, Zitronenschale und 3–4 EL Kapernsud (aus dem Glas) herzhaft abschmecken. Schnittlauch waschen, trocken schütteln und in feine Röllchen schneiden. Über die Königsberger Klopse streuen.

Dazu schmecken Salzkartoffeln oder körnig gekochter Reis. Auch ein gutes Püree oder der französische Hauch Pommes de neige wurde in den etwas vermögenderen Kreisen dazu gegessen.

Dann genießt die zarten, auf der Zunge zergehenden Kalbfleischbällchen, begleitet von einer zitronigen, leicht gepfefferten Sahnesauce, denen die eingestreuten Kapern jenen bestimmten, leicht säuerlichen Würzgeschmack verleihen. Umrahmt wird das Ganze von einem goldgelben Rand flaumigen Pürees aus frischen Kartoffeln und einem Klacks Sauerrahm.

…und dann macht was ganz verrücktes und trinkt Champagner dazu, das machten in den 50er Jahren ganz liebe ältere Geflüchtete aus Königsberg, die dann auf die Frage warum sie das tun, es so erklärten: „ Dies ist in unserer Heimat ein „arme Leute-Essen“ und um darzustellen, dass man nicht arm ist trinkt man Champagner dazu.

Ich finde das heute noch toll und erinnere mich immer beim Essen an diese älteren Leute die aus Ostpreußen einige ungekannte Genüsse mitgebracht hatten.

Probiert es mal aus es hat was.

1 Kommentar

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Gehört zu meinen Lieblingsspeisen. Leider mag es außer mir keiner. Aber man kann die Klößchen ja gut einfrieren und die Sauce jedes Mal neu zubereiten. Allerdings nehme ich gemischtes Hackfleisch, kein Kalb - und Piment, mein Lieblingsgewürz, kommt frisch aus der Mühle rein. Das mag - auch in anderen Gerichten, inzwischen, wegen des zarten Nelkengeschmacks verbunden mit Schärfe, auch der Rest meiner Sippe.
  • 11.01.2018, 23:31 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren