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Achtsam  in einem Gotteshaus

Achtsam in einem Gotteshaus

23.12.2017, 15:14 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Dem Weihnachtstrubel kann sich kaum jemand entziehen. Wie feiern eigentlich Atheisten Weihnachten? Ich spreche jetzt nicht von mir, sondern frage allgemein. Mit dem Christentum kann man sich auch beschäftigen, wenn man Atheist oder Agnostiker ist. Christliche Ikonograpie ist eine Wissenschaft für sich. Die Kunstgeschichte kommt da nicht drumherum.

Menschen haben viel Energie darauf verwendet, ihren Glauben in Stein festzuhalten, sei es die Kathedrale von Chartres oder die Pyramiden von Gizeh. Es ist doch sehr angenehm vom nervösen Straßentrubel in eine Stille Kirche einkehren zu können, um sie einfach mal hinzusetzen und zu schweigen. Ähnlich ging es mir in nach dem Besuch des Großen Basars in Istanbul. Ich kam aus dem Gewirr der Gänge hinaus ins Freie und fand Ruhe und Stille in der Nûruosmâniye Camii. Von dem geheimnisvollen Licht in der Moschee war ich beeindruckt und genoss die Augenblicke in diesem Gotteshaus. Ich denke gerne an diese kurze Zeit zurück.

Ich kam nicht auf den Gedanken, mir Gedanken darüber zu machen, welcher Religion ich angehöre, oder welche Weltanschauung sonst in meinem Geist herumschwirrt. Gut, dass ich darüber nicht nachgedacht habe. Ich wäre nur abgelenkt gewesen und hätte die wunderbare Stille und Atmosphäre nicht genossen. Nur ohne Ablenkungen, ohne geistige Abschweifungen, können wir die Gegenwart des Augenblicks bewusst erleben.

In einer buddhistischen Überlieferung heißt es:
Jemand fragte Buddha, ob er Gott sei. Buddha verneinte.
»Bist du ein Priester?«
Auch diese Frage verneinte Buddha.
»Was bist du dann?«
Buddha sagte: »Ich bin wach.«

Unser Leben ist nur in der Gegenwart wirklich zu Hause, darum hielt Buddha diese geistesgegenwärtige Wachheit aller Sinne für wichtig. An sich hat das nichts mit Religion zu tun.
Mein Besuch in der Moschee in Istanbul hatte auch keine religiösen Gründe. Ich wollte einfach nur da sein in meinen Augenblicken. Übrigens ist die Jungfrau Maria in der Hagia Sophia umgeben von arabischer Kalligraphie. Richtig, es ist ja heute "nur" ein Museum und kein Gotteshaus. Allerdings nahm sich der muslimische Architekt Mimar Sinan sich für die architektonische Gestaltung der Süleymaniye Moschee die Kuppel der Hagia Sophia zum Vorbild. Verschiedene Kulturen können sich annähern und gegenseitig befruchten. Das ist nicht das einzige Beispiel aus der Geschichte.

Meist sind es festgemauerte Vorstellungen und Verstrickungen unseres Geistes, die uns nach möglichst großen Unterschieden zwischen Menschen und Religionen suchen lassen.. In der Achtsamkeit sind wir aber alle gleich.
Egal, ob man Atheist, Christ oder sonst jemand ist, einem Friedensfest können wir uns kaum entziehen. Mit ein wenig Offenheit können wir in einer multikulturellen Gesellschaft gut zusammenleben, wie es uns die Römer vor zweitausend Jahren vorgemacht haben.
Mauern zwischen dem Ich und den anderen bilden immer nur wir selbst.

Ein weiser Chinese sagte einmal

»Mach die einfach innerlich leer und bring dich in Übereinstimmung mit dem Äußeren. Dann wirst du auch im hektischen Treiben der Welt in Frieden sein.«
( Yüan Wu, 11. Jahrhundert)

5 Kommentare

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Ich nehme an, dass Atheisten nicht in die Kirche gehen.
Mir persönlich sind die schlichten Kirchen am allerliebsten, denn
man wird dort nicht abgelenkt und kann zur Ruhe kommen.
  • 26.12.2017, 16:06 Uhr
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Kirchen haben immer etwas mystisches und heimeliges.

Ich gehe immer in ein Kirchengebäude, wenn ich einen Ort besuche oder erkunde.
  • 24.12.2017, 22:14 Uhr
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Die Tradition "Weihnachten" hat sich hier verselbständigt. Bei mir zu Hause ist das eine fast mystische Zeit der Verinnerlichung, wo Familie in anderem Sinne spürbar wird, als in der täglichen Arbeitsteilung der Haushaltsorganisation. Zwar gibt's auch da stille Momente der Zweisamkeit, aber nie so intensiv zelebriert wie in diesen Tagen.
Und oft gehe ich auch in die Kirche, weil da eine Messe von Händel oder Mozart erklingt. Das ist etwas ganz anderes, als von einer Schallplatte: Musik in ihrem sichtbaren Kontext des Ritus, ein Fest für Auge und Ohr.
In solchen Momenten denke ich nicht darüber nach, ob es einen Gott gibt oder nicht. Ich leide trotz atheistischem Hintergrund nicht an einer Religionsallergie.
  • 24.12.2017, 09:51 Uhr
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Ich bin Atheistin und feiere ganz normal Weihnachten nur das ich nicht in die Kirche gehe, weil ich nicht an einen Gott glaube. Ich wurde getauft evangelisch, konfirmiert und bin dann vor 25 Jahren ausgetreten. Ich habe eigentlich nie an einen Gott geglaubt. Weihnachten ist für mich ein traditionelles Fest aber ohne Bezug zur Kirche für mich eben, so einfach ist das
  • 23.12.2017, 20:23 Uhr
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