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Kunst verstehen: Das mondäne Paris der Belle Epoque

Kunst verstehen: Das mondäne Paris der Belle Epoque

Volker Barth
03.03.2018, 20:00 Uhr
Beitrag von Volker Barth

Am 14. Juli 1897 betrat Cornelius Theodorus Maria van Dongen, zwanzigjährig, nach einer Eisenbahnfahrt erstmals Pariser Boden. Es ist seine volle Sehnsucht nach der Weltmetropole der Künste. Kees van Dongen wohnte bei einem Landsmann namens Siebe Ten Cate in der Rue Malte 65und er hatte eine große künstlerische Hoffnung, dafür aber wenig Geld, aber den Stolz auf seinen „Autodidakten-Status“.

In Paris herrscht damals ein großer Fortschritts-Optimisnus für technische Neuerungen ein Stil und die Eleganz des Pariser Lebens. In diesen Aufbruchsstimmungen fanden die Pariser Weltausstellung 1878, 1889 und 1900 statt. Laut Schätzungen lockte allein die Jahrhundertwenden-Ausstellung über 45 Millionen Besucher aus der ganzen Welt an.

Schon bald wieder in die Niederlande zurückgekehrt, malte Kees van Dongen Landschaften, Hafen- nebst Kanalansichten und belieferte Zeitungen mit „Zeichen-Reportagen“, so z.B.: für das „Rotterdamsch Nieuws Blad“.

Hier lernte er seine Frau kennen

Im Jahre 1897 lernte er an der „Akademie für Bildende Künste und Technische Wissenschaften“ in Rotterdam Augusta Preitinger (genannt Guus) kennen, die ab Oktober 1899 sogar eine Anstellung in Paris fand - er folgte ihr im Dezember und blieb jetzt dauerhaft hier. Seine Haupteinnahmequellen waren illustrierte Zeitungen wie Froufrou, Le Rabelais, L‘Indiscret, Le Gilblas. Durch seine satirische Zeichnungen und Skizzen gelang ihm 1904 auch der Kontakt zur bekannten „Revue Blanche“. Im Jahre 1901 heiratete Kees van Dongen und der Kunsthändler Ambroise Vollard verschaffte ihm 1904 eine Einzelausstellung in seiner Galerie in der rue Lafitte.

„Cage aux fauves“

Ein Jahr später Kees van Dongen beteiligte sich 1905 am Salon d’Automne - stellte jedoch nicht in dem als „cage aux fauves“ (Raubtierkäfig) berühmt gewordenen Saal VII aus, der dem Fauvismus seinen Namen gab.

Und am 18. April 1905 war die Geburt von Tochter Augusta, genannt Dolly - man begegnete Pablo Picasso und ein Jahr später wechselte man in die Atelierbaracke „Bateau-Lavoir“. Hier lebte Pablo Picasso mit seiner ersten Lebensgefährtin Fernande Olivier und pflegte seinen Freundeskreis mit Max Jacob, Guillaume Apollinaire und André Salmon, später auch Juan Gris und Georges Braque. In diesem Atelier schuf Picasso seine ersten kubistischen Werke und das (!) Gemälde „Les Demoiselles d’Avignon“, damit war „Bateau-Lavoir“ der Geburtsort des Kubismuses.

Aber Kees van Dongen schloss sich ja schon 1905 den „Fauves“ an und empfing seinerseits in seiner Wohnstube im Bateau-Lavoir, die gleichzeitig als Atelier diente, André Derain, Maurice de Vlaminck, Charles Camoin und Henri Matisse.

Kontakte zur Künstlergruppe „Die Brücke“

Von 1908 bis 1912 unternahm Kees van Dongen mehrere Reisen (Deutschland, Spanien, Marokko und Ägypten). Und im Jahr 1909 wurde er Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“ in Dresden. Max Pechstein hatte van Dongen um 1907/1908 in Paris getroffen und ihn ermuntert, an einer „Fauves“-Präsentation innerhalb einer „Brücke“-Ausstellung 1908 in Dresden teilzunehmen (obwohl seine Werke nicht dem „Brücke“-Stil entsprachen). Jedoch kam es zu keinen weiteren gemeinsamen Aktivitäten.

