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Kunst verstehen: „Beten und Malen“ das Fra-Angelico-Motto

Kunst verstehen: „Beten und Malen“ das Fra-Angelico-Motto

Volker Barth
31.10.2016, 20:00 Uhr
Beitrag von Volker Barth

„Allerheiligen“ heißt das große römisch-katholische Fest der Heiligen, Märtyrer und Verstorbenen, das am 1. November gefeiert wird und in katholisch geprägten Bundesländern gesetzlicher Feiertag ist. In der evangelischen und anglikanischen Kirche gelten die Heiligen als Vorbilder im Glauben, wobei ihre besondere Verehrung nicht üblich ist.

An Allerheiligen gedenkt man aller Heiligen – auch solcher, die nicht heiliggesprochen wurden − sowie der vielen Heiligen, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott.

Zu den diesjährigen Allerheiligen-Festlichkeiten stelle ich ein Gemälde des italienischen Frührenaissance-Maler Fra Angelico vor. Es hat den Titel „Die Vorläufer Christi mit Heiligen und Märtyrer“ und entstand 1423/24. Das Bild wurde in Tempera auf Holz gemalt, ist „nur“ 32 mal 64 Zentimeter groß und hängt heute in der National Gallery London.

Maler versuchten oft die Vielzahl der Heiligen darzustellen und Fra Angelico war darin ein Meister. Der polnische Papst Johannes Paul II. sprach ihn am 3. Oktober 1982 selig und damit wurde er „Schutzpatron der christlichen Künstler“. Im Martyrologium Romanum bezeichnete man ihn als „seliger Giovanni von Fiesole, genannt Angelico“.

Giorgio Vasari äußerte sich zu Fra Angelico

Als Giorgio Vasari, Maler und Renaissance-Biograf (1511-1574) in „Leben der Künstler“ (veröffentlicht 1550), über „Fra Giovanni“ schrieb, war dieser schon eine „Legende“. Denn Fra Domenio da Corella lobte ihn zehn Jahre nach dessen Tod als einen „engelsgleichen“ Maler (Angelico). Diese Namensgebung hat alle weiteren Lobhuldigungen verdrängt! - „Fra Angelico“ schuf nur christliche Motive und Giorgio Vasari behauptete: weil er ein demütiger und bescheidener Mönch sei, „könnten seine Heiligen nur das Aussehen von wirklichen Heiligen bekommen“. Vasari machte ihn zum „pictor christianus“ und schwärmte »Bevor er zum Pinsel griff, hat er immer gebetet«, dann habe er Figuren gemalt, die er »vom Paradies geholt« haben müsse, und dies mit Farben, die so leuchteten, als seien sie »von der Hand eines Heiligen oder eines Engels vollführt worden«.

Als „Fra Angelico“ wurde er weltberühmt

Sein eigentlicher Name war Guido di Pietro und er wurde in dem kleinen toskanischen Dorf Vicchio di Mugello um 1387(?) oder 1400 geboren. Er erhielt eine Ausbildung als Buchmaler und wurde durch die gotische Sieneser Schule geprägt. Schon früh wurde er vom religiösen Leben beeinflußt und am 17. Oktober 1417 (frühestes erhaltene Dokument) trat er als "Bruder Giovanni" dem Dominikanerkloster San Domenico in Fiesole bei. Im Jahre 1436 wurde er dann dem Kloster San Marco in Florenz unterstellt. Zehn Jahre später erfolgte eine Einladung nach Rom (Vatikan) durch Papst Eugen IV. und Papst Nikolaus V.. Wenig später gings nach Orvieto, wo er mit seinem Schüler Benozzo Gozzoli in der Domkapelle malte. Und dann gings wieder zurück nach Rom, wo Fra Angelico am 18. Februar 1455 starb und in der Kirche Santa Maria sopra Minerva beigesetzt wurde.

In die Kirchen- und Kunstgeschichte ging Fra Angelico als sehr berühmter Maler der Frührenaissance, der ausschließlich religiöse Motive schuf, ein. Berühmte Malereien sind die über 40 Fresken in San Marco in Florenz und die Ausmalung der Kapelle von Papst Nikolaus V..

Auch Albrecht Dürer

Was Fra Angelico konnte, konnte aber auch Albrecht Dürer. Er bildete gleichfalls eine Menge „Heiliger“ ab und zwar in seinem „Allerheiligenbild“, auch bekannt als „Landauer Altar“ (1511). Zu diesem Gemälde gibt es von mir einen speziellen Beitrag (damals Seniorbook, heute wize.life) aus dem Jahre 2014.

Die vierzehn Nothelfer

Aus der übergroßen Menge der Heiligen und der Seeligen wähle ich nun „Die vierzehn Nothelfer“ aus. (Die zahlenmystische Bedeutung der Vierzehn liegt in der Verdopplung der „magischen“ Sieben).

