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Sex, Drugs and Rock'nRoll

28.02.2018, 19:26 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Erinnert ihr Euch noch an 68: Sex, Drugs and Rock'nRoll?

Morgens, wenn ich in meiner Studentenbude die Augen öffnete, sah ich an der Zimmertür:
Nimm täglich einen Joint
dann ist der Tag dein Freund

Und langsam erinnerte ich mich an den gestrigen Abend oder war es der Abend zuvor? Wir saßen zusammen, der Joint ging herum, hörten die Beatles und die Bee Gees und sprachen über Thimosy Leary, der in Berkeley LSD an seine Studenten verteilte. Wir lasen Aldous Huxleys „Die Pforten der Wahrnehmung“ über seine Versuche mit Mescalin zur Bewußtseinserweiterung und wir wollten daran teilhaben. Auf einem Löschblatt hatte ich einen Tropfen LSD, den ich jetzt einnahm. Nach einiger Zeit wurden die Zimmerecken heller und heller, auch die Teekanne, die Gläser wurden mehr und mehr plastischer, schließlich wurde die Musik intensiver. Ich holte mir einen Bildband von von van Gogh und die farbenprächtigen Gemälde wurden noch farbiger, die Sonne begann zu rotieren und die Zypressen begannen zu züngeln wie Flammen. Meine Freunde waren schon längst eingeschlafen, da entdeckte ich auf dem Boden vor mir ein mit einem Locher ausgestanztes kreisrundes Papierschnipsel. Ich konnte den Blick nicht mehr davon abwenden und hatte das Gefühl in dieses runde Papierloch hinein zu fallen hineingesogen zu werden. Meine Hände wurden gefühllos und als ich aufwachte, waren meine Freunde schon gegangen. Die Erfahrung mit LSD war so intensiv und gleichzeitig erschreckend, dass ich den Versuch nicht mehr wiederholte.

Auf der Rückseite meiner Zimmertür stand der Spruch:
Wer zwei Mal mit der Gleichen pennt
gehört schon zum Establishment

So teilte ich mir mit meinem Freund Uwe die Freundinnen. Bianca Felicitas kam aus einem wohl behüteten Elternhaus. Sie meinte, mit Marihuana wäre die Liebe noch schöner. Wir rauchten zusammen einen Joint, begannen schon zu kichern, wenn im Radio die Nachrichten kamen. Sie zog ihre schwarzen Nylons an und ich ging duschen. Dann legte ich mich neben sie, umarmte sie und schlief ein. Das Marihuana hatte seine sedierende Wirkung voll entfaltet. In Zukunft verzichteten wir vor der Liebe auf den Joint. Silke Maria diskutierte auch im Bett weiter, wußte sie meinen Argumenten nichts mehr entgegen zu setzen, goß sie mir das Glas Sekt, das neben ihr stand, über den Kopf. Dann wälzten wir uns in dem nassen Bett herum.

Es gab noch einen weiteren markigen Spruch damals:
No penny, no man
for the war in Vietnam

Der Protest der 68er speiste sich aus vielen Quellen, denen gemeinsam war, dass sie die sogenannte arbeitende Bevölkerung kalt ließ. Weder der Protest gegen den Vietnam-Krieg noch die Drittelparität an den Universitäten noch die Hinweise auf ehemalige Nationalsozialisten in hohen Staatsämtern kamen bei der Bevölkerung an. Die Bild-Zeitung druckte: "Kein Geld für langbehaarte Affen" und das traf die Einstellung der Bevölkerung zu den Studentenprotesten. Wir trafen uns in einem von der CSU gesponserten Debattierclub und diskutierten auch darüber wie die Arbeiter mit unserem Protest zu erreichen sei. Viele Arbeiten kehrten nach Feierabend aus der Völklinger oder Burbacher Hütte kommend im Bistro 54 in der Nähe des Saarbrücker Hauptbahnhofs ein. Mein Freund Uwe und ich saßen auch gern am Tresen bei Mettbrötchen, Soleier und Neufang Bier und versuchten die Arbeiter zu politisieren – meist vergeblich. Aber einmal ist es uns gelungen und noch bevor Biergläser und Stühle durch den Raum flogen, verließen wir das Bistro und sahen erstaunt den mit Blaulicht anrückenden Polizisten zu. Später gingen wir eher in den Hades aßen Spaghetti bolognese, tranken Rotwein und hörten In the year twenty-five twenty-five, when I am still alive...

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