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Fronleichnam 1733: Die Mutter aller Festzüge

Fronleichnam 1733: Die Mutter aller Festzüge

30.05.2013, 07:55 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Meine ersten Erfahrungen machte ich mit dem Erntedankzug zur Fürther Michaeliskirchweih. Neben meinem Opa durfte ich als kleiner Bub mit auf der Tribüne sitzen und so das Geschehen aus erster Hand verfolgen. Festlich geschmückte Wagen und schmissige Marschkapellen defilierten in aller Pracht am Publikum vorbei. Besonders eindrucksvoll waren aber die Volkstanzgruppen der italienischen und griechischen Zuwanderer, bei denen südländische Tänzerinnen im leichten Trikot wohl nicht nur meine volle Aufmerksamkeit hatten.

Dass das Ganze eigentlich einen religiösen Hintergrund, nämlich Erntedank hatte, war Nebensache. Die Erinnerungen an den Kirchweihzug wurden kürzlich wach, als ich in einem Buch über den Barock in Bayern von dem Fronleichnamszug in Landshut las. Während man heute eher andächtig prozessiert, „prangte" man im 18. Jahrhundert noch in völliger Unbescheidenheit und stellte stolz zur Schau, was man hatte.

Exotische Festwagen

Die Landshuter waren so begeistert von ihrem Fronleichnamszug, dass man 1733 der einheimischen Kuperstecherin Maria Ursula Hittlinger den Auftrag gab, das Geschehen auf Druckplatten festzuhalten. Und so sind uns heute alle 40 Festwägen und -sänften überliefert, die die Zünfte damals anfertigten und in der Prozession mitführten. Neben einer interessanten Stadtansicht des barocken Landshut sind vor allem die dargestellten Szenen interessant und geben einen Eindruck vom Charakter der Festlichkeit.

Auf den Festwagen wurden nämlich Szenen aus biblischen Geschichten dargestellt, die besonders spektakulären Aspekt hatten. So bauten die Zimmerleute die Arche Noah nach, die Lebzelter stellten König Assuerus und Königin Esther dar und die Branntweinbrenner zeigten Adam und Eva beim Essen vom verbotenen Baum – natürlich. Den Höhepunkt der Festwagen bildete dann die Bierbrauer, die die sagenumwobene Königin von Saba vor König David nachstellten. Orientalisch und exotisch ging es also auch im 18. Jahrhundert zu. Und für einen Landshuter im Jahr 1733 waren Königin Esther, eine wenig verhüllte Eva oder die Königin von Saba mindestens genauso faszinierend, wie die südländischen Tänzerinnen im Fürth der frühen 1980er-Jahre.

Eine genaue Beschreibung der Fronleichnamsprozession von 1733: http://www.landshut.de/thema/stadtge...m-1750.html

Bild: Ausschnitt aus einem Stich von Maria Ursula Hittlinger

84028 Landshut auf der Karte anzeigen:
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1 Kommentar

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Volker Barth
Lieber Frieder, ein sehr gelungener Beitrag
  • 04.06.2015, 13:05 Uhr
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