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Kunst verstehen: Einen Leonardo da Vinci für nur einen Euro ...

Kunst verstehen: Einen Leonardo da Vinci für nur einen Euro ...

Volker Barth
14.04.2018, 20:05 Uhr
Beitrag von Volker Barth

Morgen, am 15. April kann man den Geburtstag des Universalgenies Leonardo da Vinci feiern. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen, um ihn mit einer seiner „kreativsten“ Arbeiten, die er um 1490 schuf, zu ehren. Die Zeichnung ist ganz schön geheimnisvoll und eine gedankliche Weiterentwicklung von den antiken wissenschaftlich-philosophischen Gedanken des römischen Architekten Vitruv (Markus Vituvius Pollis, 1. Jahr. v. Chr.).

Eigentlich kennt „das“ Motiv ein jeder (Die Rückseite der italienischen Ein-Euro-Münze). Beim Original handelt es sich um eine Skizze mit Notizen aus einem seiner Tagebücher. Ein Mann, die Arme und Beine ausgebreitet, steht in einem Kreis und einem Quadrat, während die Körperteile in einem „idealen“ Verhältnis zueinander befinden. Das Ganze steht nicht nur für die Schönheit des menschlichen Körpers, sondern auch für die Universalität der Kunst und des menschlichen Geistes.

Mit seiner Federzeichnung illustrierte Leonardo da Vinci die These des Vitruv: Der aufrecht stehende Mensch füge sich sowohl in die geometrische Form des Quadrates wie des Kreises ein. Ebenfalls zeigt die Studie, wie sehr Leonardo an Körperproportionen und -bau interessiert war.

Leonardo beschriftete und erklärte die Bedeutung seiner Zeichnung mit engplazierten Erklärungen (wie z.B.: unterhalb der Quadratunterkantenlinie und des Maßbandes) „Die Länge der ausgestreckten Arme eines Menschen entsprechen seiner Größe“. Seine Proportions-Vorstellungen hatte er nicht nur aus antiken Überlieferungen, sondern auch durch eigene Anatomie-Vermessung junger Männer in den Jahren 1489/90.

Alles in Spiegelschrift

Angemerkt werden muß noch, dass Leonardos Aufzeichnungen in Spiegelschrift geschrieben sind - die Zeilen verlaufen von rechts nach links und jeder Buchstabe ist sogar umgedreht, was das Lesen sehr, sehr schwierig macht, eine Begründung: Es liegt an Leonardos Linkshändigkeit (diese soll die Spiegelschrift schreiben stark vereinfachen) und eben an seinem Wunsch, eigene Ideen und Gedanken geheim zu halten.

Das Zeichnungs-Motiv befindet sich seit 1822 in der Galleria dell‘Accademia in Venedig, ist selten ausgestellt, taucht aber heute überall auf: bei Unternehmenslogos, in der Wissenschaft, der Medizin und bei Krankenkassen, im Internet, Print und Film (Dan Browns „Da Vinci Code“), auf Souvenirs sämtlicher Art vom Kaffee-Becher, über T-Shirts bis zum Schlüsselanhänger - und sogarauf der Rückseite der Ein-Euro-Münze von Italien, sicherlich eine geniale Huldigung an den Künstler Leonardo da Vinci, die Epoche Renaissance und dem römischen Architekten Vitruv.

Zu ihrem Glück hatte die Kunstgeschichte den italienischen Architekten und Hofmaler der Medici Giorgio Vasari, der auch Biografien von italienischen Künstlern (darunter z.B.: Leonardo da Vinci, Raffael und Michelangelo) verfasste - er war damit einer der ersten Kunsthistoriker.

Mit dem Titel „Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“ erschien das erste Buch 1550 und das zweite 1568. Dieses Werk, in dem über 162 Künstlerbiographien (beginnend mit Giovanni Cimabue bis Michelangelo) dargestellt wurden, gilt als die wichtigste Informationsquelle über die Künstler der italienischen Renaissance. Trotz historischer „Ungenauigkeiten“ gelten bis heute die Beschreibungen der jeweiligen Künstler als maßgeblich).

