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Was Uli Hoeneß und Fidel Castro verbindet

Was Uli Hoeneß und Fidel Castro verbindet

Thomas Bily
29.11.2016, 20:42 Uhr
Beitrag von Thomas Bily

Vor kurzem verstarb der Maximo Leader, der größte Führer Kubas, Fidel Castro. Fast zeitgleich wurde Uli Hoeneß- nach Haftstrafe wegen mehrmaliger Steuerhinterziehung - wieder gewählt zum Präsidenten des FC Bayern. Mit fast 100% Zustimmung. Ergebnisse, die sonst nur Diktatoren wie Fidel Castro einfahren.

Über Castro schimpft die ganze Welt, über Hoeneß vielleicht der liebe Gott

Steuerhinterziehung als Wiederholungstat (also nicht einmalig, weil er sich mal verrechnet hatte) ist auch in der Welt von Uli Hoeneß eine allseits anerkannte Straftat. Im Grunde gleichgestellt mit der Missachtung von Menschenrechten - bloß halt in einer anderen Sportart bzw. Verbrechensart.
Viele - wenn auch nicht alle - FC Bayern Mitglieder, die Uli Hoeneß nach seiner Haft halb johlend, halb weinend wieder zum Präsidenten gewählt haben, dürften den Rest des Jahres ganz normale Leute sein: Arbeiter, Angestellte, Handwerker, auf jeden Fall Bürger unseres Landes. Und damit, zumindest gesetzlich betrachtet, voll zurechnungsfähig.

Sie wählen, was sie eigentlich verachten

Fast 60 Jahre nach Machtübernahme durch Fidel Castro ist man sich in deutschen Journalistenkreisen gar nicht mehr sicher, ob Castro überhaupt JEMALS gemocht wurde vom kubanischen Volk. Soll man jetzt froh sein oder ihm nachtrauern? Eigentlich bringt er ja ein paar heroische Zutaten mit, die intellektuelle Zeitgeister lieben: linken Revolutionsgeist, hemdsärmlige Befreiung, Freund von Che Guevara (der in jedem zweiten Jugendzimmer in Deutschland hing)... Aber Kuba war doch unterm Strich marode, nicht wahr? Der Service in den Hotels? Huch. Die Versorgung mit frischem Fisch und Weißwein? Könnte besser sein. Klopapier im Hotel? Nicht immer 8-lagig. Wer soll denn da Urlaub machen. Das muss jetzt besser werden nach Fidels Abgang.
Würden wir oder zumindest die FC Bayern Mitglieder nur ansatzweise so genau hinschauen auf das, was der Maximo Leader Hoeneß so angestellt hat, dann wäre er doch eigentlich nicht mehr wählbar.
Wenn ein Politiker in einer Talkshow auch nur annäherungsweise Kritik übt am Bürger, überflutet ihn sogleich ein Shitstorm. Wenn Fussballer einen unerlaubten Ausflug nach Mailand machen und dann gesperrt werden, applaudiert das Volk. Bei der Wahl von Hoeneß scheinen komplett andere Maßstäbe zu gelten. Ja, er hat Steuern hinterzogen, aber sonst war er doch immer eine helfende Hand. Zur Erinnerung: Kein Verbrecher, egal was er für Verbrechen begeht, ist rund-um-die-Uhr-Verbrecher, sondern schlägt nur punktuell zu, wenn es passt. Jeder Verbrecher hat auch gute Zeiten, wo er Kindern hilft, Tiere streichelt oder Spenden gibt.

Und wenn dein neuer Chef ein Hoeneß wäre?

Angenommen dein alter Chef ginge in Pension oder Rente. Und der Eigentümer deiner Firma würde einen alten Spezl vorstellen als neuen Chef. Einen, den er in der VIP Lounge eines Fußballstadions kennengelernt hat. Erfolgreich, schillernd, wortgewaltig mit eigener Bratwurst-Produktion (was Hoffnungen fürs nächste Firmen-Grillfest weckt). Aber dann sickert durch, dass er vorbestraft ist wegen mehrmaliger Steuerhinterziehung. Wie würdest du dann reagieren?

  • Den Neuen mit Autogrammkarte abpassen und glückselig umarmen.
  • Mit deinen Kollegen ein ernstes Wörtchen.
  • Kündigen
  • Das Maul halten. Kannst eh nichts dagegen machen.
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