wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
LIEBSCHAFTEN: Oskar Kokoschka und sein obskures Objekt der Begierde

LIEBSCHAFTEN: Oskar Kokoschka und sein obskures Objekt der Begierde

25.10.2017, 10:03 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

"Heut ist mir herrlich,
wenn's nur bliebe!
Ich sehe heut
durchs Augenglas der Liebe.
(J.W. von Goethe)

Wie wunderbar kann sie sein, die glückliche erfüllte Liebe. Doch wird man von der Geliebten verschmäht oder gar verlassen, bleibt nichts als Einsamkeit und manchmal eine kranke Seele.
Auch bei dem Paar OSKAR KOKOSCHKA und ALMA MAHLER im Jahre 1912 war es Liebe auf den ersten Blick als der junge Maler OSKAR KOKOSCHKA die 33jährige Witwe ALMA, deren Mann und Komponist GUSTAV MAHLER ein Jahr vorher gestorben war, kennenlernte. Er war hingerissen von der lebenslustigen, hübschen Frau aus einer künstlerischen Familie mit musikalischer und gesellschaftlicher Begabung. Er schrieb ihr glühende Liebesbriefe, die bald mit einem Heiratsantrag endeten.
Ein turbulentes, leidenschaftliches gemeinsames Leben begann. Doch mehr und mehr wurde es für ALMA, die ein Leben ohne Zwänge und Bevormundungen liebte durch OSKAR'S extremer, zermürbender Eifersucht zur Tortour. OSKAR war besitzergreifend, bestimmend, er wollte ALMA nur für sich allein und belauerte sie ständig. Innerlich zermürbt von 'dieser Liebe' zweifelte sie an einer gemeinsamen Zukunft und liess heimlich ohne sein Wissen das gemeinsame Kind abtreiben.
Zutiefst verletzt und erzürnt kaufte sich OSKAR KOKOSCHKA ein Pferd vom Erlös seines Liebes-Bildes "die Windsbraut" und meldete sich freiwillig 1915 in ein Dragonerregiment aus dem er schwer verletzt zurückkehrte. Doch den Verlust von ALMA konnte er nicht verwinden.

ALMA hatte sich bereits mit dem Architekten WALTER GROPIUS verheiratet und war 1917 im neuen Liebestaumel zu dem Dichter FRANZ WERFEL.
OSKAR blieb in seiner Verzweiflung nur die Malerei und viele neue Werke
'Der brennende Dornbusch', 'Orpheus und Eurydike' und 'Hiob' entstanden.

Da lernte er bei Freunden die Münchner Puppenmacherin HERMINE MOOS kennen. Sie sollte ihm eine lebensgroße Puppe von ALMA anfertigen, die ihm seine verlorene große Liebe ersetzen sollte. Wortreich und mit vielen Zeichnungen gab er der Puppenmacherin Anweisungen wie seine "Ersatz-Alma" bis ins kleinste Detail und bis zu den einzelnen Körperteilen aussehen und sich anfühlen sollten....'bitte machen Sie es dem Tastgefühl möglich, sich an den Stellen zu erfreuen, wo die Fett- und Muskelschichten plötzlich einer sehnigen Hautdecke weichen...'. Auch der Wunsch nach Zähnen und Zunge, Augen die man schließen kann und nach pfirsichähnlicher Haut an bestimmten Stellen.
Eine richtige Frau, eine Göttin sollte seine geliebte ALMA werden und kein Monstrum. Doch das Ergebnis war eine große Enttäuschung, es war ein Monstrum, ein Fetzenbalg statt einer identischen Geliebten.

Nichts desto Trotz und auch gegen den Spott der Freunde, "ALMA" die Monsterpuppe wurde angekleidet, besuchte mit ihm das Theater, saß auf dem Sofa, machte mit ihm Ausflüge im Auto, wurde sein Modell. Drei Jahre wohnte die Ersatzgeliebte bei dem mittlerweile ernannten Professor an der Akademie Dresden (1919).
Ein sehr alkoholreiches Atelierfest beendete diese ungewöhnliche, seltsame Liaison mit einem Fetisch. Im wilden Rausch übergoß OSKAR KOKOSCHKA die Puppe unter lautem Jubel mit Rotwein und riß ihr den Kopf ab, bevor sie auf dem Müll landete.
Es war vorbei und OSKAR KOKOSCHKA "befreit" von dieser unglücklichen Liebe.

OSKAR KOKOSCHKA und ALMA MAHLER-WERFEL konnten sich erst im hohen Alter wieder in Freundschaft begegnen.

3 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Die Liebe ist oft ein seltsames Spiel mit den verschiedensten Spielarten - ich denke Tiere haben es da leichter ...
  • 03.11.2017, 15:30 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Volker Barth
Was für eine Frau? Was konnte oder hatte sie, was andere nicht bieten konnten? fragen über Fragen, aber wer weiß die richtigen Antworten? - Oskar Kokoschka nicht! Meinen Dank für diese verwegene Geschichte Volker
  • 26.10.2017, 12:21 Uhr
  • 0
Danke Volker, ja sie muss schon ungewoehnlich gewesen sein. Aber gibt es nicht auch Maenner, wo Liebe in eine Art Besessenheit ausartet ....?
  • 26.10.2017, 13:47 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.