Leonardo da Vincis Biografie mit Schwerpunkt „Mailand“

Leonardo (di ser Piero) da Vinci, ein Universalgenie der Renaissance, war ein italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph - aber alles in einer Person. Erst ab 1472, als Leonardo als Meister in der Malergilde - der Lukasgilde - in Florenz eingeschrieben war, wurden von ihm erste Arbeiten bekannt. Er schuf so berühmte Gemälde wie das „Abendmahl“, die „Mona Lisa“ und dazu Notizbücher, Zeichnungen und Skizzen (bestehend aus ca. 6000 Blättern) - mit künstlerisch wertvollen Illustrationen zu verschiedenen Themen wie Biologie, Anatomie, Technik, Waffentechnik, Wasserwirtschaft und Architektur und hinterließ Bauwerke, technische Anlagen und Beobachtungen des Kosmos.

Nach dem damals verwendeten julianischen Kalender wurde er am 15. April 1452 in Anchiano bei Vinci in Italien geboren. Er arbeitete in Florenz, Mailand, Rom. Mit 67 Jahren verstarb er am 2. Mai 1519 auf Schloss Clos Luce, Amboise in Frankreich. Sein Geburtstag jährt sich jetzt am Wochenende zum 566. Mal.

Personen-Beschreibung des Leonardo da Vinci

Giorgio Vasaris Künstlerbiografie „Leonardo da Vinci“ machte ihn zu einer Ausnahmepersönlichkeit, obwohl der Biograf acht Jahre alt war als Leonardo starb. Mit dieser umfangreichen Lebensbeschreibung hatte Vasari auch sich ein „Denkmal“ gesetzt. Er erzählte viele Geschichten - eigentlich Künstlerfabeln - und beschrieb wichtige Bilder. Es tauchte die Idee vom „göttlichen Künstler“ auf, genauso wie charakteristische Eigenschaften: Leonardos Hang zum Perfektionismus, sein außergewöhnlicher Erfindungsreichtum und die Universalität der Interessen - herausgestellt werden auch Leonardos höfisches Wesen und seine „göttliche Anmut“.

„Er sei von schöner Gestalt, ebenmäßig, anmutig und von schönem Aussehen. Er trug einen kurzen, bis zum Knie reichenden rosafarbenen Mantel, denn damals waren lange Kleider in Mode. Sein schönes gekräuseltes wohlgepflegte Haar fiel ihm bis zur Mitte der Brust“. Zum weiteren griff Leonardo oft zu einem kleinen Skizzenbuch, das er am Gürtel trug und begann immer wieder wie besessen zu zeichnen.

Und am Ende tischte Giorgio Vasari noch die ruhmreiche Legende von „Leonardos Tod in den Armen des französischen Königs Franz I.“ auf. (Dazu existiert das Jean-Auguste-Dominique Ingres-Gemälde „Franz I. am Sterbebett Leonardo da Vincis“ von 1818, Musee du Petit Palais, Paris).

Leonardos Erbe

Leonardo da Vinci hinterließ alle seine Manuskripte und die gesamte Ausstattung seines Ateliers seinem Testamentsvollstrecker Francesco Melzi. Sein Diener Battista Villani und Salai erhielten jeweils die Hälfte seines Weinbergs außerhalb von Mailand. Geld und Kleider bekam sein Dienstmädchen Maturina, weiteres Geld die Armen des Hospitals in Amboise und vierhundert Dukaten gab er seinen Halbbrüder.

Die Mailänder Leonardo-Zeit

Zwischen 1487 und 1490, der Beginn seiner Proportions- und Anatomiestudien (Bildergalerie), etablierte sich Leonardo als Künstler am Hofe Ludovico il Moros in Mailand. Er organisierte höfische Feste, arbeitete mehrere Jahre an dem nicht ausgeführten Reiterdenkmal (Bildergalerie) Francesco Sforzas - und schuf das weltberühmte Abendmahl (Bildergalerie).

