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Das Wunder von Karfreit - Die 12. Isonzo-Schlacht im 1. Weltkrieg

Das Wunder von Karfreit - Die 12. Isonzo-Schlacht im 1. Weltkrieg

12.11.2017, 14:54 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Am 24. Oktober 2017 jährte sich zum 100ten Mal der Beginn der als das „Wunder von Karfreit“ in die Militärgeschichte eingegangenen 12. Isonzo-Schlacht. Aus diesem Grunde fand eine militärhistorische Excursion mit Teilnehmern des „Kameradenkreises der Gebirgsjäger“ und von Mitgliedern des Oberbayerischen Krieger- und Soldatenvereins Rosenheim“ unter fachkundiger Leitung nach Karfreit statt. Thema dieser militärhistorischen Fahrt war nicht nur, die wichtigsten Stationen dieser für die Schlacht der damals verbündeten Länder Deutschland und Österreich-Ungarn gegen Italien zu besuchen und um an den Denkmälern der im Krieg gefallenen österreich-ungarischen, deutschen und italienischen Soldaten zu gedenken. Aus diesem Grunde wurden sowohl im deutschen Soldatenfriedhof in Tolmin als auch im italienischen Beinhaus in Karfreit zum Gedenken Kränze niederzulegen.

Zur Einstimmung wurde nach Ankunft in Bovec die taktische-strategische Lage vor genau 100 Jahren erläutert und danach das überaus sehenswerte Weltkrieg-1-Museum in Kobarid besucht. Sehr beeindruckend zu sehen ist dort anhand eines Reliefs des Oberen Isonzo der Truppenaufmarsch vom 23. Oktober 1917, dem Tag vor der Entscheidungsschlacht. In einem anderen Zimmer wird der Durchbruch und der zeitliche Gefechtsverlauf der ersten drei Tage dokumentiert, als die verbündeten österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen Karfreit einnahmen und auf italienisches Gebiet vorstießen.

Am 25. Mai 1915 erklärte Italien dem ehemaligen Bündnispartner des „Dreibundes“ (Deutschland, Österreich und Italien) Österreich nach vorherigen Geheimverhandlungen mit Frankreich und England den Krieg. Hintergrund war, dass auf Grund eines erwarteten siegreichen Kriegverlaufs erhebliche Gebietsansprüche durch Italien geltend gemacht werden. Durch diese Kriegserklärung entstand für das Deutsche Reich neben den Fronten im Westen und im Osten eine neue Front im Süden, die sog. Alpenfront. Sie zog sich von der Schweizer Grenze über das Stilfser Joch quer durch die Alpen bis hinunter an die adriatische Küste.

In 11 „Isonzo-Schlachten“ versuchten die italienischen Streitkräfte in der Folgezeit unter großen Verlusten für beide Seiten den Durchbruch durch die militärisch kaum gesicherte Südgrenze der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn zu erzwingen, um im Falle eines Sieges bis Wien durchmarschieren zu können.

Diese bisherigen Verluste beider Seiten in den 11 Isonzo-Schlachten an Menschen und Material waren vergleichbar mit den sinnlosen Opfern von Deutschland und Frankreich bei Verdun. Auch hier ging es um den geplanten Durchbruch deutscher Truppen vorbei an Verdun bis Paris.

Die Lage der k.u.k.Monarchie war 1917 schier aussichtslos. Die eigenen Verbände waren inzwischzen nach drei Jahren Krieg zu schwach, um den befürchteten erwarteten Durchbruch der italienischen Truppen zu verhindern. Deshalb bat die österreich-ungarische Armeeführung die oberste deutsche Heeresleitung - um einem erneuten Vorstoß der Italiener zuvorzukommen – um Unterstützung bei der geplanten Rückeroberung bisher verlorenen kaum nennenswerten österreichischen Gebietes, aber auch bei dem geplanten Vorstoß mit Geländegewinn über Udine bis Rom.

Die deutsche Heeresleitung zeigte sich dem Bündnispartner gegenüber kooperativ und stellte 6 Divisionen zur Verfügung, die mit 5 österreichisch-ungarischen Divisionen zur deutschen 14. Armee vereinigt wurden. Auch deutsche Fliegereinheiten wurden an den Isonzo verlegt, da die k.u.k. Fliegertruppe mit ihrer Feindaufklärung den überlegenen Italiener unterlegen war.

Zu Beginn der Planung lautete der Auftrag, den italienischen Truppen das eroberte Gebiet abzuringen und sie zurückzudrängen. Bei einem Erfolg wollte man aus strategischen Gründen den Tagliamento erreichen.

Trotz größter Geheimhaltung gelang es jedoch den verbündeten Mächten nicht, den Angriffszeitpunkt geheimzuhalten. Dieser wurde den Italienern von zwei übergelaufenen k.u.k Offizieren verraten. Der Angriffszeitpunkt verschob sich jedoch auf Grund der schlechten Witterung, so dass sich die Italiener vertrauend auf ihren schier uneinnehmbaren Sperrriegel auf den Bergen und im Soca-/Isonzo-Tal nicht im geeigneten Umfang auf den bevorstehenden Angriff vorbereiteten.

