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Die LIEBSCHAFT mit einem Künstler ohne Moral - Marianne von WEREFKIN und Ale ...

Die LIEBSCHAFT mit einem Künstler ohne Moral - Marianne von WEREFKIN und Alexej JAWLENSKY

11.05.2018, 18:48 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Sind Frauen und Künstlerinnen trotz großer Begabung mehr zur Entsagung und Aufopferung für die Liebe ihres Lebens bereit als Männer ?

Ein ungleiches Paar, die beiden Russen MARIANNE VON WEREFKIN und ALEXEJ JAWLENSKY und doch verband sie trotz Standesunterschied und Herkunft die Begeisterung für Malerei und eine Liebe, die hässlich endete.

MARIANNA WERJOWKINA, geb. 1860 in Thula (Russland) entstammte einer gebildeten, begüterten Adelsfamilie (Mutter: Malerin, Vater: General), deren großes malerisches Talent aufs beste gefördert wurde. Auf Gut Blagodat hatte sie ihr eigenes Atelier, bekam frühzeitig Zeichenunterricht und professionellen Unterricht bei Ilja Repin (1880}, dem bedeutendsten Maler des russischen Realismus. Sie war eine hübsche junge Frau, belesen, intelligent, selbstbewußt und ausgestattet mit viel Talent und Privilegien. Nach Petersburg studierte sie weiter in Moskau. Bald schon wurde sie anerkannt, viele Ausstellungen folgten und erhielt sogar die Auszeichnung "russischer Rembrandt". Nach 1890 modernisierte sie allerdings ihren Malstil hin zu einem Impressionismus osteuropäischer Prägung.
Sie war jung, sie war berühmt in Russland und sie verliebte sich 1892 in den fünf Jahre jüngeren, mittellosen Kadetten Alexei Jawlensky, der sich plötzlich mehr für die Kunst als für das Militär interessierte und mit dem Malen begonnen hatte. Er wurde von Repin an sie verwiesen, um von ihr Unterricht zu bekommen. Sie erkannte seine Begabung, verliebte sich in ihn und setzt sich in den Kopf, ihn mit all ihrer Kraft zu lieben, zu unterstützen und ihn zu fördern.
1896 starb ihr Vater. Nun wurde sie noch unabhängiger durch eine sehr hohe zaristische Rente, mit der sie auch großzügig den mittellosen Jawlensky unterstützte. Den Wunsch Russland zu verlassen, erfüllten sie sich nun gemeinsam mit der elfjährigen Zofe. München, begehrte Kunststadt sollte es sein. Sie richteten sich eine großzügige Doppel-Wohnung im Stadtteil
Schwabing mit allem Komfort ein, die dann auch zum "Salon" für die Avantgarde wurde, reger Austausch mit Kandinsky, Marc, Münter und anderen aufstrebenden Künstlern fand statt bei der "reichen Russin".
Jawlensky wurde zur weiteren Ausbildung in der Privatschule Anton Azbe zugelassen und gewann dort angehende Künstler als neue Freunde.
Und die Malerin Werefkin? Sie unterbrach zehn Jahre ihre eigene Malerei und ordnete alles den künstlerischen Ambitionen ihres Geliebten unter.
Doch sein Interesse galt nicht nur der Kunst, sondern auch Werefkins Zofe Jelena Nesnakomoff. Er begann auch mit ihr eine Liebesaffäre. Als die 15jährige ein Kind von Jawlensky erwartete, kam Hilfe von der Werefkin und sie reiste mit der Schwangeren zur Geburt nach Lettland, um den Behörden in München zu entgehen. Zurück kamen sie mit der älteren Schwester von Jelena mit "ihrem" angeblichen Sohn Andrej. (Die Wahrheit war erstmal verschleiert). Eine tragische "Beziehung zu dritt“ wurde fortgesetzt. Verschiedene Reisen als Familie zu viert, gemeinsame Sommerferien auch im Münter Haus, alles großzügig finanziert von der Werefkin. Doch auch die Kunst blieb Mittelpunkt und sollte über allem stehen.1909 wurde die Münchner Künstlervereinigung gegründet. Später auch der "Blaue Reiter".
Der 1. Weltkrieg zwang sie über Nacht Deutschland zu verlassen und sie flüchteten in die Schweiz.
Als nun die großzügige Rente 1917 durch die Russische Revolution ausblieb, trennte sich Jawlensky von ihr. Marianne von Werefkin behielt Haltung und verarbeitete ihren Schmerz in ihrem Tagebuch "Briefe an einen Unbekannten".
Und Jawlensky? Er wurde immer berühmter und schnell fand sich für ihn eine neue Frau namens Emmy Scheyer, die sich ihm als Agentin anbot und ihn davon überzeugte, nach Wiesbaden zu übersiedeln 'wo das große Geld' sei. Dort lebte er zusammen mit Sohn Andrej und Jelena Nesnakomoff, hatte weitere Liebesaffären mit unterstützenden Frauen und nur sein Sohn Andrej konnte ihn dazu überreden seine Mutter letztendlich zu heiraten. Er starb 1941.

