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Mein Wort zum Sonntag: Ist uns Conchita Wurst?

Mein Wort zum Sonntag: Ist uns Conchita Wurst?

News Team
18.05.2014, 00:00 Uhr
Beitrag von News Team

Nach dem überwältigenden Sieg einer Showbusiness-Kunstfigur namens "Conchita Wurst" beim "Eurovision Song Contest" stellt sich die Frage: Sind die Bürger Europas toleranter als ihre Herrscher? Und sind die Österreicher toleranter als die anderen Völker?
Schon als Kind interessierte sich Thomas Neuwirth, der Sohn einfacher Wirtsleute in Mitterndorf in der Steiermark, wenig für das, was Männer nun mal zu interessieren hat, nämlich Autos und Fußball, sondern viel mehr für die Kleider seiner Mutter. Die probierte er gerne aus, wurde von Mitschülern wegen seines Desinteresses an männlichen Vorlieben gehänselt und startete eine Karriere als Transvestit in Wien. Seine künstlerische Kunstfigur - eine Frau mit Bart, wie sie in "Freak Shows" auf Jahrmärkten früher ausgestellt wurde - ist für ihn eine zweite Persönlichkeit. Wenn er Conchita ist, geht er aufs Damenklo, als Tom sucht er, wie sich's gehört, die Herrentoilette auf. Eigentlich nichts Neues, denn Georg Preusse wurde lange vorher als "Mary" ein großer Star, und niemand nahm daran Anstoß. Nur dass "Mary" keinen Bart trug und sich nicht an anderen messen musste.

Conchita, und wie ihn Politiker sehen


Wie kam nun der überwältigende Erfolg der Conchita zustande? Einfache Antwort: Fast ausschließlich durch "das Volk". Wäre es nach den Offiziellen gegangen, hätte er wenig erreicht. Deutschlands Jurymitglied namens "Sido" (Abkürzung für "Scheiße in dein Ohr"), ein Rapper, der mit seinem "Arschficksong" bekannt wurde, hatte sich wiederholt gegen ihn ausgesprochen. In Weißrussland rief eine „Legion Alexander Lukaschenko“ zum Boykott des Song Contest und einem Ausstrahlungsverbot auf, weil der „populäre internationale Wettbewerb mithilfe der europäischen Liberalen zu einem Brutherd der Unzucht verkommen“ sei. Der russische Abgeordnete Wladimir Schirinowskij ließ verlauten, man hätte Österreich 1955 nicht in die Freiheit entlassen dürfen. In Österreich polemisierte der FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache gegen die Entsendung Wursts durch den ORF. Und auf Seniorbook sagte ein Mitglied: "Es tut mir schrecklich leid, Herr Conchita Wurst. Aber irgendwo sind bei MIR die Toleranzgrenzen fast erreicht.", während ein anderer Senior ihn mit Hitler verglich: "Ein durchgeknallter Österreicher mit Bart. Hatten wir das nicht schon einmal?"
Waren die Österreicher selbst toleranter? Auch nicht. 79% lehnten seine Teilnahme am ESC ab, 75% sagten nach seinem Sieg, sie seien nicht stolz auf ihn. Dass er überhaupt nach Kopenhagen fahren durfte, lag an einer Institution, die sich stets als fortschrittlich und tolerant gab: den Österreichischen Rundfunk (ORF). Der hatte mit seinem "Klub 2" schon früher für Furore gesorgt. Diesmal schickte er Herrn Neuwirth ohne Volksabstimmung zum Wettbewerb.

