wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Fassbinders 'Angst essen Seele auf'

Fassbinders 'Angst essen Seele auf'

Society Players e.V.  theater hautnah
21.09.2013, 09:31 Uhr

Kritik

Lang, lang ist's her, als Brigitte Mira die Rolle der Putzfrau Emmi spielte, die sich in einen marokkanischen Gastarbeiter verliebt. 1973 war das, und der Film „Angst essen Seele auf“ verhalf Regisseur Rainer Werner Fassbinder zum Durchbruch. Passend zur derzeitigen Wiederentdeckung hat dessen früherer Weggefährte Hans Hirschmüller für seine Inszenierung im Berliner AckerStadtPalast eine Bühnenfassung nach dem Drehbuch entwickelt, die beweist, daß der Stoff keineswegs überholt ist.

Der doppelte Tabubruch - ältere deutsche Frau mit jungem Ausländer - zielt nicht auf pure Provokation, er ist vor allem ein Mittel, das Zueinanderfinden zweier einsamer Menschen plausibel zu machen. Y Sa Lo und Gianni Meuerer spielen diese Romanze mit scheuen Blicken und verlegenen Umarmungen wunderbar zart heraus. Miteinander und aneinander lernen sie wieder lachen; der Glanz kehrt zurück in Alis unendlich traurige Augen, und Emmi wandelt sich vom verhärmten Mütterlein zu einer selbstbewußten und kämpferischen Frau. Denn Stärke muß sie beweisen, um ihre Liebe gegen die Vorurteile der Umwelt zu behaupten.

Unverständnis, Neid, Feindseligkeit - die Schikanen von Nachbarn und Arbeitskollegen bringen Karin Seven, Leonie Charlotte Adam, Stephanie Charlotte Benner, Thomas Weppel und Erich Hollenstein schön gehässig zum Klingen. In wechselnden Rollen deponieren sie ihre lakonischen Sprachbomben, und in jeder hingeriebenen Gemeinheit schwingt immer auch die eigene Frustration mit.

Regisseur Hans Hirschmüller konzentriert sich ganz auf die präzise Schauspielerführung. Unterstützt werden die wunderbar aufeinander abgestimmten Darsteller durch die Musik von Emrah Akgün, der mit seiner (türkischen) Gitarre nicht nur die einzelnen Szenen verbindet, sondern das Fassbinderstück gleichsam beseelt - mit Klängen aus einer wahrhaftig anderen Welt.

livekritik

Walter Argusauge


https://vimeo.com/thomasweppel/aesa-trailer

Nächste Vorstellungen im November: 07./08./09./10. und 15./16./17. jeweils 20 Uhr

Ackerstraße 169/170, 10115 Berlin auf der Karte anzeigen:
Hier klicken um Karte zu öffnen

6 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich kann mich noch sehr gut an den Film erinnern. Leider komme ich in nächster Zeit nicht nach Berlin.
Gruss
Herbert
  • 11.12.2013, 15:10 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
werde am 8.11 da sein, übrigens jetzt hab ich mal die Gelegenheit!!
Der Händler der vier Jahreszeiten ist ein ganz toller Film!! Danke dafür!!!
  • 01.11.2013, 09:24 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Den Film werde ich nie vergessen, einfach wunderbar !
  • 21.09.2013, 18:12 Uhr
Society Players e.V.  theater hautnah
Das Theaterstück ebenso. Einfach mal anschauen.
  • 21.09.2013, 19:20 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Der Film ist auch heute noch sehenswert.
  • 21.09.2013, 10:43 Uhr
Society Players e.V.  theater hautnah
Andrea, das ist er tatsächlich. Aber auch sehr geeignet, ihn auf die Theaterbühne zu übertragen. Vielleicht können Sie sich einmal selbst davon überzeugen – Berlin ist immer eine Reise wert –
  • 21.09.2013, 12:07 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren