wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Wenn es Kerosin vom Himmel regnet. Ein modernes Märchen zum "fuel dump"

Wenn es Kerosin vom Himmel regnet. Ein modernes Märchen zum "fuel dump"

15.10.2017, 14:21 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

15. Oktober 2017 vielen Dank an die BRITTA Gesundheitsredaktion Britta Sohlen von Holbach:
Bei einsamen Waldwanderungen unbedingt informieren, ob sie in eine Fuel-Dump-Zone gelangen! Schutzkleidung mitführen! Über Notfallmaßnahmen informieren!


Es war einmal, wohl im Jahre 2004, da kamen Alfred und Elfriede auf die Idee, im schönen Süddeutschland Urlaub zu machen, im Landkreis Villingen-Schwenningen. Sie wollten sich an den Tierlein im Walde erfreuen, frische Luft des Waldes atmen.
Und so wanderte man tief in den Wald, sang fröhlich sein Liedchen:

"Das Wandern ist des Müllers Lust" und "Im Frühtau zu Berge!"

Doch was war das: Ein großer schwarzer Vogel am Himmel, aus dem es eine seltsame Brühe regnete. Unmengen kamen aus dem "Vogel" und regneten zu Boden. Die Tierlein des Waldes waren längst geflüchtet. Die beiden Wandervögel bekamen eine ordentliche Dusche ab. Beide waren leider nicht informiert, dass sie sich in einem bevölkerungsarmen Gebiet befanden, das als Area für "fuel dumping" ausgewiesen war - also zum Kerosinablassen.

Diese fehlende Information war fatal. Ohne Handy in einsamer Gegend vom Kerosin erwischt, das ein hochgiftiges Kontaktgift ist! Das wurde Beiden schnell klar, erst brannten Augen, Atemwege und Haut, dann kamen rote Flecken und Atemnot dazu. Besonders Elfriede hatte es getroffen. Was nun? Musste Elfriede ersticken? Weit ab von jeder Hilfe, ohne Kommunikationsmöglichkeit? Und schon kam die nächste Kerosindusche. Insgesamt 71 Tonnen Kerosin ließ ein Flugzeug der Malaysian Airline über dem Gebiet ab.

Und nun geschah das Wunder: die Tierlein des Waldes kamen herbei, stellten sich schützend über und um die beiden armen Seelen und fingen sogar an, die giftige Brühe abzulecken.

Aber warum verendeten die Tierlein nicht an der Giftbrühe?

Von einer Lichtung kam gleißend heller Schein herüber. Und da standen sie alle, alle die Schutzpatrone: Laurentius von Rom, Adalar, der heilige Georg, Salmanus, Ramwold von Regensburg, Martin von Tours, Lucia von Syrakus, Blasius von Sebaste, Florian von Lorch, Germanus von Auxerre, Aldegundis von Maubeuge, Athanasius von Alexandria, und viele mehr.

Denn Alfred und Elfriede waren zwei gar gottesfürchtige Seelen und hatten oft den Tierlein geholfen, gaben ihnen ihre ganze Liebe, da sie selbst kinderlos waren.

Andere Menschen, die vom breitflächig verblasenen Kerosinstrahl getroffen wurden, hatten nicht die Hilfe der Schutzpatrone - hunderte wurden krank, mussten sich behandeln lassen:
Durch das Einatmen von Kerosin bekamen die armen Seelen Schmerzen im Hals und Atembeschwerden, Schwellung. Es kam zu Schmerzen in den Augen, Hals, Nase und Ohren. Anzeichen von Lungenentzündung oder Bronchopneumonie in Form von Husten, Atemnot und Fieber innerhalb von 15 Minuten kommen hinzu.

Es ist also ratsam, sich heutzutage zu informiern, ob man in eine Fuel-Dump Zone hinein wandert und entsprechende Schutzkleidung, wie Atemschutzmaske und Schutzbrille, sind dringend mitzunehmen. Die Kosten tragen allerdings die Betroffenen selbst, weil die Flugbranche wegen der angespannten Konkurrenzsituation knapp bei Kasse ist.

Beachten Sie deshalb: Wanderungen in Fuel-Dump-Gebieten auf eigene Gefahr, Schäden zählen zum "allgemeinen Lebensrisiko"!

Neben den Atemwegen kann das Nervensystem durch Kerosin - Vergiftung beschädigt werden. Das Opfer kann Benommenheit spüren oder sich wie betrunken fühlen, mit Symptomen wie Schwindel, Taumeln, Schläfrigkeit und Schwäche. Weitere Symptome können Kopfschmerzen, Depressionen, Krämpfe oder Anfälle, und möglicher Verlust des Bewusstseins sein. Psyche kann beeinträchtigt werden und Sehstörungen bis zu einer Woche auftreten. Anwohner von Flughäfen kennen das ja.

Das Opfer kann einen plötzlichen Abfall des Blutdrucks erleiden, was zu Ohnmacht oder Schwindel Zusammenbruch führen kann. Brennen im Brustbereich kann auftreten.
Bauchschmerzen und starkes Brennen in der Speiseröhre, ist im Falle des Verschluckens von Kerosin üblich. Diese Symptome können zu Erbrechen von Blut oder blutigem Stuhl führen. Die Behandlung von Magen-Darm-Symptomen können mit Magenspülung gelindert werden.

Wenn über Deutschland in den letzten Jahren tausende Tonnen abgelassen wurden, dann wundert man sich, dass es nicht mehr "Opfer" gibt. Allerings war es 2004 so, dass weder die Medien, noch die Behörden, einen Grund zur Veranlassung sahen. Bis heute nicht.

Falls sie aber doch einmal betroffen sein sollten: Der Patient ist mit umluftunabhängigen Atemschutz aus der kontaminierten Umgebung zu retten. Es kann notwendig werden den Patienten zu beatmen. Jeder durch Kerosin vergiftete Patient bekommt mindestens vier Liter Sauerstoff pro Minute. Kontaminierte Kleidung ist zu entfernen und die betroffene Haut ist ausgiebig mit Wasser zu spülen. Bei einer Einwirkung auf das Auge ist dieses zu anästhesieren und sorgfältig zu spülen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der Patient nicht erbricht, da eine Aspiration auf jeden Fall verhindert werden muss. Alle weiteren Maßnahmen erfolgen symptomatisch. Eine klinische Überwachung hat auf jeden Fall zu erfolgen.

Die Haut und die Augen der Helfer sind mit geeigneten Schutzmaterialien zu schützen. Beim Personenschutz muss schwerer Atemschutz getragen werden.
Wie gesagt: Betroffene haben nicht nur alles zu erleiden, auch die Kosten gibt es nicht erstattet. Denn: Schadenersatz ist unter allen Umständen zu vermeiden! So werden auch regelerechte "Stories" um solche "Events" herum gesponnen. Wenn Tausende erkranken, es zu Todesfällen kommt, dann wird in manchen Ländern schon mal folgendes Szenario über die Medien verbreitet: Pollen und Sporen haben die Reaktionen ausgelöst. Tja, wenn will man da verklagen? Etwa die Schutzheiligen, weil sie nur untätig zugesehen haben?

Da hatten Alfred und Elfriede wirklich Schwein äh Schutzheilige gehabt!


1 Kommentar

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Aufgrund technischer Störungen versprühte ein Passagierflugzeug 40 Tonnen Kerosin über dem Pfläzerwald in Rheinland-Pfalz.

#Kerosinablass #fueldump: #SPD beklagt Mangel an Informationen http://www.t-online.de/-/id_81950620/ #Kerosinskandal
  • 15.10.2017, 14:40 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.