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LIEBSCHAFTEN:   Der Maler, das Model und 158 Millionen €

LIEBSCHAFTEN: Der Maler, das Model und 158 Millionen €

22.08.2017, 21:20 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ein italienischer Maler, Modelle, Sucht und Armut, Modiglianis letzte treue
Geliebte Jeanne Hebuterne und eine Kunst-Auktion des "Skandal-Bildes" zum 2.teuersten Bild der Welt bei CHRISTI'S in New York.

"Wenn ich deine Seele kenne,
male ich deine Augen".

(Amadeo Modigliani)

AMADEO MODIGLIANI, ein schöner begabter junger Mann geb. 1884 in Livorno stammte aus einer soliden bürgerlichen Familie. Seine Mutter kam aus Marseilles, war Übersetzerin liebte ihren Sohn abgöttisch, erkannte frühzeitig die Begabung ihres Sohnes und förderte ihn auch. Nach einer Typhus Erkrankung konnte er von der Schule abgehen und besuchte bereits mit 14 Jahren die Kunstschule in Livorno. Um sich von der Krankheit zu erholen und um die "große Kunst" kennenzulernen bereiste seine Mutter mit ihm Capri, Rom, Venedig, Florenz und Neapel. Besuche weiterer Kunstschulen in Florenz und Venedig folgten.
1906 zog es ihn jedoch nach Paris - französisch sprach er ja durch seine Mutter. In Paris herrschte die fortschrittliche Kunstszene mit Kunsthändlern die junge innovative Künstler wie P. Picasso förderten. Es war das Zentrum der avantgardistischen Malerei.
In persönlicher Hinsicht lief es für den 23jährigen hervorragend. Er war ein überaus charmanter, gutaussehender Mann, stets elegant und extravagant gekleidet wie ein Bohemien, lustig und trinkfreudig. Die Frauen himmelten ihn an und viele Modelle waren einer Liebschaft nicht abgeneigt.
Doch bei der Malerei und Männerfreunschaften war er glücklos. Picasso und seine Clique nahmen ihn nicht besonders freundlich auf. Picasso neidete ihm wohl sein Charisma und seinen enormen Erfolg bei Frauen. Da gab es nur Utrillo und Max Jacob. Seine Kunst wurde kaum beachtet und verkauft. Einziger Gönner war Dr. Alexander Jacob, der einige Bilder erwarb. Vielleicht war es die Armut und die Ablehnung die ihn zum Drogensüchtigen und Trinker machten und zu zweitweise aggressiven Wutanfällen und hässlichen Auftritten führten. Er verlor dadurch viele Freunde.
Der neue Kunsthändler Zborowski bemühte sich um ihn und machte ihm neue Hoffnung auf Anerkennung durch eine Einzelausstellung in der Galerie Berthe Weill.
Eines seiner Aktbilder wurden im Schaufenster präsentiert - alles war bereit für die Eröffnung - doch die Polizei schloß diese wegen Anstössigkeit vorzeitig.

JEANNE HEBUTERNE geb. 1898, das wunderschöne Mädchen mit dem Madonnengesicht und den sanften Augen, Model und Künstlerin, war die letzte Geliebte Modigliani.
Begeistert für Kunst besuchte sie die Akademie Colarossi, was von der bürgerlichen katholischen Eltern wohlwollend erlaubt wurde. Dort begegnete sie auch ab und zu dem temperamentvollen verrückten Maler mit den wilden dunklen Locken, dem sie aber nur schüchterne Blicke zuwarf.
Und siehe da - er bemerkte sie, er sah wohl auch, dass sie sich von all den flatterhaften Modellen, die in den Cafés herum schwirrten, unterschied. Erste Porträts entstanden, sie wurden ein Paar gegen all den Widerstand der Eltern. Er malte sie oft - aber niemals nackt. Jeanne besaß die Sanftheit, die Geduld, die Bewunderung einer großen Liebenden, tat alles, um ihn nicht bei der Malerei zu stören, verzieh ihm mit Sanftheit seine schlimmen Alkohol- und Drogenexzesse. Wollte ihn trotz der Geburt ihrer Tochter nicht zu einer Heirat zwingen.

Ab 1919 folgten einige Verkäufe, Ausstellungen und alles steuerte auf Erfolg hin. Doch eine Typhus-Erkrankung Modigliani's konnte sein geschädigter Körper nicht mehr bewältigen. Am 14. Jan. 1920 stirbt er mit 36 Jahren.
Die kleine zarte Jeanne mit dem 2. Kind schwanger, von ihrer großen Liebe alleingelassen trauernd, sah nun auch für sich keinen Sinn mehr im Leben und sprang aus dem 5. Stock in den Tod.

2 Kommentare

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Es freut mich. Seine Elegante Körpersprache angenehme Farben und melancholische Frauen ohne Augen haben mich immer angezogen, wo mir seine Bilder begegnet sind. Über seine Biografie wusste ich wenig.
  • 23.08.2017, 12:39 Uhr
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Volker Barth
Liebe Heidrun, eine lesenswerte, typische, faszinierende aber traurige Geschichte aus den "Sternstunden" des damaligen Montmartre und ein toller Hinweis für weiterführende Recherche. Danke Volker
  • 23.08.2017, 12:02 Uhr
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