Warum wir intolerant sind


Warum ruft eine Erscheinung, die nicht ganz in unser Vorstellungsschema passt, so viel Hass hervor? Im letzten STERN wies die Kolumnistin Meike Winnemuth in ihrem Beitrag "Igitt, Eiersalat!" auf ein seltsames Verhalten der Deutschen hin, das wohl auch für andere gilt: Wenn einer etwas gut findet oder gar lobt, wird er fertig gemacht. Ihrer Erfahrung nach würden sich viele Leute geradezu persönlich beleidigt fühlen vom abweichenden Geschmack oder Lebensstil anderer. "Noch verrückter", so ihr Kommentar, "ist lediglich dass sie noch nicht mal persönlich involviert sein müssen, um sich angegriffen zu fühlen. Die bloße Vorstellung, es könne irgendwo auf der Welt ein glücklich verheiratetes schwules Paar geben, dessen Existenz in keiner Weise etwas an der Qualität der eigenen Ehe ändert, sorgt bei vielen ja schon für Schaum vor dem Mund."
Die Menschen scheinen überall gleich zu sein - die Institutionen sind es nicht. Wenn solche hasserfüllten Einstellungen offiziell gefördert werden, fällt es den Toleranten schwer, sich durchzusetzen. Hoffen wir, dass die Regierungen aufwachen und die Hassprediger langsam aussterben!

53 Kommentare

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Sein oder ihr Aussehen finde ich zwar befremdlich, sowie gewöhnungsbedürftig, jedoch geht es mir allein um die Musik und da hat mir das Lied nicht gefallen. Meine Favoriten waren die Niederlande und Norwegen.
Aber Geschmäcker sind halt verschieden und das ist doch auch gut.
  • 23.06.2014, 16:53 Uhr
  • 1
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Conchita möchte polarisieren und das ist IHR gelungen. Ich fand das Lied und Ihren Auftritt wunderbar und die drei vordersten Platzierungen waren auch eh meine Favoriten….. Ich hätte den Sieg Holland, Schweden und Österreich im gleichen Maße gegönnt….Es gab nur wenige Lieder die ich grauenhaft fand….das deutsche gehört dazu. Ob die Welt nun schon bereit ist für einen Menschen wie Concita ist kann ich nicht sagen…..Ich dagegen bin es schon.
  • 18.06.2014, 22:16 Uhr
  • 0
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Sagenhaft ! Was es auf dieser Welt alles obszönes, eckelhaftes, verdorbenes, böses, brutales gibt , und man steinigt eine Person die so viel Mut hat sich gegen alle Welt zu stellen! In diesem ganzem Circus - Conchita war gut gekleidet, gepflegt, angenehme Stimme, schönes Song - nun ja, ungewohntes Gesicht das übrigens auch hübsch ist. Aber verdient sie dafür so in der Luft zerrissen zu werden ? die meisten die sie verurteilen sind die die sich hinter der Parole " leben und leben lassen "! verstecken. Von wegen Toleranz !
  • 02.06.2014, 14:08 Uhr
  • 1
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Die Frage ist, was das mit Toleranz und Vorstellungsschema zu tun hat ...

Jene, die hier "Toleranz" für eine bestimmte Gruppe einfordern, zeigen ihre Toleranzgrenze deutlich genug, wenn sie gegen Christen tolerant sein sollen. Oder wenn es darum geht, Entartung bei der sog. "Sexualerziehung" auch mit Gewalt zu vertreten und jene anzugehen, die ihre Kinder davor schützen wollen - wie in Stuttgart öffentlich zur Schau gestellt.

