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Der Klassenausflug

Der Klassenausflug

16.03.2018, 10:54 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Der Klassenausflug

Schon 7.30 Uhr, eilig läuft Leni durch den Garten zur Garage. Um 8.00 Uhr will die Lehrerin mit der Klasse 2a einen Ausflug starten. „Schon wieder verschlafen“, denkt sie. „Das muss ich unbedingt ändern. Dabei ist es doch schon seit einer Stunde hell. Der lange Winter ist endlich überstanden.“ Plötzlich bleibt sie stehen und schaut auf den Boden zu ihren Füßen. „Hallo Schneeglöckchen, ihr habt den Frost ja doch überlebt. Gestern noch lagt ihr platt auf der Erde und heute reckt ihr euch der Morgensonne entgegen – wie schön.“ Kopfschüttelnd öffnet die junge Frau das Garagentor. „Jetzt führe ich nicht nur Selbstgespräche, sondern rede sogar mit meinen Blumen.“

Es ist nicht weit bis zur Grundschule der Kleinstadt. Kurz vor 8 fährt der weiße Smart auf den Parkplatz der Schule. Auf dem Schulhof warten 12 Jungen und 14 Mädchen aufgeregt auf ihre Lehrerin. In den Schultaschen sind heute keine Bücher, sondern Trinkflaschen und etwas Proviant für einen Ausflug. Leni Bunte schaut sich um. Sie sieht zwei Frauen und einen Mann beieinander stehen. Freundlich begrüßt sie die Herrschaften. „Frau Kastner, Frau Özdemir, Herr Bär, wie schön dass sie heute Vormittag Zeit haben und mir helfen wollen die Rasselbande zu beaufsichtigen. Ach da kommt der Bus, wir fahren mit ihm nur 10 Kilometer. Das Ziel möchte ich noch nicht verraten. Bevor sie fragen, um 14 Uhr sind wir wieder hier.“ Mit strahlendem Lächeln wendet sie sich den Kindern zu. „Habt ihr euch alle warm angezogen?“ Der kecke Max fragt: „Sagen sie uns jetzt wo wir hinfahren“? „Überraschung – steigt jetzt bitte nacheinander in diesen Bus. Ich habe nacheinander gesagt.“ Keiner hört auf ihren Einwand. Wild drängen die Kinder in den Bus und suchen sich einen Platz. Max erobert mit seinen Freunden David, Jan, Lukas und Falk die Rückbank.
In der zweiten Bank direkt hinter dem Fahrer sitzen Lysann und Taleja. Zwei dunkelhäutige Mädchen, die sich angefreundet haben. Leni Bauer nimmt neben dem Fahrer Platz. „Los geht es, Herr Nolte.“ Es ist viel Verkehr auf der Bundesstraße. Der Bus hält nach ca. 50 Minuten auf einem Parkplatz. Ein Abholtermin wird vereinbart. Die Kinder versammeln sich um ihre Lehrerin. Laut verkündet sie: „Wenn wir durch dieses Tor gegangen sind, befinden wir uns in einem großen Park. Hier wurden im vergangenen Jahr viele Blumen und Sträucher neu angepflanzt. Denn hier war die Landesgartenschau NRW des Jahres 2017. Wir schauen uns jetzt mal um, welche Frühblüher den Winter überstanden haben. Ihr dürft auch die Spielgeräte erobern. Entfernt euch nicht zu weit von den anderen und bleibt in der Nähe eines Erwachsenen. David`s Vater, Ilka`s und Taleja`s Mutter achten auf euch. Ihr könnt euch jederzeit an einen von uns wenden, wenn irgendetwas nicht stimmt.

Lautes Geschrei ertönt am Himmel. Alle schauen nach oben. Dort fliegen viele, viele Vögel hintereinander. Sie bilden eine große Eins. Herr Bär ruft: „Die Kraniche kommen aus dem Süden zurück. Jetzt ist der Winter vorbei.“ Marie entdeckt die ersten Krokusse. Sie sind blau, weiß und gelb. Jan zeigt auf eine Wiese voller Schneeglöckchen. Narzissen, Morgenblümchen und sogar Tulpenknospen werden der Lehrerin gezeigt. Sie fotografiert Blumen und Kinder mit ihrem Smartphon und sagt: „Morgen während der Biologie Stunde schauen wir uns alle Bilder in Ruhe auf einer großen Leinwand an. Schaut mal dort auf dem Baum sitzt eine Blaumeise, die wundert sich, dass heute soviel Kinder zu Besuch kommen.“ Auf Baumstämmen kann man balancieren. Zehn Jungen beteiligen sich an einem Wettlauf, den Herr Bär angeregt hat. Aus der Tasche holt dieser eine Stoppuhr, die Ergebnisse werden notiert. Hassan ist der schnellste, er freut sich riesig über einen Snickers Riegel. Kleine Blessuren gibt es auch. Sie können mit Pflaster und Gummibärchen geheilt werden.

