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Buch und billig - Online-Monopole machen uns ärmer!

Buch und billig - Online-Monopole machen uns ärmer!

Christine Kammerer
16.01.2014, 09:28 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Es war einmal. Damals als die Menschen noch selbst einkaufen gingen. Draußen - vor der eigene Haustür. Wir surften durch ganz reale Shops, zum Beispiel um nach Büchern zu stöbern. Einkaufen war ein Erlebnis. Viel mehr als nur ein kurzer Klick.

Man konnte all die schönen Schmöker anfassen, ein wenig darin herum blättern und sich da und dort ein bisschen festlesen. Wir ließen uns gerne von den vielen interessanten Buchtiteln im Regal inspirieren und bekamen obendrein noch kompetente Beratung. Und manchmal kam man sogar mit Menschen aus Fleisch und Blut ins Gespräch. Man plauderte ein wenig über Bücher, Gott und die Welt oder verabredete sich gleich auf einem Kaffee.

Die gute alte Buch-Erlebnis-Welt

Wir gingen so manches Mal mit echten Glücksgefühlen nach Hause, weil wir auf unserer kleinen Entdeckungsreise ein seltenes Fundstück ergattert hatten - einen echten Geheimtipp womöglich. Jedenfalls eines, das garantiert nicht jeder hat und das man dann wieder anderen begeisterten Leseratten weiterempfehlen konnte.

Vom Kick zum Klick

Heute kaufen wir alles im Internet - ob Bücher, Schuhe, Pizza oder Müsli. Wir sind so pragmatisch geworden. Wir sparen ja auch jede Menge Zeit und Geld dabei und müssen uns noch nicht einmal mehr aus dem Haus bewegen. Wir kaufen einfach das, was „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben“, auch kaufen, was „oft zusammen gekauft“ wird oder was Kunden kaufen, „nachdem sie diesen Artikel angesehen haben“. Und was nicht taugt, wird eben retour geschickt. Die kleinen, bunten Autos liefern alles - rund um die Uhr und rund um die Welt.

So geht Globalisierung!

Die Kosten-Nutzen-Rechnung der Internet-Tycoone ist zwar nicht besonders menschlich, aber dafür ökonomisch unschlagbar, weil auf Monopolismus und stetes Wachstum programmiert. Davon würden sich viele andere Konzerne gerne ein Scheibchen abschneiden, zum Beispiel in Sachen Dumping-Löhne. Auch die cleveren Tricksereien bei der Steuerpflicht sind sehr verlockend. Und Big Data oder der gläserne Kunde wäre aus ihrer Sicht ein wirklich erstrebenswertes Ziel.

Eine Milchmädchen-Rechnung?

Ist Online-Konsum also wirklich billiger und bequemer? Oder geht die Milchmädchen-Rechnung am Ende doch nicht so ganz auf? Jedenfalls für uns Kunden, die Arbeitnehmer und die regionale Wirtschaft. Ein Buch kostet im Internet nicht weniger als im Buchladen – wegen der Buchpreisbindung. Die Ökobilanz kann durch die Lieferkette sogar ungünstig ausfallen. Und was wird aus unseren schönen, kleinen Buchhandlungen, wenn die Online-Verkäufe weiter zunehmen? Noch gibt es rund 6.000 Buchgeschäfte in Deutschland. Allein im Jahr 2012 mussten allerdings wieder 50 von ihnen ihre Pforten für immer schließen.

Wir werden immer ärmer …

Aus den Dörfern ist der Einzelhandel schon so gut wie ganz verschwunden. Aber auch die Geschäftsviertel in den Innenstädten sind inzwischen dermaßen austauschbar, dass es im Prinzip vollkommen gleichgültig ist, in welcher Stadt man sich gerade befindet. Unsere Städte und Regionen sind nicht nur ärmer geworden in Bezug auf das bunte Leben und Treiben, sondern ganz schlicht und einfach auch an barem Geld, zum Beispiel durch Steuereinnahmen. Und wir verarmen auch zunehmend – an sozialen Kontakten, an Bewegung, an all den netten, kleinen Erlebnissen im Alltag, die sich allerdings nur dann einstellen, wenn man die eigenen vier Wände auch einmal verlässt. Es wird Zeit, dass wir den neugierigen Entdecker in uns wieder wecken und uns auf kleine Abenteuerreisen in der eigenen Nachbarschaft begeben, stöbern, staunen, anfassen und dann beglückt nach Hause gehen.

Dabei liegt das Gute doch so nah!

Es macht tatsächlich einen Unterschied: Ein regionaler Händler schafft faire Arbeitsplätze und er zahlt Steuern vor Ort. Er macht das Leben in der Region attraktiver, ist vertrauenswürdig und kompetent und kann praktisch jeden Kundenwunsch über Nacht erfüllen. Und er hat auch einen Online-Shop. Ein Widerspruch in sich? Nein, denn das Internet ist nun einmal nicht mehr wegzudenken und für regionale Händler ist das so ziemlich die einzige Chance, sich neben den Großen noch einigermaßen zu behaupten. Auch die unabhängigen Buchhändler haben sich inzwischen zusammen getan und die Initiative „Buy local” ins Leben gerufen, um die Idee des regionales Einkaufens neu zu vermarkten.

4 Kommentare

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ich möchte lieber ver-rückt sein ( aus der mitte verückt) als in der mitte = genormt?
es ist schwerer sein eigenes bedürfnis zu erkennen stat die bedürfnisse der verkäufer?
die frage ist was sind meine wirkliche bedürfnise und wie kann ich sie erreichen?

z.b. möchte ich möglichst nur lebensmittel essen ohne industrie zucker oder zuckerstoffe.
versuche dies mal ist fast nicht mehr möglich?
  • 06.04.2014, 20:44 Uhr
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Regional kaufen und Internet muss kein Widerspruch sein und lässt sich ideal verbinden. Nämlich dann, wenn man eine App dazu verwendet, erstklassige Läden und Geschäfte in seiner Umgebung zu finden. Und wenn es dann obendrein noch einen Rabatt gibt, dann ist das Einkaufsvergnügen perfekt.

Zum Beispiel mit 10prozent.

Webseite: http://www.10prozent.biz/
Kostenlose App: http://tinyurl.com/njk2gu6
  • 16.01.2014, 14:38 Uhr
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Wahrscheinlich bin ich eine sehr seltene Ausnahme. Ich kaufe nicht im Internet sondern gehe in ein Fachgeschäft oder einfach zu meinem Lebensmittelhändler . Bei Bücher allerdings gehe ich nicht in einen Buchladen sondern in die Stadtbücherei. Hier ist die Auswahl riesig und bei Nichtgefallen kann ich das Buch einfach zurückgeben. Bei Gefallen natürlich auch. Damit habe bisher die besten Erfahrungen gemacht und werde dieses Verhalten auch nicht ändern.
  • 16.01.2014, 13:24 Uhr
  • 1
seit es tante ema nicht mehr gibt ( die ließ bei sich jedem anschreiben der am ersten seine schulden bezahlte)?
gibt es in jedem dorf einen sozialarbeiter der auch schulden beratung macht?
die gewinn maximirer jammern dafür das die sozialkosten steigen?
  • 06.04.2014, 20:47 Uhr
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