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Kunst verstehen: Konrad Klapheck porträtiert einfach Maschinen

Kunst verstehen: Konrad Klapheck porträtiert einfach Maschinen
Volker Barth
10.02.2018, 20:00 Uhr
Beitrag von Volker Barth

Das Rheinland feiert in diesen Tagen den närrischen Karneval und dieses ist für mich auch eine günstige Gelegenheit den bedeutenden Maler Konrad (Peter Cornelius) Klapheck vorzustellen. Er ist am 10. Februar (also heute) im Jahre 1935 in Düsseldorf geboren, hat an der dortigen Kunstakademie bei Prof. Bruno Goller studiert und lehrte hier von 1979 bis 2002 Freie Malerei. Und 2010 erfolgte dann seine Ernennung zum Ehrenmitglied der Kunstakademie Düsseldorf. Man zählt ihn zu den „Stars“ der Düsseldorfer Kunstszene und seine „Maschinenbilder“ erklärt man zu Ikonen der modernen Malerei.

Konrad Klapheck entwickelt einen eigenen Malstil, der Merkmale eines Realismuses, eines Surrealismuses und der Pop Art aufweist und den er bis heute pflegt. Seit den 1950er Jahren malt er präzise, gegenständlich, großformatig und scheinbar realistisch. Seine Motive sind technische Geräte, Maschinen, Apparate und Alltagsgegenstände, die er verfremdet, aber auch neu komponiert. Dazu gehören Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Telefone und Sirenen, Wasserhähne und Duschen, Bügeleisen, Schuhe und Schuhspanner, Schlüssel, Sägen, Autoreifen, Fahrradklingeln und Uhren. Man nennt ihn einfach „Maschinenmaler“, weil er seine Objekte vermenschlicht und ihnen poetische und literarische Bildtitel verpasst. Seine Werke tragen oft zwei Bezeichnungen, einmal den Gattungsbegriff und zum Anderen eine „Deutung“ oder einen synonymen Begriff zum Nachdenken wie z.B.: „Dampfbügeleisen“ und „Die Schwiegermutter“ (siehe Bildergalerie). Seinen Arbeiten verleihe ich die Attribute genau, streng - aber auch verspielt, humorvoll und ironisch.

„Maschinenbilder“ sind eigentlich Konrad Klaphecks Hauptwerk, 42 Jahre lang, aber ab dem Jahre 1997 vollzieht er einen radikalen Wandel: seine Neubilder kreisen um die Themen Erotik und Jazz. Manche Kunstfreunde empfinden dieses als einen totalen Bruch oder sprechen sogar von Verrat. Konrad Klaphecks Malerei ist aber immer autobiographisch - und er kehrt zu seinen Jugendthemen zurück. Übrigens hat er sich immer intensiv mit dem Aktzeichnen und der menschlichen Figur beschäftigt. Ab 1997 folgt dann schon eine umfangreiche Bilderserie mit Akten in Innenräumen und Landschaften. Die aller frühesten Gemälde waren Darstellungen von Jazzbands.

Wichtige Konrad Klapheck Aussprüche

„Meine Hauptwaffen sind der Humor und die Genauigkeit. Nur mit der Kälte der Präzision hat man Zutritt zu den Feuern der Seele und nur unter dem Deckmantel des Scherzes spricht man ungestraft aus, was man gesehen.“

„Ich benutze die Dinge nicht als Symbole, sondern ich male sie, so gut ich kann, und lasse mich überraschen, was sie zu sagen haben. Am Ende müssen die Bilder klüger sein als ihr Schöpfer und seine Absichten übertreffen.“

Weiter behauptet er stolz „MEINE MALEREI IST IMMER AUTOBIOGRAPHISCH!“ (Das bedeutet: Konrad Klapheck erzählt seine Biographie mit Dingen und Maschinen, die er malt).