Nach ca. zwei Stunden sind auch die lebhaftesten Kinder müde und erschöpft. In einem warmen Aufenthaltsraum werden die mitgebrachten Brote, Obst und Getränke ausgepackt. Alle sind sich einig: „So macht Schule Spaß.“

Der Ausflug ist noch nicht beendet. Auf dem Parkplatz wartet Herr Nolte mit dem Bus. Schon nach 20 Minuten hält der Bus vor einem großen, alten Bauernhaus. Leni Bunte ergreift das Mikrophon und sagt: „Liebe Kinder, ich versprach euch noch eine besondere Überraschung. Hier wohnt ein Bauer, dem 500 Schafe gehören. In jedem Frühling werden die Lämmer geboren. Bauer Kuhlmann ist mein Onkel. Nur deshalb dürft ihr euch jetzt die süßen Lämmer ansehen. Bitte verhaltet euch ruhig und erschreckt die Tiere nicht. Wenn ihr alle brav seid, dürft ihr sie auch anfassen und streicheln.“ Als sie Lysanne`s ängstliche Augen sieht beteuert sie sofort: „Nur wenn ihr keine Angst habt und es gerne möchtet.“

Onkel Wilhelm schaut aus der großen Deelentür. Er wartet schon auf seine Nichte und ihre Kinder. In einem großen Stall sind die Mutterschafe und ihre frisch geborenen Lämmer untergebracht. Die niedlichen Tierkinder erobern im Nu die Herzen der Menschen. Alle sind verschieden. Es gibt weiße, schwarze, sogar weiße mit schwarzen Köpfen und schwarze mit weißen Beinen. Zwillinge und Drillinge werden, leise jubelnd, entdeckt. Frau Kastner besitzt eine Digitalkamera. Selbstverständlich ohne Blitzlicht findet sie hier die schönsten Motive, die sie natürlich der Lehrerin am nächsten Tag per Computer zuschicken will.

Am Abend dieses sonnigen März – Tages sitzt Leni im Wohnzimmer neben ihrem Mann Olav. Sie erzählt von dem Ausflug und zeigt ihm die Bilder. Die schönsten Foto`s sind nun auf ihrem Laptop übertragen worden. Zum Abschluss sagt sie: „Schau, dies ist mein absolutes Lieblingsbild.“ Olav sieht einen hell – und einen dunkelhäutigen Jungen, die ein schwarzes Lamm streicheln. „Ich bedauere nur, dass ich davon kein Video gedreht habe. Dann könntest du jetzt hören, wie Sven zu Ali sagt: „Es ist genau so schwarz wie du.“ Ali antwortete sofort mit einem verschmitzten Grinsen,
indem er auf ein weißes Lamm zeigt: „Weiß wie du, aber ohne rote ???? äh“ „Haare“, half ihm Sven.“
Leni schaltet den Computer aus und sagt zufrieden: „Das war mein erträumtes Ziel dieses Klassenausfluges. Sie sollten miteinander spielen und sprechen. Kleine Hänseleien gehören dazu.

Froh und dankbar bin ich außerdem, dass niemand das Wort – Lammbraten – ausgesprochen hat.“
Olav umarmt seine Frau: „Nicht einmal ich musste an Essen denken, als ich gestern bei Bauer Kuhlmann war. Es war wirklich schön, diese pure Lebensfreude zu beobachten. Diese lustigen Bocksprünge und anschließend legten sie sich friedlich nuckelnd an Mutters Seite.

12 Kommentare

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Kinder sind solange unkompliziert solange sie Kind sein dürfen und nicht von Erwachsenen
in alle Richtungen programmiert werden.
  • 19.04.2018, 11:11 Uhr
  • 0
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Hallo Marga, eine gute Geschichte in der du behutsam einige Probleme unserer Zeit eingearbeitet hast. Kinder sind bis zu einem gewissen Alter unkompliziert und sehen die Welt viel offener an, Freundschaften werden unvoreingenommen geschlossen. Wir können daraus viel lernen. Danke für diese schöne Geschichte. Liebe Grüße - Ursula -
  • 27.03.2018, 17:58 Uhr
  • 0
Liebe Ursula ich freue mich, dass dir meine Geschichte gefällt. Ich denke auch: wir müssen den Kindern beibringen Respekt und Achtung für Menschen aufzubringen, die eine andere Kultur haben. Es ist schwer und eine kaum zu schaffende Aufgabe, wie wir ja augenblicklich in den Zeitungen lesen können. Trotzdem gibt es überall Menschen die sich diesen Problemen stellen.
Liebe Grüße
  • 28.03.2018, 10:33 Uhr
  • 0
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Eine wunderschöne Geschichte Marga Danke das du uns daran teilhaben lässt
  • 18.03.2018, 15:12 Uhr
  • 0
Liebe Elke, ich freue mich, dass sie dir gefallen hat.
Liebe Grüße
  • 18.03.2018, 18:58 Uhr
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Hallo Marga, es hätte mir sehr leid getan, wenn ich deine Geschichte verpasst hätte und das wäre um ein Haar passiert...Es war wieder einmal eine schöne Geschichte, die du gekonnt erzählt hast...
  • 22.03.2018, 22:17 Uhr
  • 1
Danke Karin -- auch für das schöne Foto. Ist die Herde auf einem Deich?
Liebe Grüße.
  • 23.03.2018, 10:32 Uhr
  • 1
ja in Geetsil auf dem Deich...
  • 23.03.2018, 12:29 Uhr
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Wie schön geschrieben Marga
  • 16.03.2018, 19:00 Uhr
  • 0
Danke Helge, ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. Den Frühling müssen wir uns leider erträumen.
  • 17.03.2018, 10:26 Uhr
  • 1
Eine feine Erzählung, die gut in die Osterzeit hinein passt...
  • 17.03.2018, 17:27 Uhr
  • 0
Danke Ernst, leider sind keine Lämmer auf deinem Bild.
  • 18.03.2018, 18:56 Uhr
  • 1
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