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Aus dem Leben eines Glubberers

Aus dem Leben eines Glubberers

Christine Kammerer
11.03.2013, 15:23 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Klein Peter war gerade ein Jahr alt geworden, als er zusammen mit seinem Papa ein Glubbspiel am Radio verfolgte. Der Glubb siegte. Peters Papa brüllte. Klein Peter brüllte mit. Seither besitzt Peter eine Dauerkarte. Der Glubb war sein Schicksal. Und das kann man sich schließlich auch nicht einfach aussuchen.

Wieso sollte sich auch irgendjemand, der bei halbwegs klarem Verstand ist, ausgerechnet aus freien Stücken für den Glubb entscheiden? Früher! Ja, da war der 1. FCN noch ein Begriff! Verdammt lang her. Aber einzigartig ist der Glubb bis heute. Als Rekordmeister und als Rekordabsteiger. Denn der Glubb kämpft nur dann nicht gegen den Abstieg, wenn er gerade abgestiegen ist. Eine Dauerkarte beim Glubb ist ungefähr wie eine Eintrittskarte für die Achterbahn. Nur eben lebenslänglich und natürlich viel wichtiger. Mindestens genauso wichtig wie der Personalausweis. Ihr Abhandenkommen bedeutet schließlich für den Glubberer nichts weniger als den Verlust seiner Identität.

Schlechte Zeiten - schlechte Zeiten!

Die Beziehung zum Glubb ist ein Lebensgefühl. Irgendwo zwischen Leid, Hingabe und beständiger Wehmut. So einzigartig wie der Glubb selbst eben. Und vor allem inniger als die Beziehung zu beinahe jeder Frau im Leben eines Mannes. Der Glubb ist eine gute Mutter. Er wird sich niemals gegen dich entscheiden und du kannst immer zu ihm zurückkehren.

Nur ein Glubberer weiß, wie nahe Freud und Leid beieinander liegen. Gemeinsam mit 40.000 anderen Fans pilgert er alle zwei Wochen in die Arena. „Grundig“ ist ja im Grunde ganz pfundig und schon um Welten besser als „Easy Credit“ aber noch viel lieber hätte es der Glubberer natürlich gesehen, wenn das Franken-Stadion nach seinem Idol Max Morlock benannt worden wäre. Jenem Helden des fränkischen Fußballs aus besseren Zeiten.

Der Glubb ist ein Depp*
Der Glubb bricht alle Rekorde. Ihm ist so manches Kunststück gelungen, das kein Verein je zuvor hingekriegt hat. Rekordmeister ist der 1. FC Nürnberg vor allem beim Absteigen. Nur ihm ist es bislang gelungen, gegen einen Sechst-Ligisten zu verlieren. Das ist ungefähr so, wie wenn ich Arnold Schwarzenegger beim Armdrücken über den Tisch ziehe. Nur der Glubb hat es geschafft, Tasmania Berlin, dem allerschlechtesten Bundesligisten, den die Fußballgeschichte bis dahin gesehen hatte, auch noch einen Rekord abzujagen. Indem er in einer historisch nie dagewesenen Pechsträhne alle 17 Auswärtsspiele am Stück verlor. Und nur der Glubb ist wegen eines Phantomtores abgestiegen. Und das auch noch gegen die Bayern. Der Ball war ganz klar und eindeutig neben das Tor gerollt. Der Schiri pfiff es trotzdem. Und er war der einzige Verein, der jemals als deutscher Meister abgestiegen ist. Um dann gleich noch einen draufzusetzen und als Pokalsieger abzusteigen.

Ein wunderbar Glubb-typisches Eigentor war auch der Abgang von Legende Willi Entenmann, den man vorher nach allen Regeln einer kunstvollen fränkischen Kabale eingefädelt hatte: Nach der zu erwartenden Niederlage gegen Bayern sollte der ungeliebte Trainer abgesägt werden. Dumm nur, dass der Glubb ausgerechnet diesmal gegen seinen Erzfeind siegreich war. Entenman wurde trotzdem gegangen.

Von den Leiden eines Glubberers
Peter hat mit dem 1. FCN alle Höhen und Tiefen durchgemacht. Mehr Tiefen als Höhen. Gefeiert und vor allem gelitten. Eine gehörige Portion solider fränkischer Pessimismus ist immer mit im Spiel. Denn über dem Glubb hängt immerdar das Damoklesschwert der Zweitklassigkeit. Das Drama geht nur in die nächste Runde und hinter jedem Spiel lauert das tiefe, dunkle Abstiegsloch. Nein. Der Glubberer freut sich nicht auf ein schönes, spannendes Match, wenn er in sein Stadion geht. Er weiß nämlich ganz genau, dass ansonsten sowieso wieder nur ein versauter Nachmittag dabei herum kommt. Der Glubberer stellt sich lieber vorher schon mal mental darauf ein, dass es sehr schlimm wird. Weil dann wird es vielleicht nur halb so schlimm.

