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Warum uns Babyboomer der Krieg noch immer etwas angeht

Warum uns Babyboomer der Krieg noch immer etwas angeht

Helmut Achatz
13.03.2018, 13:07 Uhr
Beitrag von Helmut Achatz

Das Kriegsende liegt 73 Jahre zurück, dennoch beschäftigt uns dieser kollektive Wahnsinn immer noch – uns Kriegsenkel. Der Krieg prägt uns Kriegsenkel, die wir zwischen 1950 und 1975 geboren wurden, ob wir es wollen oder nicht.

„Was geht mich der Krieg an?“


„Was geht mich der Krieg an“, diese Fragen stellten und stellen sich viele Kriegsenkel. „Was hat das alles mit mir zu tun?“ – die Frage gehört zum festen Repertoire der Kriegsenkel. Aber mal ehrlich – ist das so? Da ist etwas, das wir nicht abschütteln können. Nicht von ungefähr rückt das Wort „Kriegsenkel“ in den Vordergrund. Ob wir es wollen oder nicht – da liegt etwas im Dunkeln, das darauf wartet, verarbeitet zu werden. Nicht von ungefähr hat es so lange gedauert, bis beispielsweise das NS-Dokumentationszentrum in München eröffnet wurde – genau am 1. Mai 2015, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Es erinnert an die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur und ermahnt uns, uns zu erinnern.

Aufarbeitung nach der Zäsur


2013 auf dem Kriegsenkel-Kongress in Göttingen keimte der Satz: „Die Elterngeneration krempelte die Ärmel auf, um die äußeren Trümmer zu beseitigen; die seelischen Trümmer zu beseitigen – das ist Aufgabe der Enkel.“ Dem ist nichts mehr hinzufügen. Die Nazi-Herrschaft, das tausendjährige Reich, war so eine tiefe Zäsur, dass die Aufarbeitung Generationen dauert. Wir Kriegsenkel sind gerade dabei, die psychischen Folgen aufzuarbeiten – in Filmen und Büchern. Übrigens, findet auch 2018 ein Kriegsenkel-Kongress statt, dieses Mal in Hannover.

Eines dieser Aufarbeitungsbücher hat Arie Ben Schick geschrieben – sein Titel „Mama, erzähl mir vom Krieg“. Der Satz drückt treffend aus, worum es geht. „Die einzigen Momente, in denen Arie Ben Schick seiner Mutter emotional ganz nahe ist, entstehen, wenn er sie bittet, ihm vom Krieg zu erzählen“. Beim Erzählen nähert er sich ihr emotional an. „Er hört die Bombeneinschläge, sieht Trümmerlandschaften vor seinem inneren Auge und riecht die verwesenden Leichen, ohne selbst dabei gewesen zu sein“, beschreibt er es. Liest sich beim ersten Blättern pervers. Die Kriegsgeneration hat erfahren, was wir Kriegsenkel so wohl kaum erfahren werden: Tod, Verwüstung, Vergewaltigung, Verwesung, Schändung.

Trauma an die Enkel weitergegeben


Wohl dem, der resiliente Mütter und Väter hatte, die stark genug waren, das zu verkraften. Nicht alle waren stark genug, Chaos, Gewalt, sinnlose Zerstörung und Hoffnungslosigkeit etwas entgegenzusetzen. Viele sind daran zerbrochen oder litten und leiden selbst nach Jahrzehnten daran. Schicks Mutter hat Krieg und Flucht nicht verkraftet – und ihr Trauma an den Sohn weitergegeben.

Aufarbeitung lange tabuisiert


Schick erklärt in seinem Buch, warum es so lange dauerte, bis das transgenerative Traumata ins öffentliche Bewusstsein: „Angesichts der Mitverantwortlichkeit der Deutschen an der Massenvernichtung der Juden zeigten sich viele Menschen dieser Kriegsgeneration gehemmt, über das eigene – doch vergleichsweise kleinere – Schicksal zu klagen. Infolgedessen wurden die eigenen seelischen Belastungen durch Hunger, Flucht, Vertreibung oder den Verlust von Angehörigen oftmals tabuisiert oder verschwiegen. Erst in den letzten Jahren sind die Kriegstraumatisierungen der Generation des Zweiten Weltkriegs in das Interesse der Öffentlichkeit und Forschung gerückt.“

Mehr lesen auf https://vorunruhestand.de/2018/03/wa...UFSYab3S.99

17 Kommentare

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Ich habe als Kind die Bombennächte von Hamburg erlebt. Am Tage sammelten wir in den Trümmern Granatsplitter. Wir hatten Spaß dabei.

