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Leonardo da Vinci und der Fallschirm - Innovationen der Vergangenheit

Leonardo da Vinci und der Fallschirm - Innovationen der Vergangenheit

Christine Kammerer
18.01.2013, 17:10 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Was wäre wohl aus der Menschheit geworden, wenn nicht irgendeiner damals diesen Faustkeil erfunden hätte? Vermutlich säßen wir immer noch auf den Bäumen herum und wären in der allerersten Eiszeit jämmerlich verhungert. Nicht erfroren, denn Feuer machen konnten wir zu jener Zeit auch schon. Aber so konnten wir endlich auch dem Bären ordentlich eins auf die Mütze geben und sein Fell selber anziehen. Bald kamen wir auch dahinter, dass man aus seinem Hinterschinken prima Goulasch machen kann, wenn man es in mundgerechte Teile zerlegt und etwas Wurzelwerk mit in den Sud gibt. Und wenn uns draußen zu kalt wurde verzogen wir uns einfach in unsere gemütliche Hütte. Es dauerte nicht mehr lange und wir fanden heraus, dass Holz schwimmt. Da wir machten uns auf den Weg und erkundeten den Rest der Welt jenseits des Wassers.

Mit Speeren, Messern, Pfeil und Bogen konnte man allerdings nicht nur fette Beute jagen, sondern auch allerhand Unsinn anstellen. Zum Beispiel ein gegnerisches Dorf überfallen, wenn einem gerade langweilig war. Und schon war die Kriegskunst erfunden. Ob das die Menschheit voran gebracht hat? Nun darüber lässt sich wie bei so einigen anderen Erfindungen trefflich streiten.

Innovationen, deren Zeit gekommen war…
Ackerbau und Viehzucht wurden unabhängig voneinander mindestens siebenmal erfunden: in China, Neuguinea, den Anden, Mexiko, Westafrika, im Nahen Osten und im Amazonasbecken. Und zufällig entstanden auch städtische Ansiedlungen so in etwa gleichzeitig an sechs verschiedenen Orten – in China, Ägypten, Indien, Mesopotamien, Mittelamerika und in den Anden.

…und solche, die ihrer Zeit weit voraus waren
Die Indianer Mexikos hatten sogar schon das Rad erfunden, aber weil sie nicht so recht wussten, was sie damit anfangen sollten, verwendeten sie es einfach als Spielzeug: Sie bauten ihre Räder und sogar kleine Zahnräder als Bauteile in mechanische Geräte ein. Ihre Funktion als Fortbewegungsmittel erkannten sie noch nicht. Ähnlich wie die Chinesen. Die kamen nämlich schon vor 2200 Jahren durch Zufall darauf, einen Kompass zu bauen. Sie erkannten, dass das Mineral Magnetit die Eigenschaft besitzt, Eisen anzuziehen und bauten ein Gerät, das aus einer Nadel und einem Brett bestand, auf dem sogar die Himmelsrichtungen markiert waren. Der chinesische Kompass kam aber nur zeremoniellen Anlässen zum Einsatz – wohl im Rahmen des traditionellen Feng Shui. Man bestimmte damit den günstigsten Ort für die Errichtung von Bauwerken.

Erst ein paar Jahrhunderte später – als die Chinesen bereits mit ihren Schiffen afrikanisches Festland ansteuerten – wurde die Idee geboren, dass der Kompass in der Seefahrt richtungsweisende Dienste leisten könnte. Apropos Seefahrt: Der älteste noch erhaltene Globus ist natürlich unser Nürnberger Erdapfel – geschaffen 1492 von Martin Behaim. Zu einer Zeit, als die Erde noch der Mittelpunkt des Universums zu sein hatte und zu besichtigen im Germanischen Nationalmuseum. Der älteste aller Globen ist er allerdings nicht. Denn der wurde nach römischen Quellen schon 150 v. Chr. von einem gewissen Krates von Mallos gebaut.

Auch Leonardo da Vinci machte so manche Erfindung, die ihrer Zeit weit voraus war und entwickelte Spaßeshalber schon mal einen Fallschirm. Für den Fall, dass es irgendwann einmal so etwas wie fliegende Maschinen geben würde. Aber er war wohl nicht der erste, der solches erdacht hat, denn die älteste bekannte Darstellung eines Fallschirms unbekannter Herkunft stammt bereits aus den 1470er Jahren. Was der Genialität des Da Vinci keinen Abbruch tut. Ihm haben seine Würfe zu seiner Zeit so einiges Unverständnis und Kopfschütteln eingetragen. Aber manchmal sträubten sich die Zeitgenossen auch einfach nur aus guter alter Tradition und der Macht der Gewohnheit gegen das Neue. Denn so manche Innovation kam einer Revolution gleich.

Innovationen schreiben Geschichte
Johannes Gutenberg katapultierte uns mit dem Buchdruck um 1440 in die Zukunft. Ein ähnlicher Wurf auf ganz anderem Gebiet gelingt James Watt um 1800 mit der ersten Dampfmaschine. Sie revolutionierte die Industrieproduktion und damit die Lebensbedingungen der Menschheit. Jede Erfindung braucht ihre Zeit. Nicht nur um erdacht zu werden, sondern vor allem um von den Zeitgenossen in ihrer Tragweite überhaupt erst erfasst zu werden. Manche Innovation waren wie wir sehen schon lange da, bevor ihre Zeit kam und brauchte nur noch den kleinen Funken, um zu zünden und ihre Epoche mit einem Feuerwerk der Inspiration zu erhellen. Zum Beispiel der Dynamo, dank dessen uns 1866 der Sprung ins elektrische Zeitalter gelingt.