Marianne von Werefkin, sie hatte einen hohen persönlichen Preis bezahlt, sich diesen untreuen Mann ohne Moral und Rücksicht auszusuchen. Doch sie blieb sich selbst treu und verfolgte in Ascona allein ihren Weg als Künstlerin weiter. Sie fühlte sich dort sehr wohl, war im Ort beliebt und wurde geschätzt. Sie hinterließ uns viele interessante Gemälde, schenkte dem dortigen Museum viele Bilder. Museen, wie auch das Lenbachhaus in München, zeigen uns ihre Sicht und Interpretationen von wunderbaren Landschaften und Porträts in fantastischen Farben.

5 Kommentare

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Hallo Heidrun,
ein überaus interessanter Beitrag.
Ohne Jawlensky zu nahe treten zu wollen, finde ich, dass er einer der "schwächsten" Künstler in Schwabing im Umfeld des "Blauen Reiter" war. Und er hat anscheiend Menschen skrupellos ausgenutzt und benutzt...
Es gab im BR Fernsehen vor ein paar Jahren einen Beitrag zu Werefkin und da wurden Filmaufnahmen aus Ascona gezeigt. Sie war zum Ende ihres Lebens berühmt, aber" arm wie eine Kirchenmaus". Die Fallhöhe von der russichen Adeligen, die sagenhaft reich war zur "freien" Künstlerin war immsens und unvorstellbar. Aber vielleicht wars ein Akt der Befreiung und der Selbstfindung. Der aber -auch was den Partner anging- sehr sehr schmerzvoll und demütigend war...
Danke für den Beitrag und ich möcht mich net als "Gscheidhaferl" und Besserwisser aufführen, aber ich glaub den Interessierten gefällt beiliegendes Video...Da siehst Du, was Marianne von Werefkin für einen klaren und schönen Stil in ihrer Malerei hatte. Viel Freid damit und Ois Guade, Heidrun!

Valentin

  • 12.05.2018, 07:49 Uhr
Danke Valentin - wie man sieht, sie hat unglaublich viele Bilder gemalt, die die meisten gar nicht kennen - meine Auswahl war nicht einfach. Schöner interessanter Kommentar !!
  • 12.05.2018, 11:02 Uhr
Danke Dir!
  • 12.05.2018, 17:39 Uhr
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Volker Barth
Liebe Heidrun ich muss jetzt an Mariannes Selbstbildnis von 1910 im Lenbachhaus denken und an ihren "in und außen"-Satz »Ein Leben ist viel zu wenig für all die Dinge, die ich in mir spüre, und ich erfinde mir dafür andere in mir und außer mir. Ein Wirbel erfundener Wesen umgibt mich und hindert mich, die Wirklichkeit zu sehen. Die Farbe beißt mich ans Herz.«
  • 12.05.2018, 00:20 Uhr
Danke Volker, es gäbe noch einiges zu sagen über sie und noch viele unbekannte Bilder anzuschauen ...Heidrun
  • 12.05.2018, 11:05 Uhr
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