Im Zuge der Kinderland-Verschickung war ich 3 Monate in Berchtesgaden. Wir Kinder begrüßten den Führer mit dem "Deutschen Gruß".

1945 marschierten die Russen in Mecklenburg ein. Einer schenkte mir ein geklautes Fahrrad mit gerissener Kette. Ich tauscht es gegen ein Taschenmesser um.

Das sind meine Kriegserinnerungen.
  • 25.04.2018, 20:29 Uhr
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Obwohl ich einige Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs geboren bin, geht mich die deutsche Geschichte als Deutscher eine ganze Menge an, vor allem die jüngere Geschichte.
Die Eliten, die es zugelassen und befördert haben, aus einem demokratischen Land eine faschistische Mordmaschine zu machen, die über 50 Millionen Tote auf dem Gewissen hat, sind nach dem Krieg fast gar nicht belangt worden und haben weiter die Geschicke dieses Landes gelenkt. Sie tun es bis heute, und ihre Taten prägen das Land und die Menschen bis in die Gegenwart.
Eine Wunde war die Spaltung Deutschlands mit ihren Folgen für die Menschen und Familien, die auseinandergerissen wurden, Folge des faschistischen deutschen Angriffskriegs auf Europa.
Und die Faschisten fielen nicht vom Himmel, sie kamen durch Wahlen an die Macht, und die meisten Deutschen waren im besten Fall Mitläufer, oft aber auch Mittäter.
Mich hat immer interessiert, wie ein Land, das in seiner Geschichte solche zivilisatorischen und kulturellen Leistungen hervorgebracht hat wie Deutschland, zu solch einer brutalen Mordmaschine mutieren konnte.
Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen und mich zum Antifaschisten gemacht. Natürlich habe ich die Verantwortung dafür, dass in meinem Land nie mehr ein solches oder ähnliches Regime an die Macht kommt. Das hat mit Schuldgefühlen nichts zu tun, eher schon mit Schamgefühlen, aber es ist in erster Linie eine humanitäre Verantwortung, mich für den Erhalt und den Ausbau der universellen Grund-und Menschenrechte einzusetzen und die Demokratie zu verteidigen.
  • 14.04.2018, 16:25 Uhr
Sehr schöner Beitrag Herbert.
  • 25.04.2018, 20:21 Uhr
danke, Digger .
  • 25.04.2018, 20:31 Uhr
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Ja,ja immer das alte Süppchen schön aufwärmen und Schuldgefühle verbreiten.
Ich sage dazu nur Pfui.
  • 03.04.2018, 08:51 Uhr
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Wer seine Vergangenheit verleugnet hat keine Zukunft
  • 24.03.2018, 20:35 Uhr
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Eine Kollektivschuld gibt es nicht und ich lasse mir dies nicht eintrichtern. Alle die nach 1935 geboren wurden, haben sich an dem Krieg nicht beteiligt. Alles was man uns einreden will sollte zurück gewiesen werden. Wenn wir uns die Falken im westlichen Bündnislager betrachten, gehören sie bei Ihren Tiraden sofort an die vorderste Frontlinie gestellt, denn Sie haben nichts begriffen, was Leid und Tod für die Menschheit bedeuten. Dummheit kennt keine Schuld und Verantwortung!
  • 23.03.2018, 19:00 Uhr
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Was ist mit den Nachkiegskindern? Ich bin Jahrgang 1948, fühle mich nicht für die Vorkommnisse verantwortlich, aber dafür, dass es nicht vergessen wird. Wenn ich Dokumentationen aus dieser Zeit sehe, erfasst mich immer eine tiefe Scham und ein Unverständnis, dass es so weit kommen konnte. Aus diesem Grund ist es meine Pflicht auf Entwicklungen zu achten die in eine Richtung gehen, in die ich nicht mitgehen will!
  • 15.03.2018, 16:30 Uhr
Hallo Ursula,
schon heute möchte ich Dir zu Deinem 70. Wiegest alles erdenklich Gute, Gesundheit und noch viele glückliche Stunden wünschen - egal wenn Du Geburtstag hast. Behalte Deine Urteilskraft, der man nur zustimmen kann. Da ich einige Jährchen älter bin, wissen wir was es bedeutet zu hungern. Von wegen keine Kinderarbeit, als Kinder mußten wir Tabak brechen, Kartoffel mit der Hacke stecken und wieder aus der Erde holen usw. Vielleicht machen wir es heute den jungen Menschen zu leicht, weil alles in Vergessenheit gerät.