Ab 1912 lehrte er an der Académie Vitti für ungefähr ein Jahr. 1921 trennt er sich von seiner Ehefrau. Der Fauvist Kees van Dongen kam durch Auftragsarbeiten zahlreicher Frauenporträts in den 20er Jahren zu Erfolg und schloss sich den mondänen Kreisen an, die am Montparnasse verkehrten. Kees van Dongen hatte viele Laster: er liebte Frauen, mondäne Feste und die Malerei und wurde 1929 französischer Staatsbürger.

Während der deutschen Besatzungszeit Frankreichs im Zweiten Weltkrieg nahm Kees van Dongen mit André Derain und Maurice de Vlaminck eine Einladung des deutschen Bildhauers Arno Breker an, Deutschland zu besuchen. Es entstand der Vorwurf der Kollaboration.

Nach seiner Scheidung von Augusta Preitinger (Guus) begegnete er Marie-Claire Huguen, die er 1953 heiratete und 1940 wurde der gemeinsame Sohn Jean-Marie geboren. Mutter und Kind zogen 1949 nach Monaco, in ein Haus, das Kees van Dongen “Villa Bateau-Lavour“ nannte und ihm anfangs als Winterquatier diente, ab 1957 siedelte er dauerhaft nach Monaco - behielt aber sein Atelier in Paris. Im Alter von 91 Jahren starb Kees van Dongen am 28. Mai 1968 in Monte Carlo (geboren wurde er am 26. Januar 1877 als Sohn eines Brauers, in Delfshaven bei Rotterdam).


Links:

(Kees van Dongen - Biographie)
http://www.whoswho.de/bio/kees-van-dongen.html

(Fauvismus)
https://artinwords.de/matisse-und-di...-fauvismus/

(Bateau-Lavoir)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bateau-Lavoir

(Montmatre)
http://help-tourists-in-paris.com/ue...re-pigalle/

(Montparnasse)
https://paris.sehenswuerdigkeiten-on...rnasse.html

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7 Kommentare

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Sehr interessant, Volker, was für ein langes, abwechslunsgreiches und bewegtes Leben.
Als van Dongen 1877 geboren wurde- wenn auch nicht in Frankreich- herrschte in seiner späteren Wahlheimat die Dritte Republik. Ludwig II von Bayern war erst ein Jahr tot, Wilhelm I von Preußen war Deutscher Kaiser usw. und dann stirbt dieser Maler 1968, als sich die Studenten in Europa erhoben, dazischen zwei Weltkriege, die Europa in Schutt und Asche legen...Was für eine riesige Zeitspanne und welche Fülle an Epochen und Ideologien und jetzt sogar Letzeres schon wieder Geschichte...Ist mir jetzt erst durch Deinen Beitrag wieder bewußt geworden!
  • 12.03.2018, 19:29 Uhr
Volker Barth
Deine geschichtlichen Zusammenhänge faszinieren und begeistern mich zusätzlich und so bin ich auch froh durch meine Themenwahl Positives zu bewirken. - Es ist nicht immer einfach! Mein Kommentar- Dank und viele schöne Grüße von Volker
  • 12.03.2018, 20:35 Uhr
Dank Dir, Volker! Alles Gute!
  • 12.03.2018, 21:55 Uhr
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Vielen Dank Volker für deinen herrlichen Beitrag !! Werde es heute noch ganz genau lesen.
  • 04.03.2018, 12:06 Uhr
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Gute Mischung-Malerei und Zeitkultur
  • 04.03.2018, 11:33 Uhr
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Interessante Zeit und ein Interessanter Maler, den man nicht allzuoft zu sehen bekommt...
  • 04.03.2018, 08:37 Uhr
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Vielen Dank für den interessanten Artikel...
  • 03.03.2018, 22:41 Uhr
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