Ich denke, niemand hindert in Deutschland jene, die anders sein wollen als ursprünglich von Gott angelegt, an ihrer Lebensweise. Sollen sie doch leben, wie sie wollen. Aber sich dermaßen in die Öffentlichkeit zu schieben und jene, die eine natürliche Lebensweise leben zu provozieren, fällt für mich nicht in den Bereich der Toleranz.
  • 28.05.2014, 12:01 Uhr
  • 3
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Mir hat seine Stimme und sein zurückhaltender Auftritt sehr gut gefallen. Er hat den Preis verdient.
Ich finde auch, dass der Artikel in diese Rubrik "Vorbilder ..." passt, da Conchita Wurst sich für eine nach wie vor verspottete und diskriminierte Gruppe von Menschen einsetzt.
Jeder, der ein wenig anders ist, ist ein weißer Rabe und wird von der Mehrheit gemobbt.
Das Grundgesetz sagt aber aus, dass die Würde j e d e s Menschen unantastbar ist.
  • 28.05.2014, 09:09 Uhr
  • 3
Sehr schön kommentiert Edith ! Genau so sehe ich das auch.
  • 02.06.2014, 14:12 Uhr
  • 0
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ich finde den jungen Mann toll ,der steht doch wenigsten zu
seinen Ansichten,was man von vielen Zeitgenossen leider
nicht sagen kann .Auserdem hat er eine begnadete Stimme
er hat zu recht gewonnen und nur das alleine zählt .
wenn man den Moralapostel bei allem raushängen
lasen wollte und würde man dann könnte an sich gleich in
ein Kloster vergriechen und dürfte sich die Hälfte aller
Stars oder Sportler nicht an hören .
und gerade die Politiker sind für mich die großten Verbrecher
die schauen doch zuerst das es ihne gut geht ,oder
glaubt einer von euch allen Erstes das Putin einem Mutterkindheim
was spendet ? der schaut ja noch nicht mal das es Kindern in
seinem Land gut geht
  • 27.05.2014, 16:59 Uhr
  • 1
Kommentar ist ok, aber das mit Putin stimmt nicht so !
  • 02.06.2014, 14:13 Uhr
  • 2
NEIN ? und warum müssen dann KLEIN KINDER
auf der STRA?E LEBEN und in der Kanlisation pennen ?
ich würde hier noch lieben gerne ganz was anderes
über PUTIN sagen ,aber dann mache ich mich STRAFBAR
  • 02.06.2014, 15:14 Uhr
  • 0
Nein Marianne, ich bin kein Putin Fan, ich mag nicht die Ungerechtigkeit. Bulgarien, Rumänien, Süd Amerika, zig Länder haben noch viel schlimmere Probleme, Russland ist schon viel, viel weiter als sie seit eher un jeher war, ich habe einige russiche Nachbarn und kann nur sagen was ich höre, die haben noch dort Familien und telefonieren öfters mit. Aber darüber könnte man stundenlag diskutieren - bleiben wir lieber bei Conchita, und kann uns auch wurst bleiben !
  • 02.06.2014, 15:20 Uhr
  • 1
ich gebe dir recht das es in andern Länder genau so schlimm ist
in Brasilien auch und noch einigen ,
ich habe mich auch nur auf Putin bezogen ,weil
es ganz beonders die Russen waren die ihne so angegriffen haben und ich weis das ich Schwule in Russland verstecken
müssen ,was ich sehr schlimm finde
das soll aber nicht heißen das ich keine Russen mag
und alle über eine Kamm scherre
  • 02.06.2014, 15:34 Uhr
  • 0
Verstanden, ist ok. LG
  • 02.06.2014, 15:59 Uhr
  • 0
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Conchita hat wirklich eine super tolle Stimme, das Lied war wirklich mit das Beste ob mit oder ohne Bart ist egal und " Wurst".
  • 25.05.2014, 15:11 Uhr
  • 3
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Mir ist das im Grunde egal(=wurscht). Weder kenne ich die Frau Wurst noch deren Lied. Der Songcontest ist mir auch entgangen.

Auf der anderen Seite: Wenn ich ein Lied höre und es gefällt mir, frage ich nicht danach, was der Sänger nun möglicherweise für "Probleme" hat.

Irgendwie wird nun da offenbar alles miteinander vermischt... und Gründe sich über irgendwas aufzuregen, gibt es immer.
  • 21.05.2014, 08:29 Uhr
  • 2
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Conchita, sehr gut gemacht!
Lieber für Gutes danke sagen –
als was man nicht hat zu beklagen!
  • 20.05.2014, 20:14 Uhr
  • 1
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Der Sieg einer(s) Transsexuellen ist doch nix neues im ESC.
Conchita Wurst war nicht di(e)r Erste.

1998 gewann der israelischen Beitrag der transsexuellen "Dana International" mit dem Song "Diva"



Und nu?
  • 19.05.2014, 20:49 Uhr
  • 1
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