  • 23.03.2018, 19:11 Uhr
Jetzt hast du mich aber sehr überrascht. Nun ich bin schon 70 mein Geburtstag war im Januar (Wassermann) Vielen Dank für die guten Wünsche! Ganz so schlimm war meine Kindheit nicht, vielleicht das Säuglingsalter, da meine Eltern nach dem Krieg aus dem Sudetenland kamen u. das in ein katholisch geprägtes Dorf in Bayern, wo die "Reingschmeckten" nicht sehr beliebt waren. Ich bin also schon in Bayern auf die Welt gekommen. Mein Vater, ein eingefleischter Sozi hat sich aber sehr schnell in dem Dorf durchgesetzt, obwohl die meisten in dem Dorf eigentlich Stammwähler der CSU waren. Ich bin stolz auf meinen Vater, der es dort sogar zum stellvertretenden Bürgermeister gebracht hat und das als evangelischer, roter Flüchtling. Sowas nenne ich gelungene Integration
Jetzt habe ich wieder viel zu viel geschrieben, sorry.
  • 23.03.2018, 19:45 Uhr
Guten Tag Ursula,
das Sudetenland war groß, ich wurde in Reitendorf kreis Mährisch schönberg geboren und bin ein Fischlein, deshalb trinke ich pro Tag über 3 l Wasser mit Saft. Das bekommt mir am Besten. Da sieht man, daß oftmals das Schicksal einem einen Streich spielt. Meine Jugendzeit war trotz der Arbeit sehr schön.
  • 24.03.2018, 12:57 Uhr
Guten Abend Peter, es gibt doch immer wieder solche unerklärlichen Zufälle. Meine Eltern kamen aus Olbersdorf bei Landskron, das liegt eine knappe Autostunde westlich vom Kreis Mährisch Schönberg. 3 Liter Flüssigkeit am Tag, das würde ich niemals schaffen! Wasserfrau hin oder her Frühlingsgrüße aus dem Odenwald von mir.
  • 25.03.2018, 18:33 Uhr
Guten Abend Ursula,
der Odenwald ist ja auch von meinem Wohnort in Deutschlandnicht so weit entfernt. früher bin ich oft nach Beerfelden gekommen, da stand noch ein alter Galgen. Wähend meiner Zeit in Darmstadt bin auch oft in den Odenwald gefahren oder am Neckar entlang. Wenn ich in Deutscland bin wohne ich in Neuthard zwischen Bruchsal - Karlsruhe und Mannheim, ca. 4.500 Einwohner. Das erste Mal in der CSSR war ich nach 1946 im Jahre 1975 mit meiner Frau. Wir wollten meinen Geburtsort besichtigen. In Prag angekommen, wir hatten ein Hotel gebucht, wurde iich gleich von zwei Beamten empfangen die meinen Paß mir banahmen und mir mitteilten, daß ich ein Republikflüchtling wäre, daraufhin habe ich Ihnen meinen Flüchtlingsausweis "A" gezeigt. Am nächsten Tag haben sie sich entschuldigt und mir mitgeteilt, daß ich Prag während meines Aufenthaltes nicht verlassen darf. Das war die erste Begenung mit der CSSR. Selbst bei meiner Reise nach Rußland war es nicht so streng wie in der CSR.
  • 25.03.2018, 19:17 Uhr
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Ich bin Jahrgang 58 und mich nervt das nur noch das immer wieder darauf herumgeritten wird. Demnach müßte z.b. jeder Amerikaner nur gebeugt herumlaufen, weil sie die Ureinwohner (Indianerstämme) massakrierten
  • 15.03.2018, 07:24 Uhr
Renate was die Amerikaner oder andere Nationen mit ihrer Vergangenheit machen kann ich nicht beeinflussen. Aber ich kann in unserem Land wachsam sein u. die politischen Entwicklungen beobachten. Schuldig fühle ich mich auch nicht für unsere Vergangenheit u. ich laufe auch nicht gebeugt herum.
  • 15.03.2018, 16:36 Uhr
die politische Entwicklung zur Zeit ist wohl eher linkslastig und alle die keinen Bock haben auf einen Überhang an Steinzeitkulturen die einen auf der Tasche liegen werden sofort als Rechts verschrieen, da fürchte ich mich nicht vor echten rechten Spinnern
  • 15.03.2018, 19:28 Uhr
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So ein Unsinn.Ich,Jg.62 bin kein " Kriegsenkel" .Was ist das überhaupt für eine Wortschöpfung? Nein ich fühle mich in keinerlei Verantwortung für die weltpolitischen Ereignisse in der Zeit des 2.Weltkrieges.
  • 13.03.2018, 22:08 Uhr
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