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Abenteuer Deutschland

28.08.2017, 18:06 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Abenteuer Deutschland

Im Bistro am Bahnhof gehe ich mit meinem Latte machiatto auf die Terrasse. Alle Plätze sind belegt, nur an einem Tisch sind noch Stühle frei, da sitzen zwei Farbige (sagt man nun Farbige oder Dunkelhäutige oder Schwarze? Neger ist auf jeden Fall verboten). Ich frage, ob noch ein Platz frei sei. Sie schauen mich mit großen schwarzen Augen an. Da erinnere ich mich, dass in vielen Ländern Afrikas Französisch gesprochen wird und sie nicken auf mein Libre? hin. Ein dritter Farbiger kommt hinzu und sie unterhalten sich in einer mir unbekannten Sprache. Neugierig erkundige ich mich in welcher Sprache sie sprechen. Das sei Somali, erklärt mir Moussa, der Neuhinzugekommene, und er spricht sogar Pfälzisch. Er ist schon drei Jahre in Deutschland. Er habe einen Integrationskurs bestanden, erklärt er stolz. Da hat er nicht nur Deutsch gelernt, er ist auch mit deutschen Bräuchen und Gewohnheiten vertraut gemacht worden. Es gab einen speziellen Kurs zur Mülltrennung. Verschiedenfarbige Eimer wurden beschriftet mit Glas, Plastik, Papier, Verpackung und Restmüll. Moussa bekam eine Glasdose mit Metalldeckel und er trennt richtig: die Dose in den Glaseimer und den Deckel zu Metall. Doch man dürfe die Dose auch mit dem Deckel in den Glaseimer werfen, denn beim Recycling filtert ein Magnet die Metallstücke heraus. So lerne ich von einem Somali die deutsche Mülltrennung kennen.

Was war für dich das Erstaunlichste, das du in Deutschland erlebt hast?, frage ich ihn. Das war in einem Bierzelt, meint er. Es gab Musik von einer Trachtenkapelle und plötzlich haben sich die Leute untergehakt und geschunkelt. So etwas, habe er vorher noch nie erlebt. Ich rufe Michael an, den Wirt im Paulaner, ob ich meine drei schwarzen Freunde mitbringen kann. Dort unter dem großen Sonnenschirm frage ich sie, ob sie als Muslime Bier trinken. Moussa zeigt nach oben auf den Schirm und meint Allah sieht uns nicht. So stoßen wir mit Paulaner Pils an.

Moussa macht Gelegenheitsarbeiten. Er kratzt das Unkraut zwischen den Wegen und Parkplätzen heraus und er reinigt die Mülleimer nicht nur von außen, sie müssen auch innen sauber sein. Mir fällt auf, dass ich weder bei der Mülltrennung noch bei der makellosen Schönheit meines Parkplatzes noch bei der Mülleimerhygiene auf dem Stand der Dinge bin. Vielleicht sollte ich Moussa engagieren, um mir das richtige Deutschsein zu zeigen.

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3 Kommentare

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Ein schönes Beispiel dafür, wie wenig "Biodeutsche" über die deutsche Leit(d)kultur wissen, jedenfalls weniger als viele Einwanderer. Lernen wir also von den Einwanderern unsere eigene Kultur neu kennen!
  • 31.08.2017, 16:45 Uhr
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Na klar, und wenn jemand Müll trennen kann, ist er ein Superdeutscher. Wie naiv kann man sein!?
  • 30.08.2017, 16:57 Uhr
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Uns Menschen verbindet mehr als uns trennt
  • 29.08.2017, 10:07 Uhr
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