Aber warum tut er sich das eigentlich an? Ja, das kann sich der Peter auch nicht erklären. Die kostenlose Sonntagszeitung mit den Spielergebnissen, die liest er aber immer nur bei erfolgreichen Spielen. Und dazu zählen ja zum Glück auch die Unentschieden. Man stumpft halt doch ab mit der Zeit. Lernt irgendwann sogar, aus einem versauten Nachmittag beinahe übergangslos noch einen gelungenen Abend zu machen.

1999. Ja, damals hatte der Peter tatsächlich noch Tränen in den Augen. Beim Abstieg. Am letzten Spieltag. Von einem sicheren Mittelfeldplatz aus. Aber die Tränen sind mittlerweile wieder versiegt. Es geht eben nicht ohne den Glubb. Egal, wo auf der Welt der Peter gerade unterwegs ist – der Live-Ticker ist immer dabei.

Hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund...
Die Sache mit den zu erwartenden Niederlagen gehört übrigens zu den klassischen Glubb-Ritualen: Zum Spiel geht man in der festen Überzeugung, dass es auch diesmal nichts wird. Nur dann kann es überhaupt etwas werden. Hätten sich alle daran gehalten, wäre auch das nicht passiert: 1999 beschloss der Glubb, anlässlich des zu erwartenden Verbleibs in der 1. Liga die Eintrittspreise zu erhöhen. Auch die Nichtabstiegsfeier war bereits geplant. Das Spiel bescherte den Fans die 15 spannendsten und leidvollsten Minuten der Nürnberger Fußballgeschichte, kommentiert von Günther Koch, der angesichts des entscheidenden Tors der Freiburger fassungslos konstatierte: "Hallo, hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund..." Abstieg von Platz 14. Die Preise wurden trotzdem erhöht.

2007 ist der Glubb aufgestiegen. Und dann gleich wieder ab. Das war ja klar. Seit 2009 ist er wieder in der Bundesliga. Konstant. Und das Abstiegsgespenst war immerhin meistens schon mehr als drei Spieltage vor Schluss vertrieben. Drohen jetzt am Ende gar gute Zeiten? Aber das wird ja dann sicher auch wieder nichts! Für den Peter nur ein guter Grund mehr, misstrauisch zu werden…

*) Klaus Schamberger in der Nürnberger Abendzeitung, inzwischen nicht nur unter Glubberern ein geflügeltes Wort

"Hallo, hier ist Nürnberg - wir melden uns vom Abgrund"

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7 Kommentare

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einmal club immer club egal in welcher liga
  • 22.05.2013, 06:49 Uhr
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Machen wir doch unsere eigene Liga, und zwar mit folgenden Vereinen:

- 1. FC Nürnberg
- SSC Stubersheim (2 Tore geschossen, 246 kassiert)
- Ibis Sport Club Brasilien (schlechtester Verein der Welt, 62 erzielte Treffer in 70 Jahren Vereinsgeschichte ... macht einen Schnitt von 0,88 Toren pro Jahr!)
- FC Vatikan, mit einem neuen Papst als Sturmspitze
- Germania Forchheim (17 Spiele, 17 Niederlagen, Torverhältnis 4:334)
- Österreichische Nationalmannschaft

Die Besonderheit an dieser neuen Liga ist, dass hier kein Verein vom Abstieg bedroht ist, weil es darunter keine Liga mehr gibt. Soooo schön kann eben nur Fußball sein ...
  • 10.03.2013, 19:35 Uhr
Christine Kammerer
Oh, da befindet sich der FCN ja in erlesener Gesellschaft - zumindest was der Vatikan betrifft!
  • 21.03.2013, 15:14 Uhr
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Ja ein Glubb-Fan ist ein echter Fan
  • 10.03.2013, 17:54 Uhr
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Man sollte Max Merkel nicht vergessen, der auch dem Klub Auf- und Abstieg brachte.
  • 10.03.2013, 16:11 Uhr
Christine Kammerer
Oh mein Gott! Das muss vor meiner Zeit gewesen sein....
  • 21.03.2013, 15:18 Uhr
Merekls nächste Meisterschaft feierte er 1968 mit dem 1. FC Nürnberg, den er 1967 als Abstiegskandidaten übernahm. ... und Merkel verließ im März des Folgejahres den Verein. (entnommen Wikipedia)
  • 21.03.2013, 18:19 Uhr
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