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WHO warnt: Vor der Operation sollten sich Patienten nicht rasieren

WHO warnt: Vor der Operation sollten sich Patienten nicht rasieren

News Team
03.11.2016, 18:12 Uhr
Beitrag von News Team

Krankenhauskeime haben in Deutschland zehntausende Menschenleben auf dem Gewissen - pro Jahr. Das Bundesgesundheitsministerium geht von 400.000 bis 600.000 Patienten aus, die jedes Jahr durch medizinische Behandlungen Infektionen bekommen. Bis zu 150.000 sterben daran.

Nun hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Empfehlungen für einen besseren Infektionsschutz erarbeitet. Sollte bei Ihnen, Ihren Verwandten oder Freunden demnächst eine OP anstehen, weisen Sie den Arzt darauf hin.

Patienten sollten vor der OP immer duschen oder ein Bad nehmen, aber nicht mehr kurz vor dem Eingriff rasiert werden. Antibiotika sollten nur verwendet werden, um Infektionen vor und während der Operation zu verhindern, nicht mehr kurz danach. Die neuen Richtlinien der WHO zielen darauf ab, Leben zu retten, Kosten zu senken und die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu stoppen.

Die "Globalen Richtlinien für die Prävention der chirurgischen Infektion" enthält eine Liste von 29 konkreten Empfehlungen, die von 20 der weltweit führenden Experten erarbeitet wurden. Die Empfehlungen wurden heute in "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlicht.

"Niemand sollte krank werden, während er Besserung sucht oder empfängt", sagte Dr. Marie-Paule Kieny, WHO-Assistent Generaldirektor für Gesundheitssysteme und Innovation. "Die Vermeidung von chirurgischen Infektionen war niemals wichtiger, aber es ist komplex und erfordert eine Reihe von vorbeugenden Maßnahmen. Diese Richtlinien sind ein unschätzbares Instrument zum Schutz der Patienten."

Chirurgische Infektionen werden durch Bakterien verursacht. Sie bedrohen das Leben von Millionen von Patienten jedes Jahr und tragen zur Ausbreitung der Antibiotika-Resistenz bei. Chirurgische Infektionen sind nicht nur ein Problem für arme Länder.

Prävention vor, während und nach der Operation


Die Richtlinien enthalten 13 Empfehlungen für den Zeitraum vor der Operation und 16 für die Prävention von Infektionen während und nach der Operation. Sie reichen von einfachen Vorsichtsmaßnahmen wie der Gewährleistung, dass Patienten baden oder duschen, chirurgische Teams ihre Hände reinigen, wann Antibiotika zu verwenden ist, um Infektionen zu verhindern bis hin zu welche Desinfektionsmittel empfohlen werden.

"Früher oder später werden viele von uns Chirurgie benötigen, aber keiner von uns will sich eine Infektion auf dem Operationstisch abholen", sagte Dr. Ed Kelley, Direktor der WHO-Abteilung für Service Delivery and Safety. "Durch die Anwendung dieser neuen Richtlinien können chirurgische Teams Schäden reduzieren, die Lebensqualität verbessern und ihr Bestes tun, um die Ausbreitung der Antibiotikaresistenz zu stoppen. Wir empfehlen auch, dass Patienten, die eine Operation vorbereiten, ihren Chirurgen fragen, ob sie den Rat der WHO befolgen."

Bislang waren keine internationalen evidenzbasierten Leitlinien verfügbar, und es gab Widersprüche in der Interpretation von Evidenz und Empfehlungen in den bestehenden nationalen Leitlinien. Die neuen WHO-Richtlinien sind für jedes Land gültig und für lokale Anpassungen geeignet.

Ausbreitung der Antibiotikaresistenz


Antibiotika sollten nicht nach der Operation verwendet werden, wie es oft getan wird. Antibiotika sind Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung bakterieller Infektionen. Antibiotika-Resistenz tritt auf, wenn sich Bakterien in Reaktion auf die Verwendung dieser Medikamente ändern. Resistenz entwickelt sich natürlich im Laufe der Zeit, aber Missbrauch von Antibiotika bei Mensch und Tier beschleunigt den Prozess.

Antibiotika-Resistenz setzt die Errungenschaften der modernen Medizin aufs Spiel. Ohne wirksame Antibiotika zur Prävention und Behandlung von Infektionen sind Organtransplantationen, Krebs-Chemotherapie und Operationen wie Kaiserschnitte und Hüftprothesen viel gefährlicher. Dies führt zu längeren Krankenhausaufenthalten, höheren medizinischen Kosten und erhöhter Mortalität.

Viele Studien zeigen, dass durch die Implementierung einer Reihe von präventiven Maßnahmen der Schaden durch chirurgische Infektionen deutlich reduziert wird. Eine Pilotstudie in vier afrikanischen Ländern zeigte, dass die Umsetzung einer Auswahl der neuen Empfehlungen zu einer Reduzierung der chirurgischen Infektionen um 39% führen könnte.

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10 Kommentare

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Wenn endlich in den deutschen Krankenhäusern konsequent alle Hygienestandards und Grundsätze Anwendung fänden, hätten wir auch hier holländische Hygieneverhältnisse. Alle diese einfachen Dinge lernt jeder Krankenpflegeschüler bereits am Anfang seiner Ausbildung. Leider wird in vielen Kliniken gröblichst die Hygiene missachtet. Bei verantwortungsvoller und korrekter Prophylaxe wäre es in Bremen sicher nicht zu dem fürchterlichen Sterben der Frühchen gekommen.
  • 04.11.2016, 10:44 Uhr
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Ihr braucht nur zu schauen wie es in den Niederlanden abgeht. Dort gibt es kaum Infektionen. Da braucht man keine Studien durch führen. Ist nur Geld Verschwendung.
  • 03.11.2016, 22:24 Uhr
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Stimmt, die haben so ein hohen Hygienestandard das man als Ausländer erst mal in Quarantäne gesteckt wird falls man dort in's Krankenhaus muß.
  • 03.11.2016, 23:26 Uhr
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Ja 6 Wochen.
  • 03.11.2016, 23:27 Uhr
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Genau, hab ich vor ein paar Wochen in einer Reportage im Deutschlandfunk gehört.
  • 03.11.2016, 23:28 Uhr
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Hab nen Bekannten der ist Holländer.
  • 03.11.2016, 23:30 Uhr
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Na so'n Zufall, ich hab ne gute Freundin seit Jahren in Domburg.
  • 03.11.2016, 23:33 Uhr
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Die Welt ist nur ein Dorf.
  • 03.11.2016, 23:36 Uhr
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Aber ein großes Dorf, schönen Abend noch.
  • 03.11.2016, 23:38 Uhr
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Ja Danke gleich so.
  • 03.11.2016, 23:39 Uhr
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