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Unterwegs mit dem Wohnmobil

Unterwegs mit dem Wohnmobil

04.10.2016, 10:30 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Unterwegs


Wir sind Camper und seit zig Jahren zuerst mit Wohnwagen und später mit einem Wohnmobil unterwegs. Nun könnte ich aus meinem Reise-Tagebuch eine Tour heraus suchen und die Route mit ihren Sehenswürdigkeiten beschreiben. Besser sind die Leser aber beraten, wenn sie sich einen Guide kaufen und damit eine Fahrt planen. Ich habe mir überlegt, dass ich von verschiedenen Fahrten ungewöhnliche Situationen aufschreibe, die wir unterwegs erlebt haben.

I
Zuerst wäre da ein echt „französischer“ Moment Während unserer Frankreich Reise 1995 fahren wir Richtung Loire - Tal und kommen durch eine Kleinstadt. Plötzlich steht Polizei auf der Straße. Sind wir zu schnell gefahren? Nein, es ist Sonntag und der Gottesdienst ist beendet. Viele Menschen strömen von links über die Hauptstraße. Zwei Polizisten stehen auf der Straße und ersetzen eine Fußgängerampel. Drei Beamte beobachten den Verkehr außerdem von der Seite. Aus den vorbeigehenden Leuten löst sich eine junge Frau und begrüßt den direkt vor uns stehenden älteren Flic herzlich. Er nimmt seine Mütze vom Kopf in die Hand. Sie umarmt ihn und küsst ihn links und recht auf die Wange. Anschließend regelt er weiter den Verkehr. Die junge Frau geht mit ihren Freunden eifrig erzählend weiter. Außer uns fand das niemand komisch. Es war wie eine Szene aus einem Film mit Lois de Funet.

II
Ein Jahr später fahren wir Richtung Polen. Auf der A2 war eine Vollsperrung. In Hannover sind wir normalerweise in 60 Minuten. An diesem Tag brauchten wir 5 Stunden. Die Autotüren öffneten sich, manche Menschen stiegen aus. Ein junger Mann hatte sich Inline-Skater angeschnallt und fuhr an dieser endlosen Blechlawine vorbei.
Einige Tage später hatten wir ein weiteres besonderes Erlebnis. In Allenstein ist neben dem Campingplatz ein kleiner Flugplatz. Wir sehen zwei kleine Flugzeuge und drei junge Männer, die sich dort aufhalten. Keiner kann deutsch, aber sie verstehen doch dass wir uns nach den Preis für einen Rundflug erkundigen. Zeit zum Überlegen haben wir dann gar nicht mehr, so schnell werden wir uns einig. Nach einer aufregenden halben Stunde hat einer aus einem Kanister Benzin in den Tank eines der Flugzeuge geschüttet - und los geht es. Ein unvergessliches Erlebnis folgt. Eine Stunde lang zeigt uns der Pilot die Seen und Wälder in Masuren. Damit wir uns orientieren können, erhalten wir jeder 8 Ansichtskarten mit deutscher Beschriftung und nummeriert von 1 bis 8. Vorne hält der Pilot eine Zahl hoch, wir schauen auf unsere Karten und wissen, ah ja dort unter uns ist der Spirding-See, Nikolaiken, die Wolfsschanze und und und

III
2002 haben wir eine geführte Reise durch das Baltikum gebucht. Vor Riga wird der „Berg der Kreuze“ besichtigt. Ein Zwischenstopp unterwegs, der hier erwähnt werden muss! Unzählige Kreuze, jedes Kreuz ein Name, jedes Kreuz ein Schicksal.

IV
Unvergesslich ist auch ein schöner Abend während unserer Ukraine Reise 2007. Im Konvoi mit 16 Wohnmobilen sind wir über Krakau, Breslau, Kiew, Charkow, Jalta und Odessa gefahren. Haben viele Sehenswürdigkeiten besichtigt und viel erlebt. Abends wurde die Route für den nächsten Tag bekannt gegeben. Ein bisschen erzählt, gemeinsam gesungen, Wodka getrunken, Geburtstage gefeiert. An diesem Abend überraschte uns eine Teilnehmerin indem sie ein bekanntes Lied von Zarah Leander sang. Sie kannte den vollständigen Text und sogar die Stimmlage passte. „Kann denn Liebe Sünde sein?“ unser Beifall war ihr sicher.

Auch die prunkvollen Schlösser, die orthodoxen Klosteranlagen, die Gemälde von bekannten Künstlern bleiben in der Erinnerung haften, aber die kleinen Ereignisse unterwegs sind lebendiger. Wenn ich zu meinem Mann sage: „Weißt du noch wie das belgische Ehepaar (beide ca. 70 Jahre) auf dem Campingplatz an der Trabrennbahn vor Lemberg getanzt hat?“ Dann antwortet er: „Ja sie hatten ihr Kofferradio in die Wohnwagentür gestellt und übten immer wieder die gleichen Figuren. Später in Kiew nach der Folklore Vorstellung konnten sie es (fast) perfekt.“

Wir lachen beide und ich denke an einen Spruch der an einem Wohnmobil geschrieben stand:
„Wohin wir auch reisen, wir suchen wovon wir träumen und finden doch nur uns selbst.“

Ich denke, egal mit welchem Verkehrsmittel man unterwegs ist und wie weit man reist, der Horizont wird erweitert. Wenn später auch vieles vergessen wird, es ist wieder präsent wenn einer fragt: „Weißt du noch?“

Copyright: Marga Koch

2 Kommentare

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Diese Welt ist so schön, das Leben viel zu kurz um alles sehen und erleben zu können. Was braucht man eigentlich mehr als einen Wohnwagen, ein fahrendes Haus und diese schöne Welt
  • 07.10.2016, 15:08 Uhr
  • 1
Hallo Margarethe, nur den Wohnwagen oder das Mobil wäre nichts für mich. Ich brauche das Haus zum Heimkommen. Auch als wir noch jünger waren hätte mir "nur" das Zigeunerleben nicht gefallen. Danke für`s Lesen und ein schönes Wochenende
  • 08.10.2016, 17:15 Uhr
  • 0
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