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Spirallala

Spirallala

18.08.2016, 19:21 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Spirallala Das Fahrrad

Es ist Sommer und Ferienzeit. Lächelnd steht die alte Frau in dem Ostseebad an der Straße, die zum Wasser führt. Eine junge Familie kommt an ihr vorbei. Die Frau schiebt einen Kinderwagen in dem ein Baby liegt. Der junge Mann läuft hinter einem 2 - 3 jährigen Kind her. Der Bub fährt mit einem einfachen kleinen Holzfahrrad. Seine Füße laufen auf der Straße. Manchmal hält er sie hoch und hält dann spielend die Balance. Das Rad hat keine Bremse und der Papa passt auf, dass es nicht zu schnell wird.
Ja, denkt die Zuschauerin, so lernt man heutzutage Fahrrad fahren.
Ihre Gedanken gehen zurück zu dem Sommer 1941. Ein kleines Mädchen von ca. 6 Jahren spielt vor der Haustür mit einem Springseil. Nicht weit entfernt steht ihr grosser Bruder mit seinem Freund. Die 15jährigen Burschen haben Langeweile. Plötzlich haben sie eine Idee. Sie holen aus der Garage ein Damenfahrrad.
Freundlich fragt Heinz seine kleine Schwester: "Marga möchtest du gern Fahrrad fahren lernen?"
Die Kleine ist geschmeichelt, dass die Großen etwas mit ihr unternehmen wollen. Folgsam steigt sie auf`s Rad. Der Sattel ist zu hoch, also sitzen geht nicht. Heinz und Helmut halten das Fahrrad am Gepäckträger fest. Mutig tritt sie die Pedale durch, es wackelt -- und schon liegt sie auf dem, natürlich nicht gepflasterten Hof. Sie will keine Heulsuse sein, aber sie sagt: "Ich kann das nicht"
Die Jungs schauen sich an und einer sagt: "Du musst es ja auch noch lernen. Komm wir gehen zum Marktplatz, hier guckt Mama gleich aus der Tür."
Der Marktplatz ist nur drei Häuser entfernt, aber er ist auch nicht gepflastert und besteht nur aus festgefahrener Erde mit vielen kleinen Steinchen. Heinz fährt eine Vorführrunde. Es ist sehr laut und rattert und rattert. Strahlend steigt er ab: "so macht man das und jetzt kommst du".
Dieses Fahrrad hat einen sehr großen Nachteil, es hat keine Gummibereifung. An den 26" Felgen sind dicht nebeneinander kleine Stahlfedern angebracht. Darum heißt es auch "Spirallala". Fahrradreifen sind nicht zu bekommen. Es ist Krieg.
Jungen können mit so etwas fahren, aber bei der Kleinen rutscht das Vorderrad sofort weg, wenn es auf einen Stein trifft. Immer wieder wird sie aufgefordert: " Komm, noch einmal du lernst das heute und dann zeigen wir es Mama"
Es kommt wie es kommen muss, -- nach einer halben Stunde bluten die Knie, Hände und Unterarme sind aufgeschrammt und die 3 Helden kommen heim. Helmut verschwindet sofort nach Hause. Mama muss ihr weinendes Töchterchen trösten und Pflaster kleben. Anschließend bekommt Heinz seine Standpauke und die hat es in sich. Beim Abendbrottisch ist er sehr kleinlaut. Seine Schwester schaut ihn nicht mehr an und will später auch nicht "Mensch ärgere dich nicht" mit ihm spielen.
Einige Tage später fallen die Roben ab. Sie vergisst den Nachmittag. Sein Image als "Supermann" hat er allerdings verloren. Ach nein -- Supermann gab es ja erst in der nächsten Generation.
Nach 5 Jahren ist sie gewachsen und kann nun auf dem Sattel sitzend die Pedale durchtreten, und Gummireifen kann man auch wieder kaufen.
nächste Generation hatte es viel leichter. Die Räder waren der Größe der des Kindes angepasst und es gab für Anfänger Stützräder.

3 Kommentare

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Liebe Marga,
eine bezaubernde Geschichte, die mich daran erinnert, wie ich auf dem alten, großen, schwarzen Fahrrad meiner Mutter Fahren gelernt habe. Mein Bruder hielt den Gepäckträger und einmal bin ich in einer Ecke mit lauter Brennesseln gelandet...
  • 29.08.2016, 20:49 Uhr
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Danke Inga, Bei dieser Geschichte habe ich nichts erfunden, mich nur erinnert. Liebe Grüße. Wir sind z.Zt. an der Ostsee und unser Laptop gehorcht mir heute.
  • 01.09.2016, 20:40 Uhr
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Diese bösen Buben auber auch. Es ist doch immer wieder dasselbe.
Ja, Marga, es muß eine schlimme Zeit gewesen sein, möchte man heute fst meinen. Doch Langeweile kam bei uns nie auf. Uns ist aber auch immer wieder was Neues eingefallen. Wir waren 3 Mädels, meine größere Schwester und die gleichaltrige Ute von fast nebenan. Ute hatte so ziemlich alles bekommen. Nur wir beide nicht. Aber das hat uns nie abgehalten. (die gute alte Zeit, hm )
  • 20.08.2016, 22:58 Uhr
  • 0
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