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Geschichten aus der Praxis: „ Bis Johanni nicht vergessen, sieben Wochen Spargel essen“

24.05.2013, 07:26 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

"Königliches Gemüse”, “Frühlingsluft in Stangen”, "essbares Elfenbein”. Die Spargelzeit gehört für Feinschmecker zu den Höhepunkten des Jahres. Dass der Verzehr mitunter recht übelriechende Nebenwirkungen hat, interessiert da nur am Rande. Also Nase zu und durch? Nicht ganz. Denn Spargel ist zwar sehr gesund - aber leider nicht für jeden.

Um mit etwas positiven anzufangen. Spargel ist nicht nur ausgesprochen köstlich. Er unterscheidet sich - was seine Auswirkungen auf die Figur anbelangt - sehr wohltuend von den meisten anderen Delikatessen. Sofern man ihn nicht in Butter oder Hollandaise ersäuft (mehr dazu später), macht er nämlich richtig schlank. Eine erwachsenentaugliche Portion von 500 Gramm hat grade einmal 100 Kalorien, also weniger als ein Becher Fruchtjoghurt. Und der Spargel kann noch mehr: Er enthält reichlich Vitamin C und E und versorgt uns außerdem mit B- Vitaminen, Vitamin K, Folsäure, Kalzium und Kalium. Besser geht es kaum.

Vom Spargeleffekt nach dem Genuss

Zudem wirkt der Spargel nach. Die meisten von uns haben schon festgestellt, dass nach einer reichlichen Spargelmahlzeit der Toilettengang nicht lange auf sich warten lässt. Und manch einer klagt auch überr die außergewöhnliche Geruchskomponente in diesem Zusammenhang. Beides hängt mit einem wesentlichen Inhaltsstoff des Gemüses zusammen, nämlich der Asparaginsäure.

Diese Substanz spielt im Harmstoffzyklus unseres Stoffwechsels eine wichtige Rolle. Sie wird im Körper zu Ammoniak umgebaut, der eben durch einen recht eindringlichen Geruch besticht. Dieser Effekt ist aber völlig unbedenklich. Außerdem wirkt Asparagin harntreibend, regt die Nierentätigkeit an und hilft auch bei Harnwegsinfektionen oder einer Reizblase. Spargel löst sogar Harnsäurekristalle in den Nieren auf, verdient also die Bezeichnung Heilpflanze.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Wenn der Spargel also als Arznei durchgeht, gibt es doch bestimmt auch Schattenseiten? Leider ja.
Obwohl die Stangen auf dem Wochenmarkt – zum Glück – noch keinen Beipackzettel haben, sollten Menschen mit bestimmten Erkrankungen das Gemüse mit Vorsicht genießen.

Ein Grund dafür sind die Purine, die das Gemüse in großen Mengen enthält. Diese werden im Körper zu Harnsäure umgebaut, die dann ausgeschieden wird. Bei Menschen, die an einem erhöhten Harnsäurespiegel leiden, kann dieses Purinüberangebot einen Gichtanfall auslösen. Auch Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten nur in Maßen Spargel schlemmen. Bei ihnen besteht die Gefahr, dass die stark entwässernde Wirkung des Spargels die Nieren überlastet. All diesen Menschen empfehle ich zu Beginn der Spargelzeit ein klärendes Gespräch mit ihrem betreuenden Arzt, ob und in welchen Mengen sie das Edelgemüse zu sich nehmen dürfen.

Vitamine sind gesund. Oder?

Meistens ja. Aber leider nicht immer. Und so muss ich auch beim Spargel eine kleine Einschränkung machen. Sie betrifft das Vitamin K. Vitamin K ist im Körper für die Regulation der Blutgerinnung mitverantwortlich. Insofern ein guter und wichtiger Stoff. Besteht allerdings bei einem Patienten ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Embolien, wird häufig ein gerinnungshemmendes Medikament wie etwa Marcumar verordnet. Durch größere Mengen an Vitamin K wird die Wirkung von Marcumar allerdings nachhaltig verringert- ja Vitamin K wird sogar in Kliniken hochdosiert verabreicht, um die blutverdünnende Wirkung von Marcumar und Co aufzuheben, etwa wenn Operationen geplant sind. Daher empfehle ich Marcumarpatienten, die gleichzeitig Spargelliebhaber sind, in der Spargelzeit häufigere Kontrollen ihrer Gerinnungswerte vornehmen zu lassen.

„Bis Johanni nicht vergessen, sieben Wochen Spargel essen“

Für die meisten von uns spricht jedoch wenig gegen und viel für den regelmäßigen Genuss der feinen Stangen. Wer allerdings in der Spargelzeit auf Gewichtsabnahme hofft, sollte noch eines berücksichtigen:
Auch wenn der Spargel von Seiten seines Kaloriengehalts wie ein ideales Diätgemüse aussieht, so machen traditionelle Spargelbegleiter die Diät oft wenig erfolgreich. Denn klassische Beigaben wie Sauce Hollandaise oder zerlassene Butter sind der Gewichtsabnahme kaum zuträglich. Allerdings gibt es zahlreiche alternative Möglichkeiten, das Gemüse zuzubereiten: Leichte Dips und Salsas und mageres Fleisch oder Fisch vertragen sich ausgezeichnet mit dem Gemüse. Die Möglichkeiten sind ebenso zahlreich wie schmackhaft und sind unter anderem auch auf Seniorbook zu finden, dank unserer kreativen User.

4 Kommentare

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Ich hab mir meinen Gichtanall schon geholt, aber einmal im Jahr halte ich das aus für den Genuss
  • 02.06.2013, 10:09 Uhr
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Liebe Ina,

auch wir sind Spargelfreunde und warten darauf, dass er endlich angeboten wird.

Liebe Grüße

Ingrid
  • 23.05.2013, 16:18 Uhr
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Spargelzeit

In langen Reihen großer Flächen,
und langen, kühlen Frühlingsnächten,
wächst im Boden etwas ran,
was man später essen kann.

Maienzeit und Marktgetummel;
staunend seh´ ich diesen Rummel.
Liegen in farbenfrohen Reihen,
so zum Aug´ und Herz erfreuen,
zwischen Möhrchen, Paprika und Rettich,
Stängel blank und appetitlich;
edel, schlank und ruhmbedacht -
Spargel, in schneeweißer Pracht.

Voll Hochgenuss denk´ ich daran,
dass grad´ der gut schmecken kann.
Ersteh´ vom edlen Weißgemüse
gar zwei Pfund, bezahle diese.
Knapp ist das Geld in meiner Tasche,
drum freu´ ich mich, ihn zu vernaschen.

Daheim deck´ ich den Tisch mir ein;
vom Rebensaft ein Gläschen Wein,
Hollandaise frisch aufgeschlagen;
hausgemachte, sozusagen.
  • 23.05.2013, 16:13 Uhr
Hier noch der Rest von meinem Gedicht, Spargelzeit.
Leider ging nicht alles in den ersten Kommentar.


Ich schlürf den Spargel voller Lust,
das Herze hüpft mir in der Brust;
am Kinn läuft mir die Sauce runter
und ich bin glücklich, froh und munter!

Im nächsten Jahr, denke ich mir,
mal dazu Gäste einzuladen -
zwei, drei oder auch vier,
das muss mein Ego mal vertragen.

Autorin Ingrid Schinschek

Allen Spargelfreunden liebe Grüße
  • 23.05.2013, 16:16 Uhr
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