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TV-Reportage "Krank aus der Klinik": Wenn Patienten viel zu früh entlassen werden

Bernd Berke
25.05.2013, 16:27 Uhr
Beitrag von Bernd Berke

Über Mängel im Gesundheitswesen könnte man schier endlos Filme zeigen und Beiträge schreiben. Als besonders problematisch erweisen sich die von den Krankenkassen gezahlten, allzu starren "Fallpauschalen". In den Kliniken haben sie die einstigen Tagessätze abgelöst. Das führt nun oft dazu, dass Patienten viel zu früh entlassen werden.

In der NDR-Reportage "Krank aus der Klinik", die jetzt bei 3Sat gezeigt wurde, ging Reporterin Antje Büll dem Thema ausgiebig nach. Sie präsentierte beispielsweise einen Patienten, der mit offener Wunde vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassen wurde und von der Hausärztin ebenso langwierig wie kostspielig nachversorgt werden musste. Die Klinik hatte im Effekt kurzerhand die anfallenden Kosten auf die Arztpraxis abgewälzt. Sonst, so die fatale Denkweise, wäre sie selbst darauf "sitzen geblieben". Ein Fall von vielen. Für die Extreme hat sich der fürchterliche Begriff "Blutige Entlassung" eingebürgert.

Ein Mann, der nach einem Motorradunfall volle 40 Tage stationär in der Medizinischen Hochschule Hannover verbleiben musste, ist heutzutage die absolute Ausnahme. Er beschert der Klinik hohe Verluste, denn seine Behandlung wird pauschal mit 20 000 Euro vergütet - und es gibt keinen Cent mehr, wenn sie länger dauert. Ihn vorher zu entlassen, wäre jedoch unverantwortlich gewesen.

Lästiger Kostenfaktor

Das System der Fallpauschalen sorgt dafür, dass Patienten zunehmend als (lästiger) Kostenfaktor betrachtet werden. So genannte Controller wachen in den Kliniken darüber, dass sich die Zahl der "Verlustbringer" in Grenzen hält. Sie üben hin und wieder Druck auf die Ärzte aus. Ein Finanzwächter rechnete knallhart vor, wie sich ein Defizit auswirken kann: "100 000 Euro Verlust, das bedeutet: eine Assistenzarzt-Stelle weniger!" Manche Häuser, so geht das glaubhafte Gerücht, lehnen unter solchen Umständen komplizierte Fälle lieber von vornherein ab.

Eine Versorgungslücke tut sich speziell zwischen Krankenhaus und anschließender Reha-Klinik auf. Medizinische Kliniken entlassen mittlerweile oft so früh, dass die Patienten zur Reha noch gar nicht fähig sind. Für eine zwischenzeitliche Pflege aber müssten sie in aller Regel selbst aufkommen. Ein Unding. Für Abhilfe könnten womöglich so genannte Patientenhotels sorgen, die vorübergehend "Genesungsgäste" aufnehmen. Doch auch das müsste organisiert und bezahlt werden.

Ein journalistisches Versäumnis

Dass hier gesetzlich und vertraglich dringend nachgebessert werden muss, war spätestens nach einer halben Stunde wohl allen Zuschauern klar. Doch der Beitrag musste ja ins Schema passen. Der Sendeplatz erstreckt sich über 45 Minuten, so dass einem die Beispiele und die zahllosen Behandlungsszenen gegen Schluss doch recht langatmig und wiederholungsträchtig vorkamen.

Umso unverständlicher war, dass nicht ein einziges Mal bei den geschmähten Krankenkassen nachgefragt wurde. Deren Haltung zum Missstand hätte man denn doch gern erfahren. Zeit genug wäre ja gewesen. So aber war es ein journalistisches Versäumnis erster Güte. Denn eine Grundregel des berichtenden Gewerbes lautet ja aus gutem Grund, dass man stets auch die andere Seite hören soll.

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4 Kommentare

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Ich arbeitete lange Jahre als Krankenschwester in einer geriatrischen Reha. Da bekamen wir in den letzten Jahren oft Pat. rein, die zur Reha nicht fähig waren, einmal war sogar ein beatmeter Pat. dabei. Ein Zwischenstation wäre da sicher angebracht. Sag ich seit Jahren. Aber die Versorgung muss trotzdem ALLE Notwendigkeiten enthalten und auf eine Reha muss hingearbeitet werden. D.h., dass eben auch Physio- oder/und Ergotherapien etc. gegeben sein müssen. sonst wird auch wertvolle Zeit in den Wind geschossen.Unser Gesundheitssystem ist krank. Das ist sicher. Ein oft seltsamer Standart wird gezahlt, oft notwendiges abgelehnt. Das muss man nicht verstehen. Und das muss ich auch sagen, es gibt eine Menge Leute, die spielen gerne mal "toter Hund". Ätzend! Das belastet alle im direkten Zusammenhang und im Endeffekt die gesamte soziale Gesellschaft. Wir brauchen neue Wege!
  • 26.05.2013, 14:06 Uhr
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Ist doch klar! Die krankenkassenverwalter müssen ja auch leben. Die müssen ja über 10.000€ mtl haben, alles auf kosten der kranken!
  • 25.05.2013, 14:12 Uhr
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Seit meiner selbst gestalteten gesundheitlichen Wende vor 15 Jahren brauche ich kein Krankenhaus, Arzt, Medikament und Nahrungsergänzung.
Dies erreiche ich nach meiner gelebten Devise : NATÜRLICH leben - ALLES UNNATÜRLICHE meiden ( wenigstens soweit wie es heute noch geht ).
  • 25.05.2013, 11:31 Uhr
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Mein Mann hatte COPD 4.stadium kam mit keim in der Lunge im KH war aus dem Bett(Armbruch) gefallen innerhalb von 3 Wochen 4 mal operiert ist am 06.05.2013 im KH VERSTORBEN
  • 25.05.2013, 00:25 Uhr
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