Wer hat’s erfunden?
Zugeschrieben wird die Entdeckung Werner von Siemens, doch zur selben Zeit befassten sich gleich mehrere Tüftler mit der Generatormaschine und beschrieben diese ausführlich in ihren Werken. Im Grunde aber war es Michael Faraday, ohne dessen Zutun der Dynamo nicht das Licht der Welt erblickt hätte, denn der erkannte 1831 das Prinzip der elektromagnetischen Induktion. Auch was das Telefon betrifft konkurrieren gleich mehrere Erfinder um den Ruhm, aber das Patent sicherte sich nun einmal Alexander Graham Bell im Jahre 1876.

Weniger spektakulär aber doch bahnbrechend für die Ernährungsindustrie war die Erfindung der Konservendose. Erkannt wurde diese so geniale wie einfache Methode der Haltbarmachung von Nahrung schon 1810 und eingesetzt – nun, natürlich beim Militär. Doch der Prototyp war aus schwerem Schmiedeeisen. Eine Anleitung wie die Dose mit Hammer und Meißel zu öffnen sei, wurde mitgeliefert. Die Soldaten behalfen sich vorzugsweise mit dem Bajonett oder attackierten sie mit dem Gewehr. Und zudem war die Dose schon aufgrund der altertümlichen Produktionsweise quasi eine Totgeburt. Bis Anfang des 20. Jh. ihre Zeit kam, das Fließband und der Dosenöffner.

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13 Kommentare

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Leider muss die Menschheit immer alles 3 und 4-fach erfinden.
Fangen wir einfach mal in der Mitte der Geschichte an.
Wäre die technische Innovation des Wissens seit der Zeit der Römer ohne Rückschritte vorangeschritten, hätte die Landung auf dem Mond wahrscheinlich zur Zeit der Renaissance stattgefunden.
  • 28.07.2013, 21:22 Uhr
Christine Kammerer
Aber so wie die Menschheit damals drauf war, wären die Folgen vermutlich noch viel verheerender gewesen als heute -> Krieg...
  • 29.07.2013, 10:31 Uhr
Hallo Christine, ich habe deinen Artikel mit Genuss gelesen, sonst hätte ich mir keine Gedanken gemacht. Frieden ist immer eine kleine Insel der Glückseligkeit. Wir leben hier bei uns seit gerade mal 60 Jahren in so einer Insel.
Das Leidvolle Schicksal der Menschen heißt Krieg.
Die Neandertaler haben über 200 000-tausent Jahren allen Klimawirren getrotzt, 10 000-tausend Jahre nach dem der der moderne Mensch auftauchte waren Sie verschwunden.
In einer Zeit des friedlichen Fortschritts wurde die Himmelscheibe von Nebra erschaffen und der Berliner Goldhut. Generationen später war dieses Wissen durch Kriege weggespült.
Pharao Ramses der II. und der römische Kaiser Augustus führten ihre Völker durch eine friedliche Blütezeit.
Durch ein Lügengespinst wurde der Irakkrieg vom Zaun gebrochen, den Menschen geht es so schlecht wie nie zuvor.
Durch die ungeschickte Einführung des Euro wurde ermöglicht, dass die EG-Südvölker Schulden in unbezahlbarer Höhe aufnahmen und verarmten. Ob das gut geht ?
  • 29.07.2013, 13:09 Uhr
Christine Kammerer
Das wäre doch auch mal eine schöne Buchidee: "Die Geschichte des Friedens" (Leider wird das vermutlich ein sehr kurzes Buch )
  • 29.07.2013, 16:40 Uhr
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Obwohl das Meiste nicht in der chronologischen Reihenfolge stimmt, ist Ihr Bericht wie immer, richtig gut...
  • 22.07.2013, 15:31 Uhr
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Waren das nicht die Schweizer? Von Ricola?
  • 07.05.2013, 22:26 Uhr
Christine Kammerer
Die Schweizer gab es damals noch nicht - die wurden erst später erfunden..
  • 08.05.2013, 09:19 Uhr
Schluck - stutz - und selten so gelacht, richtig schön trocken
  • 28.07.2013, 20:56 Uhr
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So sinnlos und unnötig uns die Erfindungen von Herrn Leonardo Siemens zu Gutenberg auch erscheinen, sind sie doch die Basis und die Grundvoraussetzung für die 15 coolsten Erfindungen aus der Vergangenheit, die wir auf gar keinen Fall missen möchten.
  • 20.01.2013, 01:43 Uhr
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Danke, wunderbar und gut verständlich geschrieben.
Und ohne Faustkeil? hätten sich die Menschen eben mit der Faust erschlagen, das liegt in der Natur von einigen.
Aber diese ganze Erfindungen haben uns auf unseren heutigen Lebenstandard gebracht.
Vielleicht könnte ich ja noch ohne Internet auskommen, aber niemals ohne Bücher. Lach
  • 19.01.2013, 07:25 Uhr
Christine Kammerer
Das stimmt - sie hätten es auch so irgendwie geschafft, sich den Schädel gegenseitig einzuschlagen oder sich von der Klippe zu schubsen... Aggression ist halt auch ein Teil von uns, aber eben auch im positiven Sinne...
  • 19.01.2013, 08:56 Uhr
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Marion Dr. Diwo M.A. -HP
Was aus der Menschheit geworden wäre-ohne Faustkeil? Friedliebende, pflanzenfressende,
mittelgrosse Wesen, die glücklich in angestammter Region leben.....in einheit mit der Natur...........smile
  • 18.01.2013, 19:18 Uhr
Christine Kammerer
Kühe?
Aber Internet gäbs dann auch keins... und Bücher und ...
  • 18.01.2013, 19:23 Uhr
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