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Altötting und Umgebung - zwischen Glaube und Kommerz

Altötting und Umgebung - zwischen Glaube und Kommerz

18.04.2012, 16:50 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

"Wolle' kaufe Kerze?"
Die Kleinstadt Altötting hat sich im Laufe der Jahrhunderte exzellent auf den enormen Pilgertourismus eingestellt.Die Stadt scheint aus Kirchen, Kirchensouvenirläden und Gasthäusern zu bestehen und profitiert finanziell stark vom Glauben der Pilger. Kommerzialisierung von Religion - Moralisch verwerflich oder logische Konsequenz?

Als wir am Ostersonntag abends in Altötting ankommen, wundern wir uns erstmal, wie still es in einer Stadt sein kann. In Bayern könnte man sagen: "Hier ist der Hund verreckt". Eine triste Atmosphäre scheint über der Stadt zu liegen, wie auf einem Friedhof. David muss nach kurzer Zeit feststellen, dass er seit unserer Ankunft plötzlich sehr traurig ist. Schön ist Altötting trotzdem, keine Frage. In der Innenstadt erinnern die monumentalen Kirchenbauten eher an eine imposante Filmskulisse. Gefühlte 20 Kirchen gibt es hier für die 12.000 Einwohner von Altötting. Und natürlich auch für die fast 1 Million Pilger, die jährlich den wichtigsten Pilgerort Deutschlands aufsuchen, um die schwarze Madonna anzubeten.

Die Altöttinger sind nicht auf den Kopf gefallen und sehen in den Pilgerscharen die Möglichkeit, sich ein goldenes Näschen zu verdienen. Am Altöttinger Kapellplatz findet man neben einigen Kirchen unter anderem eine gute Handvoll Souvenirshops. Diese verkaufen alle exakt das Selbe, nämlich Religionssouvenirs. Hier gibt es für jeden Geldbeutel was. Kerzen von klein bis riesig, Marienstatuen, Weihrauch, Rosenkränze und so weiter. Und die Tatsache, dass sich 5 oder 6 Souvenirshops auf einem einzigen Platz halten können ( es gibt noch etliche mehr in der Altöttinger Innenstadt ), zeigt schon, dass sich das Geschäft mit der Religion lohnt. Auch die Anzahl der Gasthäuser und Hotels wirkt für die Kleinstadt fast utopisch. Kirche steht neben Gasthaus, Gasthaus steht neben Souvenirshop, Souvenirshop steht neben der nächsten Kirche. So war unser Eindruck von unserem zugegebenermaßen nur eintägigem Aufenhalt in Altötting.

"Religions-Marktl" am Inn
Marktl am Inn, beschauliches Dörfchen etwa 20 Kilometer von Altötting entfernt. Wäre hier nicht vor 84 Jahren Papst Benedikt XVI. geboren, wäre ich vermutlich nicht nur nie hierher gefahren, sondern hätte unter Umständen noch nichtmal gewusst, dass es das 2500 Seelen Dorf überhaupt gibt. Aber er wurde hier geboren. Und diese Tatsache zieht Benediktfans aus aller Welt an. Die Marktler nutzen jede Gelgenheit, um den Auswärtigen zu zeigen, welche Prominenz hier das Licht der Welt erblickt hat. In Marktl wird der Papst zu Geld gemacht. Nicht nur gibt es hier ein eigenes Papst-Touristenzentrum, man findet hier auch Papst-Bier, Vatikanbrot und Benedikttorte. An jeder Ecke ein Straßenschild, das zum päpstlichen Geburtshaus weist, dessen Betreten Besuchern stattliche 3,50 Euro kostet. Die Marktler sind hin und weg von "ihrem" Papst - er lohnt sich für sie.

Als nicht sonderlich religiöser Mensch sehe ich die Kommerzialisierung von Glauben nicht weiter tragisch, denke allerdings, dass dadurch die Pilgerreise an Reiz verlieren kann. Der Gedanke, seines Glaubens wegen "ausgebeutet" zu werden, ist für viele sicher keine schöne Vorstellung. Die vielen Souvenirstände erinnern mehr an Eiffelturmverkäufer in Paris. Fehlt noch, dass sich jemand als Petrus verkleidet und sich für 2 Euro mit den Pilgern fotografieren lässt. Wie denken Sie über dieses Thema? Ist es wirklich in Ordnung, Religion derart zu kommerzialisieren? Ihre Meinung interessiert uns!

84503 Altötting auf der Karte anzeigen:
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1 Kommentar

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Marktl: stimmt, es gibt das Papst-Bier, Vatikanbrot und die Benedikttorte, darüber ist aber die Gemeinde und Pfarrgemeinde nicht besonders glücklich. In der freien Marktwirtschaft lässt sich das halt schwer verbieten.
Vom Eintritt in das Papsthaus sehen die Marktler auch nichts, denn diese Einnahme bekommt die Stiftung. Denn Marktl hätte den Kauf des Geburtshauses gar nicht stemmen können. Die Höhe der Kaufsumme ist bis heute nicht bekannt. Nur soviel zum Thema "es lohnt sich für Marktl"!

Darum vor Ort nachfragen und sich informieren!
  • 14.10.2013, 19:39 Uhr
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