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Selbstrevolution – Mensch und Natur

Selbstrevolution – Mensch und Natur

26.11.2017, 07:15 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Gedanken von Oliver Tanzer, stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Furche".

Der Fantasie des Menschen sind viele Geschichten entsprungen, die versuchen, sein eigenes Werden zu begreifen. Dies ist eine Legende, die sich die Menschen in Mesopotamien erzählten.

Einst, so hieß es, herrschte die Göttin Tiamat im Universum. Sie war die Mutter aller Götter, sie schenkte ihnen Leben und Tod. Ihre Herrschaft war unangefochten, denn sie allein vermochte das Wunder der Geburt. Tiamat hatte einen Sohn, Marduk. Marduk war laut, er wollte feiern, angeben, herrschen. Er wollte mehr und begann die erste Revolution – gegen seine eigene Mutter. Das Leben im ewigen Kreislauf war nichts für ihn. Er war dazu, wie soll man sagen, zu menschlich. Er rief also die anderen Götter zusammen und sagte: „Ich bin größer als Tiamat.“ Und er beeindruckte sie mit Tricks und Zauberkunst. Gemeinsam töteten sie Tiamat und aus ihrem Körper formten sie die Welt.

Tiamat, das Sinnbild für die Natur und das natürliche Prinzip, wurde zur willenlosen Ressource, die ausgebeutet werden kann.

Marduk, der den Menschen symbolisiert, herrscht noch heute mit seinen Worten und seinen Kopfgeburten, seinem Ehrgeiz und Fleiß. Noch immer besiegt er die Natur.

Alle Revolutionen danach standen in den Fußstapfen dieser ersten: Tue das Unerhörte, stell alles in Frage, herrsche.

Aber die Sache hat einen Haken. Denn nachdem er sich die Welt untertan gemacht hatte, hat sich der Mensch selbst zur Ressource seines eigenen Systems von Arbeit und Wachstum gemacht. Dieses System will und schafft und belohnt immer nur dieses eine Wachstum, das je mehr es schafft, ihn nur umso mehr knechtet und zu noch mehr Wachstum zwingt.

Dann machen wir es halt anders herum, rufen die Reformer. Aber so einfach ist das nicht. Denn diese Systeme sitzen tief in uns, weil sie Tausende Jahre gut und fruchtbringend waren. Deshalb laufen alle unsere Instinkte jeder Änderung zuwider.

Und deshalb bräuchte es nicht weniger als eine neue Revolution, die schwierigste von allen vielleicht. Sie richtet sich nicht gegen etwas Äußeres, sondern gegen die eigenen Instinkte. Man müsste es Selbstrevolution nennen oder Zivilisation. Aber wer wäre dazu bereit in Zeiten der Hochkonjunktur, die nicht erkennt, dass sie selbst ein Teil der Krise ist?

2 Kommentare

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War ihr Name nicht Diamat?
  • 26.11.2017, 10:35 Uhr
  • 0
Bei Transkriptionen gibt es oft unterschiedliche Schreibweisen.
  • 26.11.2017, 13:15 Uhr
  • 1
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