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Liebschaften: Meret Oppenheim kommt zum "Frühstück im Pelz"

Liebschaften: Meret Oppenheim kommt zum "Frühstück im Pelz"

06.01.2018, 00:32 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ist künstlerisches Schaffen männlich oder weiblich ?

"Woher kommt es, dass es immer noch Männer gibt, auch junge Männer, die den ,Frauen den schöpferischen Geist rundweg absprechen ?".....

...... sagte Meret Oppenheim, geb. 1913 in Berlin, heute weltweit berühmte Objekt-Künstlerin, im Jahre 1975 anlässlich der Verleihung des Kunstpreises der Stadt Basel. Sie war eine Künstlerin mit viel schöpferischem Geist und unglaublicher Phantasie, fähig die Wirklichkeit der Dinge in eine andere Dimension zu versetzen.

Wer sagt uns, daß eine Kaffee-Tasse nicht friert? Meret konnte es sich vorstellen und hüllte das Kaffee-Gedeck in einen wärmenden Pelz.

Ihre Eltern, der deutsch-jüdische Arzt Alfons Oppenheim und seine Schweizer Ehefrau Eva Wenger waren ihr eine tolerante, kunstliebende Familie mit weiteren Geschwistern. Durch ihre Großmutter Ruth Wenger, eine Malerin und zeitweise mit Herman Hesse verheiratet, wurde Merets Interesse für Malerei und Dichtung geweckt.
Mit 19 Jahren (1932) ließen ihre Eltern sie vertrauensvoll nach Paris reisen. Dort traf sie Giacometti und Hans Arp und die Surrealisten-Gruppe Breton, Eluard, Man Ray und Max Ernst, die das hübsche Mädchen in ihren Kreis aufnahmen, lobten ihre Objekte, waren aber vor allem an ihrer Jugend und Schönheit interessiert. (Max Ernst und Meret begannen eine fast einjährige Liebschaft) und Man Ray sah sie sofort als ideales Fotoobjekt und holte sie für sensationelle Fotos vor die Camera. Doch sie wollte selbst Künstlerin werden und ihr Interesse galt der Verwandlung von Alltagsgegenständen in poetische absurde Kunstobjekte.
Der Paukenschlag ihres Künstlerdaseins war die “Pelztasse" die sie im "Salon des Surindependants" ausstellte und vom Direktor des MOMA sofort gekauft wurde für das berühmte New Yorker Museum.

Doch schon 1937 reichte ihr die inspirierende Zeit mit den Surrealisten und sie ging in die Schweiz zurück. Doch Basel war konservativ und nicht an "verrückter Kunst" interessiert und Meret erlitt eine Schaffenskrise mit Depressionen und Selbstzweifel. Sie beteiligte sich zwar an einer Ausstellung für "fantastische Möbel" und erschuf den berühmten goldenen Tisch mit den Vogelfüßen, malte und dichtete. 1949 heiratete sie Wolfgang La Roche, einen Kaufmann aus einer alten Basler Familie, ein sensibler, humorvoller Mensch, zog mit ihm nach Bern und richtete sich wieder ein Atelier ein (die Ehe war harmonisch bis zu seinem Tod 1967). Langsam fand sie Zugang zum Berner Künstlerkreis, entwarf Skulpturen, Kostüme und Masken, arbeitete auch mit Spoerri an verschiedenen Kunst- und Theaterprojekten zusammen.
Viele Ausstellungen in Stockholm, Winterthur, Duisburg u. a. folgten, sowie einige Publikationen ihrer vielen Gedichte.
Fazit: Meret Oppenheim wollte eine selbständige, anerkannte weibliche Künstlerin sein und nicht mehr die "verführerische" Fee und Muse der Surrealisten, nicht die Quelle männlicher Inspiration und erotischer Anziehungskraft.
Leicht war es nicht - doch letztendlich ist es ihr gelungen.
Meret Oppenheim starb 1985 in Basel.

2 Kommentare

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Volker Barth
Mir statt feiertagsgerecht drei stramme männliche Könige zu präsentieren, schenkst Du mir eine "Königin der Eleganz und der Ideen" und lässt mich dies auch noch genießen & das mit einem feiertäglichen Dank - Volker
  • 06.01.2018, 01:33 Uhr
  • 2
Volker, die 3 Könige gehören für mich mehr in eine christliche Phantasiewelt - dagegen der Lebensweg und Kampf einer Künstlerin ist für mich in der heutigen Welt bedeutsamer und bewundernswerter....
  • 06.01.2018, 20:36 Uhr
  • 0
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