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Mali Losinj 1971

Mali Losinj 1971

24.06.2016, 09:56 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Die kleine Insel Losinj mit den Ortschaften Mali und Veli liegt südwestlich der Insel Cres, eine langgestreckte dalmatinische Insel.
Mali: unser Urlaubsziel.
Unser Ford Taunus wie immer voll bepackt, nicht nur der Kofferraum, auch der Dachgepäckträger.
War er überladen? Oder hatte Curt die Reifen nicht richtig überprüft?
Auf der Autobahn in Höhe von Ascheberg platzte ein Reifen. - "Da fängt ja gut an!"
Nach dem Reifenwechsel blieben glücklicherweise weitere Pannen aus.

Die Übernachtungen in den Hotels wie in Bad Krozingen, unserer ersten Station, genoss und liebte ich besonders. Das gemütliche Abendessen und das ausgedehnte Frühstück taten mir gut. Ich hatte ja immer viel zu tun, auch während der Campingreisen.

Die Alpen querten wir über den Plöckenpass und landeten in Italien. Auf einem Markt direkt hinter dem Pass konnte man allerlei kaufen. Ich erstand ein paar rote Sandalen mit Korksohle und ein Reiseplaid aus Wolle.

In Istrien logierten wir in einem romantischen Hotel. Morgens als erstes liefen wir barfuß und im Badeanzug durch den unteren Ausgang in eine Felsenlandschaft am Meer. Nach dem Bad in der Adria und dem Frühstück ging es weiter zur Fähre. Diese brachte uns auf die Insel Cres. Wir passierten sie längs , anfangs an gefährlichen Abhängen auf kurvenreicher Strecke, später weniger gefahrvoll.
Vor scharfen Kurven sagte Curt stets:" Rechts" oder "links". Wir legten uns dann in die angesagte Richtung , um ein Gegengewicht zu unserem Dachgepäck zu erreichen. Das klappte wundervoll. Wir lachten viel. Nebenbei gewahrte ich die bergige Kalklandschaft. Auf einem Felsenfeld sah ich verkrüppelte Kiefern wachsen. Wie ist das möglich?! Später bemerkte ich: das flachere Land ist mit kleinen Mauern durchzogen. Diese Mauern bestehen aus aufgeschichteten Steinen, die in dieser Gegend in Mengen herumliegen.
Eine kleine Holzbrücke verbindet Cres mit Losinj. Auf dem Weg nach Mali liegt unten im Tal ein See. Ab da wunderten wir uns über ein dünnes Wasserrohr, das unseren Weg, die einzige Straße auf Losinj, begleitete. Ein Schild mit einem tropfenden Wasserhahn kündigte eine Wasserstelle an. Wir machten halt. Flimmernde Hitze überfiel uns. "Schnell wieder ins Auto!" nachdem wir uns mit Wasser versorgt hatten.
Das Rohr geleitete uns weiter bis Mali, das malerisch am Hang mit Palmen und subtropischen Klima schwerelos in der Sonne vor uns auftauchte. Wir durchquerten den Ort und erreichten den Campingplatz im Pinienwald am Meer.
Später erlebten wir die Wasserversorgung!
Die Hotels, die vor uns lagen, nahmen zuerst, was sie brauchten. Wir guckten oft in die Röhre. Manchmal stand ich mit dem Kanister in der Schlange und starrte gebannt auf die Tropfen, die aus dem Hahn flossen.
Niemand sagte etwas. Keiner beschwerte sich.
Ich stand eingeseift unter der Dusche; das Wasser blieb aus. "Ich spüle meine Haare im Meer aus", rief ich meinen Lieben zu und trapste ins Salzwasser.