Unbedingt erwähnenswert ist noch das berühmte Gemälde (Bildergalerie) des Malers Jacopo de Barbari. Es zeigt das „Studio“ des italienischen Mathematikers Luca Pacioli mit einem unbekannten jungen Herrn von 1495, (Musee Nationale, Neapel).b

Auch tat Leonardo sich in Mailand als Bildnismaler hervor z.B.: bei dem „Bildnis der Cecilia Gallerani“ (Bildergalerie). Dieses Bildnis vermittelt das Konzept „des bewegten Darstellungsmodus“, denn in diesem Werk ist die der Körperdrehung entgegengesetzte Wendung des Kopfes besonders deutlich. Zudem wiederholt das Hermelin die Bewegung der jungen Frau, deren elegant gekrümmte Hand wiederum mit der Körperbewegung des Tieres korrespondiert. Zum einen stellt das Hermelin eine Anspielung auf Cecilias Nachname dar, denn Gallerani erinnert vom Klang her an die griechische Bezeichnung „galee“ für Hermelin. Zum anderen galt das Tierchen als Symbol für Reinheit und Bescheidenheit, da es der Sage nach den Schmutz scheute und nur einmal am Tag fraß. Seit dem Ende der 80er Jahre des 15. Jahrhunderts konnte das Hermelin zudem als Anspielung auf Ludovico Sforza gedeutet werden, der es als eines seiner Embleme verwendete. In Gestalt seines Symboltieres wird Ludovico also auf den Arm genommen und sanft gestreichelt. Die besondere, delikate Situation und die vergleichsweise differenzierte Symbolik des Bildes ergeben sich aus der Stellung der dargestellten jungen Dame, denn die 1473 oder 1474 geborene Cecilia war 1489 die Lieblings-Mätresse Ludovico Sforzas. Das Bildnis befand sich nachweislich in ihrem Besitz, möglicherweise als Erinnerung an die vor- und außerehelichen Freuden Cecilias und Ludovicos, der im Jahre 1491 - also kurz nach Entstehung des Porträts - aber Beatrice d‘Este heiratete.

Zitat: „Abends ging ich mit einem Landsmann spazieren und wir stritten über den Vorzug von Michel Angelo und Raphael; ich hielt die Partie des ersten, er des anderen, und wir schlossen zuletzt mit einem gemeinschaftlichen Lob auf Leonardo da Vinci“. (Johann Wolfgang von Goethe 1787)

Links:

(Leonardo da Vinci - Biografie)
http://www.biologie-schule.de/leonar...a-vinci.php

(Architekt Vitruv)
http://www.deutsches-museum.de/bibli...tur/vitruv/

(Luca Pacioli)
https://de.wikipedia.org/wiki/Luca_Paciol

(Goldener Schnitt)
https://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt

(Accademia, Venedig)
https://de.wikipedia.org/wiki/Accademia_(Venedig)


Map-Data:
Galleria dell‘Accademia, Campo Della Carita, 1050, 30123 Venezia VE, Italien

3 Kommentare

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Hallo Volker, sehr informativ und interessant.
Ich habe nachgeschlagen, weil ich der Meinung war, dass ein Abbild des Mannes in Quadrat und Kreis auch mit der Voyager 2 als Botschaft der Menschheit ins All geschickt worden wäre. Ich kanns nicht verifizieren. Tatsächlich handelt es sich wohl eins der Bilder zur "Anthropologie" als Lehre vom Menschen ( Eine der vier Fragen von Immanuel Kant: "Was ist der Mensch?"), ein Archetyp sozusagen ...Wenn Ausserirdische uns so sehen würden, sie wären entzückt vom Ideltypus. Wenn ich Donald Trump und Assad und Putin sehe, naja: "Nobody is perfect!", wir sind wohl alle nicht so wie Leonardo uns wünschte!
Alles Gute Dir!
  • 15.04.2018, 13:32 Uhr
  • 1
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Ein Universalgenie aus Italien, ein Wegbereiter - ein Individualist - ein Visionär !!!

Danke Volker das du dir die Mühe gemacht hast - ihn uns mal wieder näherzubringen.
  • 15.04.2018, 12:53 Uhr
  • 1
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Interessanter Beitrag über Leonardo da Vinci, welcher auch als Erfinder und Naturwissenschaftler überaus ein Universalgenie blieb und er war seiner Zeit
nur einfach um vieles voraus. Hätte er damals schon das passende Material
zur Verfügung, wie künstliche Antriebsform, von einen Motor oder einer Dampfmaschine
wäre er da schon in der Lage gewesen sein Traum vom Fliegen auch technisch umzusetzen.
Seine Skizzen hatten bereits das geistige Gedankengut dazu.
  • 15.04.2018, 11:30 Uhr
  • 1
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