Schon früh beschloss er „ ... ein ganzes System aus den Maschinenthemen aufzubauen und meine Biografie durch sie zu erzählen.“

Dazu passend habe ich das Foto „Konrad Klapheck mit dem Gemälde „Autobiographie (1983)“ als Aufmacherbild ausgewählt. Das Ölgemälde ist ein Gtoßformat von 229 mal 370 Zentimeter und gehört der Prada Collection, Mailand.

Witzig ist, dass man von „Auto“biographie spricht und ein Motorrad abbildet, dazu noch der erfundene Markenname „Star“ auf dem Tank - ist‘s ein Eigenlob?

Die Dinge oder Maschinen, die Konrad Klapheck malt, sind keine funktionstüchtige Apparate, sie benötigen auch keine Gebrauchsanweisungen, sie büßen ihren praktischen Sinn ein. Die Titel, die Konrad Klapheck seinen Bildern verpasst, erzählen gewisse Geschichten. Dazu erzählte er 1963:
"1. Die Schreibmaschine, dieses Instrument, auf dem die wichtigsten Entscheidungen unseres Lebens gefällt werden, ist bei mir männlichen Geschlechtes. Sie ist stellvertretend für den Vater, den Politiker, den Künstler.
2. Die Nähmaschine, die Helferin im Bedecken unserer Blöße, ist weiblich. Sie erscheint als Braut, Mutter und Witwe.…
3. Mit Hilfe der Maschine konnte ich die Dinge aus mir herausziehen, die mir bis dahin unbekannt waren, sie zwang mich zur Preisgabe meiner geheimsten Wünsche und Gedanken."

Bild 2: Das erste gemalte Bild von Konrad Klapheck an der Düsseldorfer Kunstakademie 1955 bei seinem sehr geschätzten Prof. Bruno Goller. Es ist die Schreibmaschine „Continental“, die für sechs Mark „Modell-Kosten“ pro Woche entliehen wurde.

Bild 3: Die gekränkte Braut (1957), ist eine Singer-Nähmaschine. sie ist laut Konrad Klapheck das weibliche Gegenüber einer (männlichen) Schreibmaschine. „In den geschwungenen Linien des Nähmaschinenleibes, im schimmernden Kopf mit Fadenführer, Fuß und Nadel erkannte ich Lilo wieder, von der ich mich kurz zuvor im Streit getrennt hatte.“ (Drei Jahre später wird sie Frau Klapheck).

Bild 4: Die Schwiegermutter von 1967, ein Dampfbügeleisen aufgestellt mit neun Löchern aus denen ganz schön Dampf zischt. Das Objekt ähnelt einer Witzfigur „einer aufgeplusterten, harmlosen Matrone“, und ist nicht
funktionstüchtig: kein Kabel, kein Regler, aber Dampf.

Bild 5: Der „Lebens“künstler Konrad Klapheck betitelt das Bild von einem sich öffnenden Zapp-Reisverschluss mit „Der Schürzenjäger (1976)“. Zu diesem Wortschatz gehört auch der Herzensbrecher und der Frauenheld.

Bild 6: Die Schönen der Nacht (1967) ist ein Gemälde von einem Paar Schnürschuh-Stiefeletten, die sehr modisch, sexy und elegant sind. Nur wie schick sieht eigentlich die dazugehörige Besitzerin aus?

Bild 7: Das Gemälde "Die Ideale der Väter (1965)“ zeigt eine Schreibmaschine mit dem Firmenzeichen „National“. Aber mit ihr stimmt etwas nicht: Die Tasten sind ohne Buchstaben und sie haben große Zwischenräume, während die Tastatur stramm militärisch in Reih' und Glied steht und einen überdimensionalen Papiereinzug bereit hält. Diese Schreibmaschine besitzt ein Eigenleben und erhielt von Konrad Klapheck (geb. 1935!) den bedeutungsvollen Gemäldetitel . Der „National“-Schriftzug auf dem klobigen schwarzen Rumpf ist der diskrete Hinweis auf die mörderische Bürokratie der NS-Zeit.

