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Mit der Linie 17 durch München Teil 1

Mit der Linie 17 durch München Teil 1

01.04.2012, 19:19 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Giesing - Arbeiterviertel mit Flair

Meine Fahrt beginnt im tiefsten Obergiesing. Haltestelle Schwanseestrasse, Münchner Süden. Hier ist München noch authentisch. Nichts zu sehen von der Schickimicki - High Society Gesellschaft, die der Stadt im Rest Deutschlands nicht den besten Ruf verschafft. Giesing ist ein echtes Arbeiterviertel. Hier findet man neben grauen Betonbauten und Wohnsiedlungen auch Einfamilienhäuser mit Garten. Die Mieten sind hier noch erschwinglich, zumindest verglichen mit dem Rest der Stadt. Kleine Eckkneipen, in denen sich Tag für Tag nach Feierabend die selben Leute versammeln tragen zum unwiderstehlichen Flair des Viertels bei. Hier wird man als neues Gesicht, oder schlimmer noch, Tourist, erstmal schief angeschaut.

Von der Schwanseestrasse fahre ich nun in Richtung Giesinger Bahnhof, dem inoffiziellen Dreh-und Angelpunkt des Viertels. Das war früher mal anders. Erst zur Zeit des Nationalsozialismus wurde der Bahnhof ein Teil des Viertels. Davor lag er noch etwa einen Kilometer ausserhalb des Münchner Stadtgebiets. Die kleine "Gleiswirtschaft", das Bahnhofsgebäude, steht seit 1985 unter Denkmalschutz und wurde 2004 zum Staddteilkulturzentrum ernannt. Heute ist sie ein Treffpunkt für junge Künstler aus Giesing.

Von Giesing zur Isar - Nockherberg und Müchner Au

Weiter geht meine Fahrt entlang der Schwanseestrasse in Richtung Ostfriedhof. Zu meiner linken die Zugspitzstrasse. Hier wurde 1945 Franz Beckenbauer geboren. Direkt nebenan ist der Fussballplatz vom SC 1906 München, wo der junge Kaiser einst das Fussballspielen gelernt hat, bevor er schliesslich zum grossen FC Bayern wechselte. Übrigens ist Giesing trotzdem nicht in der Hand des deutschen Rekordmeisters. Zahllose Wimpel in den kleinen Kneipen und Wirtshäusern sowie Sticker an fast jeder Ampel oder jedem Strommasten zeigen : Giesing ist blau. Hier regiert der TSV 1860. Sehnsüchtig erinnert man sich in Giesing zurück an die Meistersaison 1966.

Angekommen am Ostfriedhof verlassen wir Obergiesing. Den Nockherberg hinab, vorbei am Paulaner Biergarten, wo bis vor kurzem noch viele "leicht angeheiterte" Personen in traditioneller Tracht zur Fastenzeit das Münchner Starkbier genossen komme ich nun in die Au. Bekannt ist die Au vor allem durch die Auer Dult, die hier dreimal jährlich stattfindet. Für viele ist sie nur eine kleine Wies'n, für andere ein toller Ort, um an den vielen Ständen Kleidung, Gewürze, Keramik und anderes zu erstehen. Ansonsten ist die Au ein ruhiges Wohnviertel, direkt an der Isar. Entlang der Ohlmüllerstrasse fahre ich in Richtung Reichenbachbrücke, wo Altweltmeister "Katsche" Schwarzenbeck bis vor 4 Jahren noch ein kleines Schreibwarengeschäft hatte.

Die Isarwiese ist auch heute wieder voll von Menschen, die die ersten sonnigen Tage des Jahres geniessen. Tagsüber sonnen sich die Münchner hier, und springen im Sommer auch mal zur Erfrischung ins kühle Nass. Abends findet man hier vor allem Jugendliche, meistens ausgestattet mit ein paar Kisten Augustiner-Bier. Neben dem Englischen Garten ist die Isar in München Treffpunkt Nummer eins an warmen Tagen. Bis vor einem Jahr wurde hier noch gebaut. Der Fluss sollte in seinen natürlichen Zustand zurückversetzt werden. 11 Jahre lang wurde die Isar zwischen der Groshesseloer Brücke in Harlaching und dem Deutschen Museum renaturiert. Das Flussbett der im 19. und 20. Jahrhundert kanalisierten Isar wurde aufgeweitet, die Ufer abgeflacht und Kiesinseln angelegt sowie Betonschwellen durch Bruchstein-Rampen ersetzt. Das hatte zur Folge, dass die Isar heute flacher und weniger gut zum Schwimmen geeignet ist als vor dem Umbau. 

Im nächsten Teil meines kleinen Reiseberichts werde ich von der Fraunhoferstrasse über das Sendlinger Tor, den Stachus und den Hauptbahnhof bis nach Nymphenburg fahren. Fortsetzung folgt!

81541 München auf der Karte anzeigen:
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