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LIEBSCHAFTEN: Yves Klein und Rotraut  - Liebe, Tod und ein unendliches Blau

LIEBSCHAFTEN: Yves Klein und Rotraut - Liebe, Tod und ein unendliches Blau

09.03.2018, 22:12 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Paris 1962. Die Braut Rotraut Uecker, trug beim Hochzeits-Zeremoniell eine Tiara in Blau, der Bräutigam Yves Klein Umhang und Federhut. Die von Klein arrangierte Symphonie "Monoton Silence" begleitete das Hochzeitszeremoniell. Anschließend wurden die Cocktails für die Hochzeitsgäste serviert - natürlich ebenfalls in Blau.

Selten bilden die grosse Liebe und die Liebe zur Kunst eine harmonische Einheit. Doch Yves und Rotraud erlebten, wenn auch nur für eine kurze Zeit eine schicksalshafte, wunderbare Liebesbeziehung.

"Was ist Blau? Das Blau ist das sichtbar werdende Unsichtbare." - Yves Klein -

Yves Klein (geb.1928 in Nizza) stammte aus einer Künstlerfamilie und zählt heute zu teuersten, weltberühmten Künstlern. Er ließ sich das leuchtende "Klein-Blau" patentieren und machte es zu seinem Markenzeichen. Yves, der bereits mit 18 Jahren den tiefblauen mediterranen Himmel über Nizza zu seinem ersten Monochrom erklärte und behauptete, er habe den Himmel signiert. Er war sehr spirituell, begeisterte sich für die Kosmologie der Rosenkreuzer, war beeindruckt vom Blau der Fresken der Basilika von Assisi. Aber da waren auch sein Interesse für die Sprache Japanisch und den Kampfsport Judo und er verbrachte ein Jahr in Japan bevor er 1955 nach Paris zog. Japan hat sicher sein Interesse für die "Leere" das "Nichtfassbare" noch verstärkt. Er wollte die Welt nicht in Darstellungen, in naturgetreuen Bildern wiedergeben. Aber wie den unendlichen Kosmos, den endlosen Himmel anschaulich machen in der Kunst? Das war für ihn das Ultramarinblau, das leuchtende Blau, das für ihn die Unendlichkeit wiedergab. (Und das berühmte manipulierte Foto eines Freundes das Yves Klein beim Sprung in die Leere zeigt).
Die ersten monochromen Bilder entstanden. Zu seinem Glück lernte er den Kunstkritiker Pierre Restany kennen, der die Gruppe "Nouveau Realisme" leitete und ihn und seine Kunst auf den Weg zu den internationalen Galerien brachte, auch nach Deutschland.

Dort, in der Galerie Schmela in Düsseldorf, entdeckte ein junges Mädchen namens Rotraut Uecker im Fenster der Galerie ein blaues Bild von Yves Klein, kannte weder diese Art von Kunst noch den Künstler.

Rotraut Klein, geb. Uecker, ist die Schwester von dem acht Jahre älteren Günter Uecker (der Künstler, der ebenfalls weltberühmt wurde mit seiner "Nagel-Kunst"), aufgewachsen in einem ostdeutschen Dorf. Nachdem der Bruder nach Düsseldorf gegangen war um dort Kunst zu studieren, holte er auch Rotraut zu sich. Auch sie wollte an die Kunstakademie aber ihr fehlte der höhere Schulabschluss. So brachte sie der Bruder bei dem Künstler-Freund Arman in Südfrankreich als Kindermädchen unter. Es war eine glückliche familiäre Zeit umgeben immer von Kunst und Kunstgesprächen.
Und eines Tages stand Yves Klein vor der Tür, um Arman zu besuchen. Ein junger Mann, charmant, gutaussehend, der Künstler dessen blaues Bild sie schon in Düsseldorf in er Galerie Schmela so fasziniert hatte. Es war Liebe auf den ersten Blick, eine Schicksalsgemeinschaft, die auch im späteren Zusammenleben eine Einheit bildete. Sie unterstützte ihn nun mit Hingabe bei seiner Arbeit, begleitete ihn nach Deutschland, zum Austausch mit der Gruppe "ZERO", zu den Sammlern, nach New York und zum ersten großen Auftrag, einem Wandrelief in Blau im Musiktheater Gelsenkirchen.
Es war eine glückliche Zeit, die Arbeit von Yves Klein wurde anerkannt, doch die Herstellung seiner Kunstwerke ruinierten unwissentlich seine Gesundheit. Das flüssige Polyester, um Farbe und Schwämme zu fixieren war angeblich nicht giftig, doch die ausströmenden Dämpfe zerstörten seine Organe. Nach mehreren Herzinfarkten starb er 1962 mit 34 Jahren, Rotraut war im 5. Monat schwanger und stand nun allein da.
Der einzige Trost war für sie die Aussage von Yves Klein kurz vor seinem Tod, er, der das Immaterielle so liebte und das Blau des Himmels: ich werde nun das größte Atelier der Welt bekommen.
Rotraut Klein-Moquay heiratete erneut und lebt heute ebenfalls als Künstlerin.

3 Kommentare

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Liebe Heidrun, sehr interessant, ich wußte von Beiden nichts und aheb dazugelernt Und Vorsicht, Freundinnen und Freunde, das schreib ich jetzt ganz ohne Ironie: Es ist die Kunst nicht ungefährlich. Die Witwe eines Hobbykünstlers und Sonntagsmalers, der -wenn auch mit mittlerem Talent- mit umso größerer Begeisterung den Pinsel schwang und der ein glücklicher Mensch war und den ich schätzte und mochte...Also die Witwe behauptet, dass sich ihr Mann im Lauf der Jahre mit Weiß (Wars Bleiweiß?) vergiftet hat...So kanns gehen, auch in und mit der Kunst, das Leben ist einfach das gefährlichste überhaupt, das es zu leben und zu lieben gilt. Doch dies nur nebenbei als Randbemerkung...
Heidrun, Dir eine gute Zeit und bleib munter und gesund. Ganz liebe Grüße
Valentin
  • 11.03.2018, 18:20 Uhr
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Volker Barth
DAS B.L.A.U. nun mit blauen Buchstaben - einem L wie die Liebe, nicht in Rot sondern auch in Blau und einem A wie "ausgezeichneter Artikel" und einem U für eine urige Unterhaltung mit der ultramarinblauer Geschichte von Heidrun
  • 11.03.2018, 08:29 Uhr
Danke Volker für deinen Kommentar. Dafür sende ich ich dir zum Sonntag eine Landschaft in Blau ...
  • 11.03.2018, 09:52 Uhr
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