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Pèlerinage Weimar 2012: eine Pilgerreise zur Kultur

Pèlerinage Weimar 2012: eine Pilgerreise zur Kultur

Hans-Herbert Holzamer
15.03.2012, 10:55 Uhr
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Eine Pilgerreise zur und für die Kultur? Gibt es, probieren Sie es aus. Die Pèlerinage in Weimar. Das Kunstfest findet vom 24. August bis 9. September 2012 statt und steht erneut im Zeichen von Franz Liszt. „Anrufung“ („Invocation“) lautet das Motto 2012 nach einem Klavierstück des tief religiösen Musikers. Wieder kommen internationale Künstler nach Weimar.

Quatuor Diotima, Igor Levit, Herbert Schuch

Den Platz des artist in residence wird diesmal ein Streichquartett einnehmen: das Quatuor Diotima. Mit allen komplizierten Spieltechniken der Avantgarde vertraut hat sich dieses französische Quartett mittlerweile eine internationale Spitzenposition erobert. Werke von Franz Liszt werden von den anerkannten jungen Pianisten Igor Levit und Herbert Schuch zu hören sein. Igor Levit wird bereits als „einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts“ gefeiert.

Zur Eröffnungsmatinee am 25. August spielt er Werke von Franz Liszt und Ludwig van Beethoven. Der Abend des 25. August bringt spirituellen Tanz in die Weimarhalle. Der Choreograph Akram Khan erkundet in „Gnosis“ („Erkenntnis“) gegensätzliche Bewusstseinswelten – das „Im-Dunkeln-Sehen“ und das „Im-Licht-blind-Sein“. Er hat sich dabei von der Gestalt einer Königin aus dem indischen Epos „Mahabharata“ inspirieren lassen, die ihrem blinden Ehemann in das Schattenreich folgt.

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel

Einen zweiten Star der Tanzszene konnte das Kunstfest mit Sidi Larbi Cherkaoui gewinnen. Sein Stück „Babel“ ist philosophisch-religiöses Tanztheater. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel bildet den Ausgangspunkt des Stückes. 13 Performer und fünf Musiker aus verschiedenen Ländern erkunden die Idee von Sprache und ihre Beziehung zu nationaler Identität und Religion. Ein Abend der Gegensätze zwischen Chaos, Konfusion, Konflikt und der Utopie einer polyglotten Identität. Zu sehen am 8. September im Deutschen Nationaltheater.

Franz Liszts „Via Crucis"

Höhepunkt des Jahres 2012 wird Franz Liszts „Via Crucis“ sein. Der Regisseur und Bühnenmagier Robert Wilson verwandelt Liszts Musik zu den 14 Kreuzwegstationen Christi in eine Klang- und Lichtinstallation. Am 1. September 2012 ist Premiere dieser Performance in ehemaligen „Viehauktionshalle“. Steffen Schleiermacher gratuliert John Cage zu seinem 100. Geburtstag. Jeder Konzertbesucher erhält ein Kärtchen, auf dem der Titel einer Klavier-Komposition von John Cage steht. Der Pianist spielt dann das Stück, das ihm aus dem Publikum zugewiesen wird. Zu erleben am 5. September im mon ami. Mit einem großen Abschlußkonzert endet das Kunstfest am 9. September. Die Staatskapelle Weimar spielt unter dem Dirigenten Michael Boder ein „Anrufungs“-Programm: „Photoptosis“ („Lichteinfall“) von Bernd Alois Zimmermann, den „Bolero“ von Maurice Ravel und Gustav Mahlers populärste Sinfonie Nr. 1.

Nike Wagner und Weimar

Nike Wagner, promovierte Literaturwissenschaftlerin, ist seit 2004 künstlerische Leiterin von „pèlerinages“ Kunstfest Weimar. Heute sagt sie zu Weimars Entwicklung: „Weimar ist für Kenner und Liebhaber, nie für die Masse. Weimars Ruhm ist aus der frühbürgerlichen Geistigkeit entstanden, aus der höfischen Intimitätskultur, ist auch später immer differenziert geblieben, vielgestaltig, vielseitig. Marketingtechnisch ist das ungünstig, geistig aber unverzichtbar. An die lokale Kulturgeschichte anzuknüpfen und sie in unsere Gegenwart fortzuschreiben, war von Anfang an unser Programm. Wir versuchen, die Stadt dazu zu bringen, sich ihrem kulturellen Über-Ich zu stellen und stolz auf ihren `Elitestatus` in Deutschland zu sein.“

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