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Spuren des Lebens: Geschichte der Friedhofskultur

Spuren des Lebens: Geschichte der Friedhofskultur

Christine Kammerer
08.05.2014, 17:18 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Der letzte Weg eines Menschen nach seinem Ableben wird in allen Kulturen dieser Welt von besonderen Ritualen begleitet. Auch im Urchristentum wurde bereits großer Wert darauf gelegt, dass jedermann - ob Sklave oder Herrscher - würdig bestattet wurde. Die Friedhofskultur, wie wir sie heute kennen, ist allerdings eine Erfindung der Neuzeit.

Natürlich folgte auch die Beisetzung der Toten einer scheinbar gottgegebenen Hierarchie: Personen von hohem Rang, Ansehen und Reichtum erhielten prunkvolle Denkmäler mit aufwändigen Grabkammern – in Ägypten die Pyramiden, im alten Rom immerhin noch ziemlich pompöse Grabmäler, zum Beispiel entlang der berühmten Via Appia. Das einfache Volk dagegen wurde im Boden verscharrt, in Stein- und Tongruben beigesetzt oder – wenn das Geld für eine ordentliche Beisetzung nicht reichte – einfach sang- und klanglos eingeäschert.

Wurzeln unserer Friedhofskultur
Eine regelrechte Friedhofskultur kam erst mit dem Christentum auf, für das nicht nur die Wiedergeburt von großer Bedeutung war, sondern auch die Gemeinschaft der Gläubigen. Die Christen entwickelten demzufolge einen Begräbniskult, der die Toten an dem Ort vereinte, an dem sie gemeinsam auf den jüngsten Tag der Auferstehung warteten. Gräberfelder und Feuerbestattungen galten seither als heidnisches Brauchtum und waren verpönt. Zunächst fanden die Verstorbenen in Katakomben ihre letzte Ruhestatt. Erst mit der offiziellen Anerkennung des Christentums durch den römischen Kaiser Konstantin entstanden vielerorts Kirchen inmitten der Gemeinden. Die Kirchenhöfe „umfriedeten“ zugleich die christlichen Grabstätten - daher auch unsere heutige Bezeichnung „Friedhof“.

Der Friedhof wird aus der Stadt verbannt
Doch die zentrale Lage der Friedhöfe sorgte besonders in Kriegs- und Hungerzeiten für Unmut. Ihre Kapazität war schnell erschöpft. Die Umbettungen halbverwester Leiche auf einem nahe gelegenen Friedhof führten zu Geruchsbelästigungen und Gesundheitsgefahren. Oft wurden die Gräber nicht tief genug ausgehoben und die Toten von streunenden Hunden wieder ausgegraben. Zudem grassierte im späten Mittelalter große Angst vor der Pest. Ein kaiserlicher Erlass verfügte während der Epidemien, dass die Friedhöfe außerhalb der Gemeinden anzulegen seien. Auch der heute geltende „Friedhofszwang“ beruht vor allem auf hygienischen Gründen.

Der Fortschritt macht vor dem Friedhof nicht Halt…
Die Bevölkerung der Städte wuchs. Es fehlte zunehmend an Platz für die Verstorbenen. Man beschränkte also die Ruhefristen auf den Friedhöfen zeitlich. Nach deren Ablauf grub man die Gebeine aus und stapelte sie feinsäuberlich in Beinhäusern bis unter die Decke. Auch die Säkularisierung machte vor den Toten nicht halt und man beschloss, das Friedhofswesen neu zu organisieren. Zwar erhoben die großen Kirchen lauten Protest, doch das Bestattungsmonopol und damit auch eine überaus lukrative Einnahmequelle wurde unerbittlich beseitigt – zugunsten des Staates. Und schließlich sorgte Napoleon per Dekret für die Verweltlichung der Bestattungsordnungen. Es entstanden große parkähnliche Friedhöfe außerhalb der Städte. Die damals üblichen Reihengrabanlagen waren dem Gleichheitsgedanken geschuldet – im Leben wie im Tode sollte es keine Standesunterschiede geben. Auch die Bepflanzung wurde angeordnet, um die Ausdünstungen gering zu halten, die durch die Verwesung entstanden.

…doch letztlich bleibt alles beim Alten
So wandelten sich zwar die einst so tristen Steingemäuer in umfangreiche üppig grüne Parkanlagen mit beinahe lauschiger Atmosphäre, doch der Gleichheitsgedanke hielt sich nicht lange. Heute herrscht der Standesdünkel über den Tod hinaus wie eh und je: Personen von Rang, Ansehen und Reichtum werden in prunkvollen Gruften an den Hauptwegen bestattet, das Volk hingegen begnügt sich mit einem einfachen Grab an den Nebenwegen oder gar mit einem anonymen Massengrab.

2 Kommentare

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Ich besuche Friedhöfe auch gerne.
In Paris, Berlin, Ulm, Hengersberg, wo meine Eltern lagen und in Weimar.
In Weimar ist der schönste.
  • 08.05.2014, 20:23 Uhr
  • 0
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Sterben, Friedhofskultur, Testament, Grabmal, Schluss, Aus, Mausetot.

Seit Wochen geht es hier fast nur um das eine ... oder eher, nein ... es geht fast ausschließlich um das andere, so dass man meinen könnte: tiefste Herbstdepression mitten im Frühling.

Oder aber die geneigte Leserschaft sollte auf den Beginn des 3. Weltkriegs eingestimmt werden. Die Zutaten würden ja stimmen.

Die kriegsgeilen Amis brauchen wieder mal ein Schlachtfeld und haben zur Abwechslung Europa auserkoren. Ihr Plan, Russen und Europäer gegenseitig aufzuhetzen läuft wie geschmiert. Die Kanzlerin, Obamas treu ergebenes Hündchen ohne eigenem Denkvermögen wird eher ihre Landleute opfern, als dem Herrchen einen Dienst versagen. Auch die Medien sind längst auf Kriegshetzerei gleichgeschaltet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit ...

Somit wäre es kein Fehler, sich künftig folgendem Thema zu widmen: gibt es ein Leben nach dem Tod?
  • 05.05.2014, 16:49 Uhr
  • 0
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