Trotz schlechter Witterung begann dann doch in den frühen Morgenstunden des
24. Oktober bei Flitsch und Tolmin der Angriff mit einem gewaltigen Schlag der deutschen und österreichisch-ungarischen Artillerie. Dieser Artillerieschlag zeigte sich infolge des eingesetzten Giftgases, die Giftgasgranaten waren mit einem blauen bzw. einem grünen Kreuz gekennzeichnet, als überaus wirkungsvoll. Durch ihn wurde die 1. Verteidigungslinie der unvorbereiteten und dadurch völlig überraschten Italiener nahezu vollkommen zerstört, so dass der dann einsetzende infanteristische Angriff über diese 1. Verteidigungslinie hinaus fortgeführt wurde. Auf den 2. Artillerieschlag mit Giftgas wurde auf Grund des Erfolges sogar verzichtet. Dieser über die von den Italienern besetzten Höhenpositionen und durch die Täler vorgetragene Angriff traf auf die vollkommen überraschten Italiener in ihrer 2. Verteidigungslinie, die nur noch geringen Wiederstand leistete. Die unter Zurücklassung ihres Materials flüchtenden italienischen Soldaten rissen dann auch die 3. Verteidigungslinie mit, so dass ein panikartiger Rückzug entstand, durch den keine sinnvoll organisierte Verteidigung durch die Italiener mehr möglich war. Die deutschen und österreich-ungarischen Truppen stießen schwungvoll über den Isonzo bis zum Tagliamento vor. Am 3. November 1917, also gerade 11 Tage nach Angriffsbeginn überschritten die deutschen und österreich-ungarischen Streitkräfte den Hochwasser führenden Tagliamento. Die Italiener konnten sich an den Ufern des Tagliamento nicht zur Verteidigung festsetzen, fluteten weiter zurück und konnten erst am 8. November 1917 am Piave mit Unterstützung von zu Hilfe eilenden britischen und französischen Einheiten, die als Reserve zwischen Brescia und Vicenza eingesetzt waren, eine Verteidigungsfront aufbauen. Alle weiteren Versuche der österreichisch-ungarischen Verbände die bisher erfolgreiche Offensive fortzusetzen, blieben erfolglos. Die sie bis dahin unterstützenden deutschen Einheiten wurden, da sie dringend an der Westfront benötigt wurden, wieder abgezogen und bei Verdun bzw. an der Somme eingesetzt.

Dieser überraschende Erfolg von Österreich-Ungarn an der Alpenfront konnte jedoch die erhoffte Wende im 1. Weltkrieg nicht herbeiführen. Auf Grund der aussichtslosen militärischen Lage an allen Fronten wurden die Kampfhandlungen in Österreich am 3. November 1918 und in Deutschland am 8. November 1918 beendet.

Bei dieser militärhistorischen Excursion wurde genau auf den Tag und teilweise genau auf die Stunde über die Situation vor 100 Jahren umfassend informiert. Dazu wurden die Flitscher Klause sowie das Fort Hermann oberhalb der Klause besucht, Stellungssysteme am Ravelnik und auf dem Kolovrat und die strategisch wichtige Höhe 1114, von der aus man einen weiten Rundblick nicht nur auf das vor 100 Jahren schwer umkämpfte Gebiet und auf den Mont Matajur hatte, sondern auch die Adria sehen konnte, begangen.

Mit dem Bus wurde das deutsche Beinhaus in Tolmin besucht und dort ein Kranz niedergelegt. Nach der Kranzniederlegung wurde bei sonnigem Wetter der Weg von Tolmin nach Karfreit entlang der Soca (ca. 12 km) zu Fuß zurückgelegt, der damals bei widrigem nassen und kalten Wetter von der 12. Schlesischen Infanterie Division bei der Rückeroberung von Karfreit unter kriegsmäßigen Bedingungen bewältigt wurde. Nach dem Eintreffen in Karfreit fand dann auch die Kranzniederlegung am italienischen Beinhaus statt. An den Kranzniederlegungen beteiligten sich auch italienische Kameraden der Internationalen Förderation der Gebirgssoldaten. Nach gedenkenden Worten in italienischer und deutscher Sprache an die Zeit vor 100 Jahren und an die Leiden der damals im Kampf eingesetzten und dabei verwundeten oder getöteten Soldaten untermalte ein Trompeter an den jeweiligen Beinhäusern in Tolmin und Karfreit akustisch diese Gedenkfeier.

2 Kommentare

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Absolut! So war es, so ist es und so wird es immer sein!!!
Die Politiker in der Welt sollten sich Kriegsschauplätze ansehen, Soldatenfriedhöfe besuchen und sich das Schicksal der dort Liegenden vor Augen führen!
  • 12.11.2017, 19:55 Uhr
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Egal welcher Krieg, es ist Irrsinn!
  • 12.11.2017, 18:53 Uhr
  • 2
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