Die Vierzehn Nothelfer sind Christen aus dem 2. bis 4. Jahrhundert. Diese Gruppe besteht nach der „Regensburger Normalreihe“ aus drei weiblichen und elf männlichen Personen, wobei bis auf eine alle als Märtyrer starben (Es gibt abweichend regionale Varianten). In der katholischen Kirche werden sie als Heilige verehrt und von Notleidenden als Schutzpatrone angerufen. In der Evangelischen Kirche gelten sie allgemein als Vorbilder im Glauben, wobei eine besondere Verehrung nicht üblich ist.

Die Gruppe dieser Vierzehn bildete sich im Spätmittelalter in den Diözesen Regensburg, Bamberg (Lichtenfels/Oberfranken) und Würzburg sowie in Nürnberg. Von dort aus verbreitete sich die Verehrung in ganz Deutschland, und sogar in Schweden, Ungarn und Italien. Rund 800 Kirchen waren im Spätmittelalter den Vierzehn Nothelfern geweiht. Die Zusammenfassung zu einer Reihung erfolgte erst um 1400.

Elf Männer und drei Frauen bilden die Gruppe der vierzehn Nothelfer, die der Tradition entsprechend durch bestimmte einprägsame Attribute gekennzeichnet sind:

Achatius - Römischer Hauptmann, mit Dornenkrone und
Kreuz - angerufen gegen Todesangst und Zweifel

Ägidius - der Einsiedlerabt, mit der Hirschkuh - angerufen zur Ablegung einer guten Beichte

Barbara - die tapfere Jungfrau, mit Turm oder Hostienkelch und Palme - Patronin der Sterbenden

Blasius - der Bischof, mit den beiden gekreuzten Kerzen - angerufen gegen Halsleiden

Christophorus - der Riese, mit dem Jesuskind auf der Schulter - angerufen gegen unvorbereiteten Tod

Cyriacus - der Dikon, mit angekettetem Dämon und Almosenbeutel - angerufen gegen Anfechtung in der Todesstunde

Dionysius - der Bischof, mit seinem abgeschlagenen Kopf in der Hand - angerufen gegen Kopfschmerzen

Erasmus - der Bischof, mit einer Schiffswinde (Gedärmwinde) - angerufen gegen Leibschmerzen

Eustachius - der Jäger und Soldat, mit dem Hirsch, der ein Kreuz im Geweih trägt - angerufen in allen schwierigen Lebenslagen

Georg - der Ritter, mit dem Drachen - angerufen gegen Seuchen der Haustiere

Katharina - die gelehrte Jungfrau, mit dem zerbrochenen Rad oder Schwert - angerufen gegen Leiden der Zunge und schwere Sprache

Margareta - die bildhübsche Jungfrau, mit einem Drachen (Teufel) und Kreuzstab - Patronin der Gebärenden

Pantaleon - der Arzt, mit auf den Kopf genagelten Händen - Patron der Ärzte

Vitus - der jugendliche Held, mit Ölkessel - angerufen gegen Epilepsie

Zu den drei Nothelferinnen gibt es den Merkvers: Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl – das sind die drei heiligen Madl.

Links:

(Seligsprechung)
https://de.wikipedia.org/wiki/Seligsprechung

(Heiligsprechung)
https://de.wikipedia.org/wiki/Heiligsprechung

(Fra Angelico)
https://www.heiligenlexikon.de/Biogr...iesole.html

(14 Nothelfer)
http://kath-zdw.ch/maria/14nothelfer.html

(Basilika Vierzehnheiligen)
http://www.vierzehnheiligen.de/de/gnadenaltar

Map-Data:
Basilika Vierzehnheiligen, Vierzehnheiligen 2, 96231 Bad Staffelstein

2 Kommentare

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Ein sehr interessanter Artikel, obwohl ich dieser Gewichtung des Wortes "heilig" nicht zustimmen kann.
[k]Im Neuen Testament ist das Wort heilig weniger im Zusammenhang mit Kultus wichtig, sondern in den von Gott gewirkten Lebensäußerungen. Die Grenze zwischen heilig und profan wird relativiert, im Gegensatz zur strengen Trennung der beiden im Judentum: Gott ist Geist, damit erübrigt sich die Frage nach dem rechten Ort für die Anbetung, rein und unrein ist weniger wichtig als die Liebe zum Nächsten (Gleichnis vom Samariter), das Prädikat heilig gilt nicht nur den Priestern, sondern allen Christen.[/k]
Das entspricht meiner Einstellung als Christ. Diese Bedeutung des Wortes "heilig" findet sich schon in einigen Paulus Briefen, in den Paulus "an alle Heiligen der Gemeinde" schreibt.
  • 01.11.2016, 07:19 Uhr
  • 1
Volker Barth
Danke für Deinen ausführlichen Kommentar, den sicherlich noch mehrere lesen werden ...
  • 01.11.2016, 13:35 Uhr
  • 1
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