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Talisman der Meere

Talisman der Meere

02.10.2017, 22:54 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Am Strand ganz verlassen, ruht gigantisch, ein riesiges, uraltes Schiffsfrack.


Wohl in seinen Träumen sah es diesen Hafen und will wieder ins endlose Meer zurück. Jene Sehnsucht welche mich augenblicklich in seinen Bann zog. Als fühlte ich mich zum Seemann berufen, welcher nochmals zur letzten, aber großen Fahrt aufzubrechen droht. Hinaus zu seinen Kameraden, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen!

Alsbald ruft schon der Kapitän aus der Ferne, von seinem Deck zum Aufbruch. Hastig schwingend den Seesack über die Schulter geworfen, begebe ich mich zur Hafenseite. Will mit Freude aufs Schiff steigen, dass Meer umarmen und in die Ozeangröße segeln. Dorthin wo all das Glück zu finden ist.

Auf zu unbekannten Ufern- das Anker ist gelichtet.

Längst aus den Augen verloren, sind Land so auch Heimat. In der Luft liegt ein Hauch von zufriedenen Gesichtern. Trotz alledem, das die Wellen reiten- ist der Sturm bereits über uns. Tosende Winde peitschen in die Segel, aber die Seile halten fest.

Erschreckend wie zeitlos, der Kompass zur Karte ausgerichtet bleibt. Aber die Himmelsrichtung Norden, ist stets unser Kurs. Vom rauen Ozean wird das Schiff in die Wellen des Meeres eingeweicht. Keiner kann sich vorstellen, was noch alles kommen mag.

Ewige Gewinner bleiben die Gefahren der Meere. Nur die Kameraden verlieren oben im Mast ihren Halt und stürzten hinab in die Tiefe.

Das Unwetter holt sie nach und nach über Bord und lässt sie ertrinken. Der schleichende Tod nennt sich auch Nebel, welcher sich flüsternd niederlegt. Bis das Schweigen bricht und dem Wahnsinn seine Freiheit gewährt.

In der Ferne fliegen dunkle Wolken auf, westlich vor uns noch die Flut.
Der Talisman der Meere sind Geister und diese Phantome werden uns folgen. Bis wir auf die Seite schlagen, dann beten wir zu Gott, dass wir nicht sterben werden.
Es riecht überall nach verfaultes Wasser und madigen Pökelfleisch.

Es ist die Pest, der Skorbut und die Seuchen werden kommen. Sie raffen jeden langsam, aber sicher dahin.


Werden wir als Geisterschiff weiter treiben?- Nicht nur der Tod, gehört der Seefahrt, ganz allein!

Zeigt es sich, so ist dies ein schlechtes Zeichen. So verlässt es das Schiff erst, wenn es untergeht. Der Talisman der Meere wird es richten. Denn: „Wenn es klopft, bleibt es, wenn es hobelt, geht es.“ Es sieht aus wie Du oder Ich- dennoch ist es ein Phantom, keiner kennt es wirklich. Mal trägt es einen Hammer in seinen Händen oder eine Seemannskiste unter seinem Arm. Dabei hält es seine Pfeife zwischen seinen gelbgrünen Zähnen. Es leuchten seine roten Haare im dunkeln der Nacht zum fürchten. Wer es wagt in seine grausamen orangen Augen zu schauen, wird sofort erblinden.

Westlich die Flut, aber gen Norden halten wir Kurs und segeln durch den Talisman.

Wir hoffen auf unser Leben und jeder betet, dass auch er überlebt.
Ist unser Schiff verloren?
Nur noch die Vögel steigen dem wütenden Sturm entgegen, aber keiner wird dem entkommen.
Verlassene Erde, die wir jetzt ersehnen, sind der Lüge sicher.
Wir schworen aufs göttliche Leben- im Fluch verhasst ist Gott und sein Gebet.

Wir umklammern alles, was wir halten können. Der Himmel, so auch der Regen fällt auf uns nieder.
Dreißig Tage ohne Mahlzeit und zehn ohne frisches Wasser. Sind wir noch
die, die nicht in den Stürmen gestorben sind, obwohl uns der Skorbut überfiel?
Der Pazifik ist so unendlich.