Bild 8: Dieses Bild „Schmerz (1988)“ hat eine traurige Geschichte: Im Jahre 1987 stirbt Konrad Klaphecks Frau Lilo tragisch bei einem Brand des holländischen Ferienhauses. Nach dem jüdischen Begräbnis malt Konrad Klapheck eine rote Schreibmaschine mit gelben hebräischen Buchstaben und verarbeitet so seinen „Schmerz“.

Ein wenig Biografisches

Die Familie Klapheck ist wie keine andere über ein Jahrhundert hinweg kontinuierlich mit der Kunstakademie Düsseldorf verbunden. Richard Klapheck wirkte hier als Kunsthistoriker von 1913 bis 1934. Seine Frau Anna Klapheck folgte ihm als einflussreiche rheinische Kunstkritikerin von 1952 bis 1966. Der gemeinsame Sohn Konrad studierte ab 1954 bei Bruno Goller, der ihn zu seinem Weg abseits der Abstraktion ermutigt. Ein penibler und langsamer Maler, der bisher 396 Bilder malte und z.B. für ein Bild zwei Jahre brauchte. Er nahm an der Documenta III (1968) und VI (1977) in Kassel teil. Der "Maschinenmaler" Konrad Klapheck lebt weiterhin in Düsseldorf und feiert sicherlich heute mit seiner Lebensgefährtin Wanda Richter-Forgasch und den Kindern Elisa und David seinen Geburtstag, herzlichen Glückwunsch!

Links:

(Konrad Klapheck - Biografie)
http://www.kettererkunst.de/bio/Konr...ck-1935.php

(Konrad Klapheck - Arbeiten)
http://www.konradklapheck.de/gal.html#

(Düsseldorfer Kunstakademie)
http://www.rheinische-art.de/cms/top...len-aus.php

(Bruno Goller)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Goller

(Museum Brandhorst München)
https://www.sammlung.pinakothek.de/e.../8eGVdBlxWQ

Map-Data:
Fünf Werke von Konrad Klapheck in Museum Brandhorst, Theresienstraße 35a, 80333 München

4 Kommentare

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Hallo Volker,
ein wunderbarer Beitrag und ich musste fast laut rauslachen. Den n Konrad Klapheck war eine meine Initialzündungen für mein Kunstinteresse. Im jahr vo meinem Abitur fuhr ich von freising nah München und ging ins Haus der Kunst, da war eine große Klapheck Ausstellung, 1976 war das. Und groß heißt groß, es war niederschmetternd, denn seine Maschinenblder sind ja riesige Formate und derart präzise gemalt, da geht kein Pinselstrich daneben. Es hat mich als jungen Burschen fast umgeworfen!
Die zweite Initiation war die große Max Ernst Retrospektive, ich bin vier- , fünfmal durchgegangen, ich wollt gar nimmer heimfahren. Si begeistert sein, Volker, das wärs nochmal, Glühen vor Idealismus. Wie gsésagt: Klapheck war mit dran schuld!
Valentin

https://vimeo.com/37591656

  • 11.02.2018, 20:08 Uhr
  • 0
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....aber das Reinsetzen von Werbung über einzelne Bilder finde ich gar nicht gut, Kunst sollte Kunst bleiben dürfen ......
  • 11.02.2018, 13:00 Uhr
  • 1
Volker Barth
... da kann ich Heidrun nur unterstützen !!!
  • 11.02.2018, 16:37 Uhr
  • 0
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Ein wunderbarer, eigenwilliger Maler und ein guter Anlass zu seinem Geburtstag wieder mal an ihn zu erinnern. Ich war immer begeistert von seiner langsamen hyperrealistischen Malweise und seiner Fantasie der amüsanten Titel.....
  • 11.02.2018, 09:58 Uhr
  • 1
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