Nicht kochen zu müssen: für mich ein Traum. Diesen Traum erfüllte ich mir in diesem Urlaub.
In einem Gartenrestaurant erwartete uns schon der Keller mit gedecktem Tisch, nachdem wir zweimal dort gegessen hatten. Er brachte uns sofort die Suppe. Mit Scampis, Tintenfisch, auch Palatschinken und Kaiserschmarren verwöhnten wir uns. Dazu ein Glas Rotwein.
Unsere Kinder, elf, fünf und fast vier Jahre alt, badeten gern im Meer. Aber die "Kleinen" sollten in der Bucht baden und sich tummeln können. Das ging schlecht, weil hier Boote lagen; auch ein- und ausliefen. Cornelia, in einem Reifen und mit Schwimmflügeln an den Oberarmen, wurde von einem kleinen Schlauchboot mit Kinder überfahren. "Seid ihr blöd?!", schimpfte sie, als sie auftauchte.
Eine Wienerin stand hinter mir am Ufer, beobachtete ihren Mann, der weiter links ein Motorboot starten wollte, während ich meine beiden "KLeinen" im Auge behielt. "Will Ihr Mann mit laufendem Motor durch die badenden Kinder fahren?" fragte ich sie.
"Ja, wir sind aber versichert." --"Das beruhigt mich."
Ab da mussten die die Kleinen am Klippenstrand im Tiefen schwimmen. Mit Schwimmflügeln ging das ganz gut. Ich ließ sie nicht aus den Augen. Claus schwamm außerdem mit Taucherbrille und Schnorchel. Er beobachtete die Fische und den Meeresgrund.
Jemand arrangierte eine Bootsfahrt zur "Robinsoninsel".
Wir saßen im Sand und ließen uns gegrillte Fische mit Wein und Brot schmecken, als wir Claus im seichten Wasser in Richtung offenes Meer schwimmen sahen. Er schwamm wie immer mit dem Kopf unter Wasser und bemerkte nicht, dass er weder Schwimmflügel noch Brille und Schnorchel trug. Curt eilte hinterher und stoppte ihn. Aber mit dem Kopf über Wasser zu schwimmen, das musste er erst lernen.
Wir trotteten zu Fuß weite Strecken über schmale Pfade hintereinander am offenen Meer an den Klippen entlang, badeten zwischendurch in einer flachen Bucht. - Die Sonne schien, das Meer, blau und frisch, schlug mit unruhigen Wellen gegen die Felsen. Einladend für Curt und Claus. Sie konnten nicht widerstehen. Doch für den Anfänger Claus zu gefährlich. - Die Weller drängten ihn gegen die Riffe. Schnell zog ich ihn wieder heraus. Eine kleine Schramme am Oberarm blutete etwas.
In Veli wollten wir im romantischen kleinen Hafen draußen im Restaurant unseren Hunger stillen.
Es dunkelte schon.
Curt studierte die Speisenkarte. Sein Appetit, besonders groß, veranlasste ihn, als erstes drei Portionen Pommes frites zu bestellen.
Dann zeigte er auf ein Gericht:" Bitte das." Der Ober: "Nicht mehr da." "Noch eine Portion Pommes frites. Curt wies auf das Nächste: "Haben Sie das?" "Auch nicht mehr da." "Noch eine Portion Pommes frites." "Wieso bestellst Du soviel Pommes frites?" "Ich habe Hunger!!!" - "Können wir das haben?" Schließlich bekamen wir alle etwas zu essen.
Als Beilage fünf große Portionen Pommes frites, in bunten Servietten in fünf Schüsseln serviert, konnten wir nicht verzehren. Wir fütterten anschließend die Fische im Meer.

Die Sorge um Oma Schlenkerbein, die wir krank in Münster zurückließen, trübte unsere Ferien.
Sie kämpfte seit März mit den Nachwirkungen einer Darmkrebsoperation.
Curt fuhr alle zwei Tage runter zum Poststation am Hafen, um dort, handvermittelt, mit ihr zu telefonieren. Stets stand er in einer langen Schlange vor dem Postschalter. Eines Abends schloss die Beamtin vor seiner Nase den Schalter: 19.00 Uhr: Feierabend! -
Eine Stunde vergebliches Warten.
Am Tage unserer Rückreise packten wir nach dem Frühstück unsere Siebensachen. Das dauerte lange. Unser Hauszelt ließen wir stehen. Es passte nicht mehr. Gegen Mittag ging endlich die Reise los. Es vergingen mehrere Stunden, bis wir die Fähre erreichten und sie uns ans Festland gebracht hatte.
In Istrien angekommen, buchten wir in einem großen, alten mehrstöckigen Hotel, das links etwas zurück an der Straße lag, zwei Zimmer im vierten Stock. Ohne Aufzug.
Am hoteleigenen Strand stand Claus sofort am Pool, ließ einen Tarzanschrei los, sprang kopfüber ins Wasser. Gundi mit einem eleganten Sprung hinterher. Cornelia konnte noch nicht schwimmen.
Ich freute mich nun darauf, ungetrübt, wie gewohnt, zu Abend zu essen. --Große Enttäuschung!-
Man wies uns in einem riesengroßen Saal einen Tisch in Küchennähe an der Ecke zu. Acht Kellnerinnen in schwarzen Kleidern mit weißen Schürzchen warteten in unserer Nähe auf die Dinge, die für mich neu waren.- Der Saal füllte sich mit Hunderten von Menschen, die alle Platz nahmen. Die Kellnerinnen stürzten sich ins Gewühl. Es gab drei Reisgerichte zur Auswahl.-
"Woher kommen die vielen Menschen? Was ist das hier? Was ist hier los?" fragte ich Curt.
Der zuckte mit den Schultern.
Später sah ich die Schilder der deutschen Reiseunternehmen am Hoteleingang.
Meine Feststellung:" Camping ist schöner!"
Am nächsten Tag reisten wir weiter in Richtung Steiermark. Ich wollte Alpl wiedersehen. Nach einem Umweg aßen wir im Gasthaus Bruggraber zu Mittag. Ich aß Knödel mit Sauerkraut und Geselchtem.
Das Waldhaus am Hang und der Lärchenwald!
Alles sah noch so aus wie 1943.
Später übernachteten wir am Fuße des Stuhlecks in einer "Poststation". Wegen der absoluten Stille wäre ich gern länger geblieben. Die geröllreichen Wege zwangen uns zur Weiterfahrt. Wir konnten nicht wandern. Wir hatten nur Sandalen mit.
Bei Kiefersfelden telefonierten wir mit Friedl in Marktheidenfeld, um zwei Zimmer zu buchen.
Friedl Mathes, seit 1965 Irmgards Ehemann.
"Zum Goldenen Karpfen" hieß sein Hotel direkt am Main.
Wir gaben uns erst beim Abendessen zu erkennen. Denn wir hatten Friedl nur einmal gesehen. Wir plauderten viel miteinander. Das Essen war gut und Friedl ein freundlicher Geselle, der gern "sehr tief ins Glas" schaute.

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