Unsere müden Glieder, sind erschöpft. Wir haben die Hoffnung auf Norden nicht verloren.
Keine Kraft mehr in uns. Wir haben nichts mehr zu vergeben. Nur den Willen- das wir es schaffen!

Denn: „Wenn es klopft, bleibt es, wenn es hobelt, geht es.“- die Geister als Phantom im Talisman der Meere.

(c) Tina St. im Oktober 2017

13 Kommentare

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Liebe Tina, das ist ja eine gruselige, wie auch spannende Geschichte....Da kann man ja wirklich nur das Beste hoffen, dass sie es schaffen, ans Ziel zu kommen...Danke für deinen ausgefallenen Beitrag...LG Karin...
  • 03.10.2017, 11:36 Uhr
Wenn schon- denn schon, ich war in den Bann gezogen und mittendrin- im Talisman der Meere! Dankeschön, das es auch so rüber kam- gen Norden, die Wellen peitschen und in der Ferne ziehen dunkle Wolken auf..keiner will wissen- was noch kommen mag..liebe Grüße Tina
  • 03.10.2017, 12:14 Uhr
Hier wurde ein Kommentar durch den Ersteller entfernt.
Am Strand ganz verlassen, ruht gigantisch, ein riesiges, uraltes Schiffsfrack.

Wohl in seinen Träumen sah es diesen Hafen und will wieder ins endlose Meer zurück. Jene Sehnsucht welche mich augenblicklich in seinen Bann zog. Als fühlte ich mich zum Seemann berufen, welcher nochmals zur letzten, aber großen Fahrt aufzubrechen droht. Hinaus zu seinen Kameraden, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen!

Lieben Dank für dein Feedback lieber Ernst und auch dir ein schönes Pfingsten wünsche..alles Liebe sendet Tina.
  • 20.05.2018, 16:47 Uhr
Ich, 1965 nach einem 'Waschbad' in einem Bergbach ausserhalb Kathmandus
  • 21.05.2018, 10:02 Uhr
Wow, welch Erscheinung und Ausstrahlung- Charisma pur!

https://www.youtube.com/watch?v=nQSxemKPTjg
Katmandu ich werde dich bald berühren und deine seltsame verwirrende Zeit
wird mich nach Hause bringen....
  • 21.05.2018, 11:21 Uhr
Wow, welch Erscheinung von dir lieber Ernst und welche Ausstrahlung- Charisma pur!


Katmandu ich werde dich bald berühren und deine seltsame verwirrende Zeit
wird mich nach Hause bringen....
  • 21.05.2018, 11:23 Uhr
Herzlichen Dank Tina für den schönen Song, den ich nicht gekannt habe. Ich mag Cat Stevens sehr. Und hab Dank Tina für deine 'Blumen', die mich fast erröten liessen...
Im Moment blühen zwei Orchideen, ich schenke dir eine, tschau, salue
  • 22.05.2018, 20:13 Uhr
Vielen lichen Dank lieber Ernst und im Lied vom Cat Steven fand ich die Kernaussage sehr passend über Katmandu...weil wer die Welt gesehen hat per Rucksack...wird Angekommen sein im Zuhause.
  • 23.05.2018, 11:39 Uhr
Ja, es ist für mich fast eine poetische Aussage, weil 'Angekommen sein Zuhause' nach 15 Monaten unterwegs sein bewegte mich, war so emotionell, wie ich es nicht erwartet hatte.

Aber die Schweiz kam mir in den ersten Monaten sehr reglementiert, kleinräumig und spiessig vor. Die Luft draussen in der Welt war besser . Zum Glück musste ich in die Offiziersschule einrücken (Miliz), wäre vielleicht noch einmal abgereist, obwohl ich wusste, das war's fürs Erste...
lichen Dank Tina.
  • 23.05.2018, 22:34 Uhr
Wohl wahr..das stimmt- sowas wie mit Rucksack über viele Monate bis zu 2 Jahre um die Welt unterwegs- kann so intensiv kein zweites Mal geschehen..wäre ja im Ansatz und Versuch schon gelogen... lichen Dank und Gruß Tina
  • 25.05.2018, 18:35 Uhr
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